Das andere Daheim

Mühlheimer im Wohnmobil durch Marokko unterwegs 

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Mühlheim - Viele nehmen sich für den Ruhestand verwegene Reisen vor. In der Gegenwart plätschert das Leben vielleicht so ein bisschen dahin. Das Ehepaar Bär lernt die Welt bereits in jungen Jahren kennen. Im Buch „Reismomente“ berichten die beiden über Ihre Zeit in Asien. Jetzt sind sie wieder unterwegs - in Marokko.

Daheim wäre es für die junge Familie sowieso gerade ungemütlich. In ihrer Wohnung in Mühlheim rödeln die Handwerker. Das Haus wird entkernt. Es bot sich deshalb an, mal wieder für ein paar Monate Tschüss zu sagen. Wie vor zwei Jahren, als es für Anke und Robert Bär durch Laos und Kambodscha ging, damals noch zu zweit (wir berichteten). Diesmal verschwinden sie für kurze drei Monate. Seit Anfang Februar kurven sie mit dem Camper durch Marokko. Es stellt sich die Frage: Wie kann sich ein Ehepaar Anfang dreißig sowas leisten?

Das hängt mit der Ambivalenz der Digitalität zusammen. Auf der einen Seite kann man das Internet zwar nutzen, um etwa im Zug auf dem Handy in der Partnerbörse einen Lebensabschnittspartner zu suchen. Auf der anderen ermöglicht das Netz aber auch echte Freiheiten. Die nutzt Robert Bär. Er sitzt stundenweise in der Ferne am Laptop und programmiert. Das Ergebnis landet ein paar Sekunden später einen Kontinent weiter auf dem Schirm seines Auftraggebers.

„Weniger arbeiten, mehr (er)leben“, steht im Internetblock des Paars als Richtschnur. In einem Land wie Marokko liegen sie mit dieser Maxime ganz sicher nicht falsch. „In scha’a llah“ lautet der Refrain der meisten Konversationen. Das bedeutet so viel wie „Letztlich passiert nur, was Gott will“. Auf der einen Seite wirkt die Haltung aufs zentraleuropäische Gemüt fatalistisch, auf der anderen bedingt sie eine Form der Gelassenheit, für die manche viel Geld in Seminaren ausgeben.

Kompakt, bunt und digital - Camping steuert in die Zukunft

„Ihr habt die Uhr, wir haben die Zeit“, bekommen die Bärs in einer Stadt wie Marrakesch einen Einblick in die fremde Mentalität, obwohl es dort weit hektischer zugeht als anderswo im Land. „Betritt man die Altstadt, scheint sich ein Märchenbuch zu öffnen: Enge, rot gestrichene Gassen führen vorbei an hunderten Geschäften und Straßenständen“, steht im Blog. Die Portiers bekommen regelmäßig Anrufe verzweifelter Touristen. Im Dickicht der engen Straßen, durch die kein Auto passt, finden sie den Weg ins Hotel nicht zurück.

Und Bärs erleben auch diese gewissen peinlichen Momente, wenn man nicht genau weiß, wie man sich in der Fremde verhalten soll ohne anzuecken. Einmal schaut Anke Bär ihren Mann mit diesem Blick an. Da lädt ein Marokkaner die Familie gerade ein, mit dem Camper vor seinem Haus zu übernachten. Wo sie gerade ständen, sei es zu gefährlich.

Marokkanische Wintermärchen: Wenn der Muezzin zum Berg ruft

Beim Einheimischen angekommen, heißt es, weitere Gastfreundschaft für den Abend abzuwenden. Und das in einer Kultur, in der Gastfreundschaft zu den elementaren Tugenden gehört. Zudem zeigt der Mann auf das pickende Huhn, das zu Ehren der Mühlheimer gleich auf dem Teller landen soll. Das schlafende Baby und der Arabisch-Übersetzter auf Google helfen, den Besuch im Haus auf den Morgen zu verschieben.

Nach der Rückkehr im Mai steht das nächste Projekt auf dem Plan: Ein Buch über die Erlebnisse in Marokko. Internet: www.reisefiebaer.de

(man)

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