Jenny Nakew „belobigt“ worden

Polizistin, Karnevalsprinzessin, Werwolf, Cheerleaderin

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Polizeioberkommissarin - und nebenbei ein Leben retten. Jenny Nakew mit Urkunde und Gratulantenrunde.

Mühlheim - Jenny Nakew kann es nicht ganz einfach haben. Sie muss höllisch aufpassen, welche ihrer vielen Bestimmungen sie mit der Wahl ihrer Klamotten gerade nach außen trägt.

Fastnachtsprinzessin der KaKaM, Cheerleaderin bei den Hanau Hornets, Werwölfin bei der Halloween-Truppe auf Burg Frankenstein,

Mutmaßliche Kriminelle könnten den Ernst der Lage verkennen, falls sie es mit einer Polizeioberkommissarin Nakew zu tun bekämen, die zur Uniform aus Versehen ein Prinzessinnenkrönchen trägt. Umgekehrt wäre es wohl wenig sachdienlich, als karnevalistische Monarchin Nakew bei einem der zahllosen Mühlheimer Narrentermine mit Handschellen am Gürtel zu glänzen. Und die ambitionierte Cheerleaderin Nakew, der im leistungssportlichen Einsatz die Krallen der Halloween-Werwölfin Nakew durch die Puschel blitzen - undenkbar. Ist natürlich alles nur Spaß. Ganz anders als der 14. April vergangenen Jahres. Da holte Jenny Nakew einen verunglückten Radfahrer ins Leben zurück. Dafür sprach Landrat Oliver Quilling der jungen Mühlheimerin gestern eine „öffentliche Belobigung“ aus.

Ein reichlich trockener Begriff für die Dramatik der Situation. Es ist früher Nachmittag, als die zur Dietzenbacher Wache gehörende Polizeioberkommissarin Nakew und ihr Kollege Hellmann zu einem Verkehrsunfall nach Rödermark-Urberach gerufen werden. Ein Radfahrer, sagt eine Zeugin, sei aus unerklärlichen Gründen geradewegs an ihr vorbei gegen einen Baum gefahren, mit dem Hinterkopf auf den Boden geschlagen und liege da nun verletzt und bewegungslos. Vor Ort stellt sich „verletzt“ als richtig heraus; der Radler hat massive Wunden am Kopf. Und er atmet nicht mehr, hat keinen fühlbaren Puls und läuft schon blau an. Der Rettungswagen ist noch nicht da.

Herzdruckmassage rettet Leben

Jenny Nakew beginnt mit der Herzdruckmassage. Die einzige Chance für den Mann. Sie weiß offenbar ziemlich gut, was sie da tut, pumpt den Grenzgänger dem Tod fachmännisch von der Schippe, bis der Rettungswagen kommt und den Radler in die Klinik bringt.

„Eine vorbildliche Hilfeleistung“, wie der Landrat gestern auch im Namen des Landes ausrichtet, „und bei Weitem nicht üblich. Viele Menschen sehen lieber weg, rufen nicht einmal die Polizei.“ Jenny Nakew sei „ein Vorbild für uns alle“. Es war nicht die einzige Verbeugung der kleinen Feierstunde. Mühlheims Bürgermeister Daniel Tybussek, als Teil der Einsatzabteilung der Dietesheimer Feuerwehr nah an der Materie: „Was Sie hier geleistet haben, ist mit dem normalen Dienst nicht zu vergleichen.“ Polizeivizepräsidentin Anja Wetz und Kollegen zeigten nicht mit Worten alleine Stolz auf die Polizeioberkommissarin.

Heiße Hüpfer! Cheerleader aus aller Welt

Heiße Hüpfer! Cheerleader aus aller Welt

Und dann natürlich das Lob, an das sich Quilling sicher noch erinnern wird, wenn andere Ehrungen schon vergessen sind. Eine Leben rettende Polizistin dafür zu würdigen, dass sie „in ihrer Freizeit Menschen ‘jagt‘“, ist ja nun auch ungewöhnlich. Aber naheliegend. Jenny Nakew schlüpft seit Jahren bei einem der größten Halloween-Festivals Europas auf Burg Frankenstein hinter Darmstadt in die Rolle als Werwolf und lehrt in jeder Saison Tausende Besucher das Gruseln. „Als Werwolf ist man körperlich am aktivsten. Wir jagen Besucher oder springen sie an. Das ist mein Ding“, gab die Wandelbare zu Protokoll.

Als „etwas anders, aber nicht weniger aufregend“ sieht Quilling das jüngste Amt von Jenny Nakew: Sie träumte schon lange davon, einmal als Fastnachtsprinzessin auf dem närrischen Thron der Katholischen Karnevalisten Mühlheim zu sitzen. In dieser Kampagne nun regiert sie als Jenny I. mit Prinz Steffen III. Und dann ist da ja auch noch das Cheerleading bei den Hanau Hornets.

mcr

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