Kontakt kommt ins Rollen

Streetworker im Zirkuswagen unterwegs

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Mühlheim - Die Vorstellung der Projekte, mit denen sich Mühlheimer Vereine um Geld aus den vom Holzland Becker und unserer Zeitung mit 7500 Euro gefüllten „Klingelnden Vereinskassen“ bewerben, endet heute mit dem Zugpferd. Von Michael Prochnow 

Der Qualifizierungsverein, bei dem Mühlheims Streetworker zuhause sind, schickt einen Zirkuswagen als mobilen Treff durch die Stadt – förderwürdig.
Jetzt heult der schwarze Wolf zweimal im Monat vorm Hallenbad. Der Zirkuswagen vom Zugpferd ist einsatzbereit, die letzten Pinselstriche an den in Schwarz gehaltenen Motiven übernahmen Erster Kreisbeigeordneter Carsten Müller und Bürgermeister Daniel Tybussek: Sie malten neben Basketballer und Skater, Wasserturm und Wolf ein Flugzeug auf einer Fensterlade aus. Der mobile Treff alias „Streetworx“ kommt jetzt zu festen Zeiten dorthin, wo Jugendliche sind: ans Dietesheimer Mainufer, zur Skateranlage an Lämmerspiels Von-Stauffenberg-Straße und in den Bürgerpark.

Für die aufsuchende Jugendarbeit macht die Stadtkasse 70.000 Euro pro Jahr locker, und das ist ein Schnäppchen. Das ist möglich, weil der Fachbereich Jugend und Soziales mit dem Verein Zugpferd kooperiert, der die Sozialpädagogen Christoph Kleinschmidt und Anni Wald als Streetworker beschäftigt. Zur Vorstellung des Projekts an der Ringstraße brachte Müller einen Scheck über 4 000 Euro für die Ausstattung des Wagens mit. Das Geld stammt aus der Stiftung „Miteinander leben“ des Kreises.

Sechs Schüler haben den Wagen im Frühjahr mit der Kunstpädagogin Birgit Gutmann gestaltet (wir berichteten). Die jungen Künstler identifizieren sich mit ihrem Werk, freut sich Christoph. Sie führen die Theke unter der ausfahrbaren Markise, verteilen Kaffee, Kuchen und Limo an Kinder, Teenager und erwachsene Gäste. Etwa acht Quadratmeter misst der Innenraum, der mit seiner rustikalen Holzverkleidung warm wirkt. Am Kopfende prangt ein Bild, Sitzgelegenheiten sind um einen Tisch gruppiert, der mit einer Kette an der Decke befestigt ist. Im vorderen Teil ist ein Regal montiert, das schon einige Schachteln mit Spielen trägt.

Für den Winter wird noch ein Ofen installiert, kündigen die Sozialarbeiter an, auch ein Stromanschluss kommt noch. Ein Werkzeugkoffer, damit auch mal ein Plattfuß an einem Fahrrad geflickt werden kann, wird das Inventar ergänzen, Sportgeräte, Musikanlage, ein Internet-Zugang und das Equipment für ein Open-Air-Kino. Das ist nämlich ein großer Wunsch der jungen Mühlheimer, wie Umfragen zeigen. Dank einer Anhängerkupplung kann das Gefährt auch von einem Pkw gezogen werden.

Ein wichtiges Angebot von Kleinschmidt und Wald ist, Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen anzusprechen. „Viele schleppen schulische, soziale und private Probleme mit sich herum und brauchen einen Ansprechpartner“, wissen die Pädagogen, andere suchen einen Ausbildungsplatz. „Unser Ziel ist es, mit den Jugendlichen in Kontakt zu kommen und ein Vertrauensverhältnis aufzubauen“, betonen die erfahrenen Streetworker. „Für viele Mädchen und Jungen sind Plätze wie die Skateranlage im Bürgerpark zum eigentlichen Lebensmittelpunkt geworden.“ Oft sei es schwierig, einen Zugang zu ihnen zu finden.

Bilder: Kerb in Mühlheim

Besonders im Winter ist es für die Sozialarbeiter nicht einfach, die jungen Leute zu erreichen. Das soll sich mit dem attraktiven Gefährt ändern. Der Wagen, der rund 25 .00 Euro gekostet hat und noch Geld aus der Aktion „Vereinskasse“ gebrauchen kann, dient ferner als Büro, sodass er auch Mietkosten spart. Der Bürgermeister blickt zurück auf die ersten Schritte, die der Arbeitskreis Konfliktmanagement bei Kindern und Jugendlichen im Präventionsrat ging. Die Gruppe strebte bereits vor zwei Jahren an, die Angebote von Jugendpflege und Schulsozialarbeit zu vernetzen.

Der Streetworx-Wagen steht montags und dienstags im Bürgerpark, jeden ersten und dritten Mittwoch am Mainufer Dietesheim, jeden zweiten und vierten Mittwoch an der Skate-Anlage Lämmerspiel.

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