Kleingärtner fürchten Abgänge

Verein sieht Halteverbotszone an Brückfeld-Anlage als „bürgerfremd“

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Parken verboten: Wegen der neuen Regelung am Müllerweg ist man beim Kleingärtnerverein Brückfeld besorgt und verärgert.

Eine neue Regelung, zwei Seiten: Während die Kleingärtner vom Verein Brückfeld abwandernde Pächter fürchten, weil man am Müllerweg nicht mehr parken kann, wollte man im Rathaus für mehr Sicherheit für Radler sorgen.

Mühlheim – Der Weg zum grünen Glück führt nur noch über die Ordnungswidrigkeit. Davon ist zumindest Frank Kuschel überzeugt, wenn er auf die Anlage II des Kleingartenvereins Brückfeld an der Ecke Müllerweg und Hennigweg zu sprechen kommt. Wegen einer neuen Halteverbotszone sei es nicht mehr möglich, sein Fahrzeug regelkonform abzustellen, es sei denn, man setze sich über das Halteverbot hinweg.

„Das ist aus Sicht unseres Vereins nicht hinnehmbar und bürgerfremd, eine Katastrophe“, sagt der Schriftführer. So sei es nicht mehr zu schaffen, Dinge, die man in den Gärten braucht, auf- oder abzuladen. Ähnlich verhalte es sich mit der Entsorgung von Gartenabfällen in der Kompostieranlage. „Es besteht die Gefahr, dass unsere Pächter deshalb ihre Gärten kündigen und wir keine Nachfolger bekommen.“

Die Stadt betont auf Nachfrage: „Der Müllerweg ist eine der am höchsten frequentierten Straßen im Markwaldgebiet. Im Zuge der aufwendigen Instandsetzungsarbeiten der Rodaubrücke wurde das Augenmerk im Besonderen auf die Bedürfnisse der Fahrradfahrer gelegt, da in diesem Zusammenhang die Tempo-30-Zone zur Vorfahrtsstraße mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern wurde.“ Danach könne man nun nach dem Einbiegen von der Lämmerspieler Straße in den Müllerweg bis hinter die Forsthausstraße fahren, ohne anzuhalten.

Fernradweg R4 überregional von hoher Bedeutung

Ein Grund für die Neuregelung sei, dass der Hessische Fernradweg R4, der Henning- und Talweg verbindet, und in dem Abschnitt den Müllerweg kreuzt, sowohl für Mühlheimer, aber aber überregional eine hohe Bedeutung habe. „Es ist zum Schutz der Fahrradfahrer wichtig, für eine gute Übersichtlichkeit der Verkehrssituation zu sorgen.“

Der Radweg werde von vielen Schülern genutzt. „Wir müssen als Stadt die besonderen Bedürfnisse der nicht nur vermeintlich ,schwächsten’ Verkehrsteilnehmer berücksichtigen und möchten für die Kinder einen möglichst sicheren Schulweg zur Verfügung stellen.“ Deshalb sei ein in beide Fahrtrichtungen angelegter Schutz- und Angebotsstreifen für Radler unabdingbar. Die endgültigen Markierungen sollen im April kommen.

Spätestens wenn diese Markierungen kommen und die Tage wärmer werden, ist sich indes Kuschel sicher, werde es richtig Probleme geben. „Bußgeldbescheide oder die Nutzung des Parkraumes vor den Hochhäusern und im weiteren Umfeld werden die Folgen sein.“ Dass es während dem Umbau der Rodaubrücke Einschränkungen gab, sei absehbar gewesen, nun nehme man aber keinerlei Rücksicht auf die Kleingärtner. Auch ein Kompromiss, wenigstens einseitig den Parkraum zu erhalten, sei nicht in Erwägung gezogen worden.

Parkplatzkampf im Großstadtdschungel

In dem städtischen Schreiben wird betont, dass man ein großes Interesse daran habe, für ein gutes Miteinander zu sorgen. Mit den Mitgliedern des Kleingärtnervereins Brückfeld habe es einen offenen Dialog gegeben. „Zu unserem Bedauern ist es in manchen Situationen nicht möglich, den Wünschen aller gerecht zu werden.“

Die geänderte Verkehrs- und Parksituation am Müllerweg sei im Bauausschuss im vergangenen November von allen Fraktionen begrüßt worden und ein zentrales Anliegen des ADFC. Keinesfalls habe man die Kleingärtner einschränken wollen. Vielmehr habe man einen sicheren Verkehrsfluss für alle zum Ziel gehabt. „In diesem Fall musste zwischen einem Wegfall von Parkplätzen gegenüber einem Mehr an Verkehrssicherheit für Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer abgewogen werden.“

Von Christian Wachter

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