Konditorei Kinnel backt Geburtstagstorte für den Dalai Lama

Happen für die Heiligkeit

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Das Torten-Team (von links): Markus Kinnel, Chef des Café Kinnel, Azubi Hasem Younes, Konditorin Pia Hartmann und Konditorin Yvone Dick.

Mühlheim - Was für ein Auftrag. Da wird selbst der Profi nervös. Eine Geburtstagstorte für den Dalai Lama – das zaubert der Mühlheimer Konditormeister Markus Kinnel wahrlich nicht jeden Tag. Von Marina Schwabe 

Er und sein Team haben das Backwerk mit imposanten 18 Stockwerken trotzdem äußerst professionell vollendet und präsentiert. Wie schon so manche ungewöhnliche Torte zuvor. Seine Heiligkeit hat gekostet. Und nicht nur das: „Drei Stücke hat er gegessen“, erzählt Markus Kinnel lächelnd. „Der Dalai Lama ist ein richtiger Kuchenfanatiker.“ Da hat sich der ganze Aufwand doch gelohnt. Zwei Wochen Backen, Formen, Verzieren, ein ganzes Team des Café Kinnel rund um die Uhr beschäftigt. Der Auftrag kam vom Tibeterverein. Der wünschte sich von den Mühlheimer Meisterbäckern eine Torte für die große Feier zum 80. Geburtstag des Dalai Lama in der Frankfurter Jahrhunderthalle.

Dass ausgerechnet Kinnel zu diesen Ehren kam, liegt daran, dass der Konditor seit Jahren das Frankfurter Café Mozart mit seinen Kuchen und Torten beliefert. Jenem wiederum stattet der Dalai Lama, so er in Deutschland weilt, regelmäßig in Begleitung des Frankfurter Oberbürgermeisters Peter Feldmann oder seines langjährigen Freundes und ehemaligen Hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch einen Besuch ab.

„Die Lieblingstorte des Dalai Lama ist unsere Schweizer Nuss, die isst er im Café Mozart immer“, verrät Markus Kinnel. Klar, dass auch die Geburtstagstorte für das Oberhaupt der Tibeter zu einem Drittel eine Schweizer Nuss war. Hinzu kamen einige Etagen Kinnel-Torte und Fürst Pückler. Das Meisterstück bestand aus insgesamt 18 Stockwerken: acht Etagen in der Mitte und zweimal fünf rechts und links. So viel würde es brauchen, um alle 450 VIPs der Geburtstagsfeier satt zu bekommen, hatte der Mühlheimer Konditormeister ausgerechnet. Für die restlichen 2000 Gäste gab es Blechkuchen, ebenfalls aus dem Hause Kinnel. Das wahre Glanzstück war natürlich die VIP-Torte. Alle Etagen waren weiß überzogen und garniert mit einem grünen Band und lila Marzipan-Orchideen. „Das hatten sich die Tibeter so gewünscht, grün und lila sind ihre Farben“, erklärt Kinnel. Dazu ein Schriftzug mit Geburtstagswünschen für Seine Heiligkeit.

Die zwei Wochen Vorbereitungszeit waren nur ein Teil der Herausforderung für das Torten-Team Kinnel. Der zweite, mindestens genauso anspruchsvolle Part der Mission Dalai Lama waren der Transport und der Aufbau vor Ort: „Eine schweißtreibende Arbeit“, erzählt der Mühlheimer Konditor. Die Etagen wurden erst in der Halle zusammengesetzt, hinter der Bühne. „Dann mussten wir das gute Stück über Kabel auf die Bühne rollen, da hatten wir schon ganz schön Bammel, dass wir stolpern könnten.“ Dem Dalai Lama begegnet sind die Mühlheimer Bäcker allerdings nicht: „Er war gut beschützt und behütet von seinen Leuten.“

Mittlerweile widmet sich Markus Kinnel, der seit 1989 Chef des Café Kinnel ist, wieder den ganz normalen Alltags-Torten und Kuchen. Jenen zum Geburtstag, zur Hochzeit, zur Taufe, mittlerweile aber auch zur Einschulung oder anderen Anlässen, für die die Kundschaft erst seit kurzem süßes Backwerk verlangt. Geändert haben sich auch die Ansprüche an die Gestaltung der Torten: „Früher gab es zwei Hochzeitstorten, heute kommt 99 Prozent der Leute mit dem iPad und zeigt mir: So will ich’s haben!“ Das sei ihm sehr recht, meint Kinnel. Schließlich sei sein Team gefragt, wenn es um das Besondere und Spezielle gehe. „Die gewöhnlichen Kuchen kriegen die Leute im Supermarkt günstiger, das ist nun mal die Entwicklung.“

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