Verkehrsführung

„Das ist doch ein Witz!“: Mühlheimer SPD und CDU fordern zur B43 Antworten vom Minister

Seit mehr als einem Jahr liegen die Ergebnisse des Verkehrsversuchs vor, passiert ist seitdem nichts.
+
Seit mehr als einem Jahr liegen die Ergebnisse des Verkehrsversuchs vor, passiert ist seitdem nichts.

Schon lange liegen Ergebnisse eines Tests zur Verkehrsführung der B43 durch Mühlheim vor. Passiert ist bisher jedoch wenig. SPD und CDU wollen gemeinsam den Antrag wieder ins Rollen bringen.

Mühlheim – Rund ein Jahr lang hat der Verkehrsversuch, der eine mögliche Zukunft für die Verkehrsführung auf der Bundesstraße 43 durch die Mühlheimer Ortsmitte eröffnen sollte gedauert. Und beinahe ebenso lang ist es her, dass die Ergebnisse dieses Testlaufes vorgelegt wurden. Einzig, passiert ist seitdem wenig. Das finden auch die Fraktionen von SPD und CDU und wollen mit einem gemeinsamen Antrag wieder Bewegung in die Sache bringen. Dazu will die Koalition nun Hessens Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen Tarek Al-Wazir einladen, der, so die Idee, auf einer Bürgerversammlung in Mühlheim über die Zukunft der Verkehrsführung auf der B 43 informieren soll. „Mühlheim trägt die Hauptlast des Autoverkehrs aus dem Osten der Region Richtung Frankfurt“, betont SPD-Fraktionsmitglied Matthias Müller. Ziel der Großen Koalition sei es weiterhin, den Durchgangsverkehr künftig nur noch einspurig durch das Stadtzentrum zu führen und so mehr Sicherheit für Radfahrer und Platz für zusätzliches Grün und Parkplätze im Einzugsgebiet der Bahnhofsstraße zu schaffen.

Die Erfahrungen des Verkehrsversuchs, der von Juni 2018 bis Mai 2019 gelaufen war, hatte ein spezialisiertes Ingenieurbüro ausgewertet und vor mehr als einem Jahr vorgelegt. Auf Basis der daraufhin von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung getroffenen Beschlüsse, habe Bürgermeister Daniel Tybussek eine positive Empfehlung zur Entzerrung des Verkehrs auf der B 43 an Hessen Mobil weitergereicht, erinnern die Sozialdemokraten. Zwar müsse über die von Mühlheim gewünschte Änderung der Verkehrsführung letztlich das Bundesverkehrsministerium entscheiden, dieses benötige zuvor für den Abschluss des Verfahrens jedoch eine Stellungnahme der Landesbehörde Hessen Mobil, die Al-Wazir direkt unterstellt ist. Dafür sei inzwischen mehr als ein Jahr Zeit gewesen. „Bei Hessen Mobil mahlen offenbar noch Behördenmühlen. Insider sprechen von Kompetenzwirrwarr“, berichtet Matthias Müller. Ständig würden die Abläufe dort neu organisiert. „Es ist ein Witz, dass ein Minister, der ständig weniger Individualverkehr, weniger Verkehrslärm, weniger Emissionen fordert, nach einem Jahr die konkreten Vorschläge aus Mühlheim noch immer nicht aufgegriffen hat“, betont er.

„Die Folgen der Hängepartie tragen die Anwohner und Autofahrer gleichermaßen“, heißt es seitens der Koalition. Denn inzwischen würden die rot-weißen Markierungen, die die geänderte Verkehrsführung simulieren, zum Ärgernis, da sich auf den toten Flächen etwa der Dreck sammele. Der Unmut drohe inzwischen gar, die überwiegend positive Resonanz der Mühlheimer auf den Abbau einer Fahrspur zu wenden, befürchten SPD und CDU.

Gleichzeitig, so die Hoffnung der Großen Koalition, könnte der Minister bei der geplanten Bürgerversammlung auch zu weiteren Fragen aus seinem Zuständigkeitsbereich Auskunft geben, die die Mühlenstadt betreffen, wie etwa der S-Bahn. Mit der Kapazitätserweiterung des Frankfurter S-Bahn-Tunnels sollte nicht zuletzt die Zuverlässigkeit der Verbindungen erhöht werden. „Bei den Linien S8 und S9 scheinen Bahn und RMV, dessen oberster Aufseher der Hessische Verkehrsminister ist, weiter entfernt denn je“, so das Fazit der Groko. Die Bahnen fielen häufig aus, Verspätungen von 20 Minuten und mehr seien keine Seltenheit. Defizite gebe es auch bei der Reinigung des Bahnhofs, für dessen Betrieb der RMV zuständig sei.

Ein weiteres Feld sei zudem der Wohnungsbau, der ebenfalls in Al-Wazirs Zuständigkeit falle. Mit dem Förderprojekt „Großer Frankfurter Bogen“ will das Land Hessen ein Potenzial von bis zu 200 000 Wohnungen in 55 Gemeinden im Umland von Frankfurt erschließen. Zu diesen zählt auch Mühlheim. Je nach Rechenbasis bedeute das Vorhaben 2 000 bis 4 000 neue Wohnungen für die Mühlenstadt, so die Koalition. Dafür müssten große bislang freie Flächen erschlossen oder vorhandene Gebiete intensiv nachverdichtet werden. „Eine solche Dimension scheint den antragsstellenden Fraktionen in Mühlheim kaum realisierbar.“ (Von Thomas Holzamer)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare