Wo früher die Jugend tanzte

Mühlheimer Ruderverein nutzt ehemalige Diskothek jetzt als Fitnessraum

Im neuen Fitnessraum des MRV haben die Ruderer die Möglichkeit, auch die Muskelgruppen zu trainieren, die auf dem Wasser weniger gefordert sind.
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Im neuen Fitnessraum des MRV haben die Ruderer die Möglichkeit, auch die Muskelgruppen zu trainieren, die auf dem Wasser weniger gefordert sind.

Der Blick der Öffentlichkeit richtet sich über den träge dahinziehenden Fluss auf die verwaisten Anlegestellen. Doch auch im Schatten der Schlagzeilen zur fehlenden Fähre hat sich viel getan.

Mühlheim – Von außen ist keine Veränderung erkennbar, innen aber hat der Mühlheimer Ruderverein (MRV) die einst prominente Diskothek in einen Fitnessraum für seine Aktiven verwandelt, um das Training auf dem Wasser sinnvoll zu ergänzen. Fast 100 Tonnen Schutt haben die Mitglieder aus der Halle geschafft, berichtet Pressewart Jan-Niklas Eickhoff, Metall, Holz und Fliesen von Theken, Decke und Boden.

Vor zwei Jahren begannen sie mit den Arbeiten in dem Saal über den drei Bootshallen, der lange Zeit Heimat der musikbegeisterten Jugend war. Aus Frankfurt, Dieburg, Hanau und Aschaffenburg pilgerten sie ins „Lemon“, mehrere hundert junge Menschen tummelten sich am Wochenende bis in die frühen Morgenstunden in dem Tanzclub. Die Trennung vom turbulenten Treffpunkt lief nicht ganz reibungslos, doch im Sommer 2018 konnte der MRV-Vorstand über die 200 Quadratmeter große Fläche verfügen. Längst existierte der Plan, den Raum für vereinseigene Aktivitäten auszustatten. Im Visier stand der winzige Fitnessraum im Untergeschoss, gerade einmal 40 Quadratmeter mit niedriger Decke und renovierungsbedürftig, schildert der Sprecher die Zustände.

Mühlheimer Ruderer trainieren jetzt in ehemaligem Tanzclub

Also haben sie in die einstige Disco Fenster und eine neue Heizung einbauen lassen. Elektroleitungen und Wasserrohre wurden komplett ausgetauscht, eine Treppe vom Bootslager ins Obergeschoss geführt. Handwerker und Helfer haben spezielle Sportböden verlegt und Dämmplatten an die Wände gebracht. Einige Geräte wie die Trainingstürme, Beinstrecker, -beuger und einen Zugturm haben sie vom alten Standort mitgenommen. Die meisten Maschinen aber sind nagelneu. Sie kommen aus den USA, wo eine neue Trendwelle die Fitnessstudios erreicht habe, informiert Jonas Lotz. Er und Luise Oppermann unterstützen die Vereinskameraden ab 14 Jahren, geben Anregungen für die Nutzung des Equipments.

„Wir leiten kein Indoor-Training“, betonen die beiden Verantwortlichen für den Fitnessbereich, „wir geben Empfehlungen des Deutschen Ruderverbands weiter.“ An Ergometern und Spinningrädern wird das Rudern und Radfahren nachempfunden, andere Geräte ermöglichen Bewegungsabläufe, die sich auf die wenigen Muskelgruppen konzentrieren, die beim Bootfahren weniger gefordert sind. Klettern, Klimmzüge und Kniebeugen oder eigens abgestimmte Gymnastikübungen taugen also nicht nur, um die fade Winterzeit auf dem Trockenen zu überbrücken. Jonas Lotz arretiert die schweren, schwarzen Scheiben auf beiden Seiten einer Stange, die er dann bis auf Schulterhöhe anhebt. „Das gleicht die Ruderbewegung aus.“ Die Geräte stehen bis an die Terrasse. Der frühere Versammlungsraum ist auf die Ostseite gerückt, dort sind die sanitären Anlagen erneuert, ein Vorstandsbüro entsteht noch. Eine Einweihungsfeier, sagt Eickhoff, habe Corona vereitelt. (Von Michael Prochnow)

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