Einsatz für die Natur

Mühlheimer Umweltstammtisch ist auch ohne regelmäßige Treffen aktiv

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Dr. Ullrich Kamuf (links) und Dr. Peter Mayer vom Umweltstammtisch, dessen Mitglieder sich auch gegen den Krach am Himmel engagieren.

Der Mühlheimer Umweltstammtisch trifft sich zwar schon länger nicht mehr regelmäßig, dennoch agieren die Mitglieder auch weiterhin zusammen öffentlich, sei es am Flughafen oder am Bahnhof.

Mühlheim – Als der Sprecher des Umweltstammtisches 1955 sein Ingenieurstudium in Hannover begann, gab es den Begriff „Umwelt“ im politischen Sprachgebrauch noch längst nicht. „Damals ging es nur um Aufbau“, erinnert sich Peter Mayer. Bald darauf galt etwa das Schwimmen im Fluss fast als Garant, zumindest einen Hautausschlag davonzutragen. Tote Fische gehörten zum normalen Bild von Rhein und Main.

Niemand, dem an seiner Gesundheit etwas lag, kam auch auf die Idee, die Füße in die Rodau zu hängen. Den Autozulieferer Ymos in Hausen hinderten keine Gesetzte dran, seine giftigen Chromelektrolyte nonchalant abfließen zu lassen, „alle richteten sich nach der Devise ,weg ist weg’“.

Zustände, die sich längst verändert hatten, als sich der Umweltstammtisch im Zuge der „Mühlheimer Agenda 21“ gründete. Bei der groß angelegten Bürgerbeteiligung hatte sich Ende der 90er-Jahre auch Dr. Ullrich Kamuf engagiert, der von der damaligen Aufbruchstimmung in der Kommune spricht. Es bildeten sich Gruppen für Stadtentwicklung, Umwelt und eine, die sich „Gutes für Mühlheim“ nannte. Die sollte umweltschonendes, lokales Gewerbe fördern. 2004 lief die Agenda aus. Der Umweltstammtisch begann mit seinen Aktivitäten.

In jenen Jahren herrschte der Zeitgeist, die Privatisierung kommunaler Versorger sei das Nonplusultra, die öffentlichen Kassen zu sanieren. Auch für Mühlheim zückten potenzielle Investoren schon die Kalkulatoren, um Renditen aus dem Geschäft mit Wasser und Strom zu errechnen. In einer Volksabstimmung 2005 sprachen sich die Bürger jedoch dagegen aus, ihr Eigentum in Form der Stadtwerke anderen zu überlassen. Auch die Mitglieder des Umweltstammtisches hatten sich für den Erhalt engagiert.

Ein anderes Thema dürfte an Aktualität wohl nicht mehr verlieren. Peter Mayer erzählt, wie er und seine Frau 1970 in Mühlheim für die Familie eine Bleibe suchten. Der Markwald wäre eine Option gewesen, kam aber wegen des Krachs der Flugzeuge nicht in Frage. Die landen mittlerweile weit häufiger als vor fast 50 Jahren. Erst recht seit 2011, als am Frankfurter Flughafen die Nordbahn eröffnete.

Im Vergleich zu den Demonstrationen in den frühen 80er-Jahren gegen die Startbahn-West war es im Vorfeld lediglich in homöopathischen Dosen zu Protesten gekommen. Seit acht Jahren müssen auch die Mühlheimer, die in Mainnähe wohnen, ebenso im Garten ihre Gespräche unterbrechen wie die Rumpenheimer und Sachsenhäuser. Den Zustand illustriert das Plakat mit den Kopfhörern über den „M“ bei Mühlheim, das Mayer entwarf. Auch Mitglieder des Umweltstammtisches trafen sich regelmäßig mit anderen Mühlheimern, um zum Gruppentarif mit der S-Bahn zu etlichen der bisher rund 300 Montagsdemonstrationen am Flughafen zu fahren.

Früher setzte sich die Gruppe, zu der etwa auch Parlamentarier wie Bernd Klotz und Ernst von Hermanni gehörten, einmal im Monat zusammen. Die Mitglieder ließen sich etwa Passivhäuser erklären, besuchten die Bienenstöcke des Imkers Jürgen Panthöfer ebenso wie die denaturierte Rodau.

Auch im Angesicht der Situation rund um die Fähre sieht Ullrich Kamuf Überlegungen skeptisch, Mühlheim und Dörnigheim mit einer Brücke zu verbinden, „die zöge nur noch mehr Verkehr an und veränderte die Stadt“. Auch wenn die regelmäßigen Treffen des Umweltstammtisches mittlerweile Geschichte sind, mindestens einmal im Jahr tritt man immer noch geschlossen auf: Am Putztag sammeln die Mitglieder um das Bahnhofareal den Dreck der anderen auf.

VON STEFAN MANGOLD

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