Kandidat mit eigener Hymne

Mühlheims Ex-Polizeichef Kurt Pfaff ist der 25. Müllerborsch

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Kurt Pfaff (Mitte) ist Mühlheims 25. Müllerborsch. Zum Auftakt der Kerb übernahm der ehemalige Polizeichef der Mühlenstadt Amt und Würden.

„Hier kommt Kurt. “ Die erste Zeile des Blödelsongs von Frank Zander genügt und fast jeder im Kerbzelt weiß, wer gemeint ist. „Ohne Helm und ohne Gurt. Und wo Kurt ist, tobt das Leben, Kurt ist da, wo alle sind." 

Mühlheim – “Auch das hat der Zander schon in den 80er-Jahren gewusst. „Mister Knackig, hart wie Stahl! K wie kernig und Kanone, absolut und optimal. “ Das wäre wohl die Kino-Version des Mühlheimer James Bond. „Wenn sie seh’n, was Kurt fürn Kerl ist, woll’n sie Kurt sofort von vorn!“ Bitte sehr: Kurt Pfaff heißt der 25. Müllerborsch.

Der ehemalige Polizeichef der Station im Rathaus steckt also wieder in einer Uniform. Der Kittel ist auch blau, die Mütze hat jetzt einen Schweif und ins Holster passt mehr Pulver. Der Kerbverein präsentiert gleich zum Auftakt der Mühlheimer Kerb im Festzelt seine Gallionsfigur. Angeblich fiel die Wahl auf den beliebten Pensionär bereits im September beim Jubiläum der Verschwisterung in Saint Priest. Seitdem war Kurt also der „geheimste Müllerborsch“, titelt eine Besucherin. „Selbst seine Frau hat nichts gewusst“, heißt es auf der Bühne.

Mühlheim: Erst Polizeichef, dann Müllerborsch

Anders ist das mit seiner Biografie, die gibt der frischgebackene Mehlträger offenherzig preis: Das Licht der Welt hat er Obergeiß bei Bad Hersfeld erblickt. Nach der Schule zog es Pfaff zunächst in ein Autohaus, wo er eine kaufmännische Lehre absolvierte. Nach zwei Monaten verließ er das Büro. Sein älterer Bruder war bei der Bundeswehr und riet, ihm nicht zu folgen. Also wählte der Borsch eine Laufbahn bei der Polizei, ließ sich in Kassel und Wiesbaden ausbilden und wurde 1975 ins 1. Revier nach Offenbach geschickt. Bereits 1977 fand die Familie Pfaff eine neue Heimat in Dietesheim.

Andrang beim Autoscooter: Die Rammautos sind traditionell ein Besuchermagnet für junge und alte Kerbgänger. 

Seinen Kommissarlehrgang schloss er nach dem Besuch der Verwaltungshochschule 86 ab. Er wurde nach Dreieich-Sprendlingen und in mehrere Dienststellen in Offenbach versetzt, bis er 2007 auch beruflich in der Mühlenstadt ankam. Seit seiner Pensionierung vor fünf Jahren widmet er sich verstärkt den Vereinen und dem Ehrenamt. Der Kickers-Fan, der aber auch mal bei einem Eintracht-Spiel zu sehen ist, ist stellvertretender Vorsitzender der DLRG und spielt Boule. Er ist verheiratet, hat zwei Töchter und zwei Enkel.

So isser halt, „einfach Kurt! Der nicht quengelt und nicht murrt!“, heißt es im Zander-Hit weiter. Das trifft auch auf Robert Kordik zu, den der Kerbverein zuvor „außer Dienst genommen“ hat. Der „Lämmerspieler Bayer“ habe seinen Job „ganz toll gemacht“, und auch für ihn gelte, „einmal Müllerborsch – immer Müllerborsch“, heißt ihn Michael Rupp vom Verkehrs- und Verschönerungsverein im Kreise der Männer mit den himmelblauen Polohemden willkommen.

Kerb: Auftakt mit Feuerwerk und buntem Programm

Karl-Heinz Schmunck in seiner Funktion als stellvertretender Stadtverordneten-Vorsteher und Bürgermeister Daniel Tybussek in Krachledernen und Wadenbeißern danken dem einen und gratulieren dem anderen mit Präsenten. Den zünftigen Rahmen für die Kürung gestalten die Schilehrer mit ihrer Trachtenparty. Die drei Pädagogen aus dem Zillertal begleiten später bei brütender Hitze auch den Frühschoppen mit Vereinsstammtisch.

Zum Auftakt gehört noch ein prächtiges Feuerwerk, das bei Einbruch der Dunkelheit über der Rodau gezündet wird. Zahlreiche Nachwuchs-Sportler und -Musiker aus allen Stadtteilen füllen das bunte Programm des Familiennachmittags. Heute geht die Kerb weiter mit einem Mittagstisch, mit Kaffeeklatsch und einem kunterbunten Nachmittag, bei dem das Blasorchester der Sport-Union aufspielt. Morgen locken die Fahrgeschäfte mit reduzierten Preisen, am Abend wird zwischen den Rhythmen der Rock-Band Helium6 der neue Müllerborsch aufgewogen.

Von Michael Prochnow

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