Norbert Ulzhöfer wirft einen Blick auf die Bahnhofstraße

Mühlheims Einkaufsmeile: „Alle wollen lieb zueinander sein“

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Adela und Norbert Ulzhöfer im „Whisky Flavor“ an der Bahnhofsstraße. Mittlerweile gibt es Stammpublikum.

Mühlheim - Einen wie Norbert Ulzhöfer könnte zweifellos jede Ladenlandschaft einer kleinen bis mittelgroßen Stadt ganz gut gebrauchen. Von Claus Wolfschlag 

Noch recht frisch an der Spitze der „Gemeinschaft Mühlheimer Fachgeschäfte“ hat er nach langer Abwesenheit den Vorteil, die Bedürfnisse der Geschäftswelt vor Ort zugleich von innen und außen betrachten zu können. Norbert Ulzhöfer investiert und verdient sein Geld an der Bahnhofstraße. Und spätestens, seit er zum Vorsitzenden der „Gemeinschaft Mühlheimer Fachgeschäfte“ gewählt wurde, steckt er auch manchen tieferen Gedanken in die Einkaufsmeile. Dass sich hier nicht immer alles im grünen Bereich bewegt hat, lässt sich schon an den vielen teils leidenschaftlichen Diskussionen in Volk und Volksvertretung um die Attraktivität der Achse ablesen. Ulzhöfer kann sich da einen gewissen Abstand erlauben. „Ich bin geborener Mühlheimer“, das sagt er als erstes. „Und früher, da gab es alles in der Bahnhofstraße – Radioläden, Spielwarenläden, Bekleidungsgeschäfte. Trotz der alten Parkautomaten war immer viel los hier.“ Dann zog Ulzhöfer fort und kam nach über 20 Jahren wieder. „Und plötzlich bemerkte ich, dass ein Wandel stattgefunden hatte. Im Vergleich zu früher wirkte die Straße wie ausgestorben“, erklärt er.

Eine Wahrnehmung, die mancher auf seine Weise ergänzt. Der Mühlheimer Magistrat etwa lässt ausrichten, die Situation unter Kontrolle zu haben und durch weitere Maßnahmen zu einer ausgewogenen Geschäftsstruktur in der Bahnhofstraße auch in Zukunft beizutragen. Auf knapp über 300 Metern in der verkehrsberuhigten Zone seien „Händler für alle Notwendigkeiten des täglichen Lebens“ zu finden.

Die Pressestelle der Stadt zählt Textilläden, Schuhgeschäft, Bäckerei mit Café, Eiscafé, Banken, Apotheke, Reisebüro, Innenausstatter, Friseur, Tee- und Geschenkeladen sowie den gut frequentierten Mühlheimer Buchladen auf. Dabei sei der Vollversorger Penny von zentraler Wichtigkeit. Durch dessen Renovierung und die Angebotserweiterung im Jahr 2013 sei der Standort langfristig gesichert worden. Das kulinarische Spektrum umfasse chinesische, japanische, Balkan- und gehobene deutsche Küche. Für Motorisierte gebe es den Parkplatz an der Brückenmühle mit mehr als 80 kostenfreien Plätzen. „Und ein wichtiger Faktor für den Einzelhandel stellt der von der Stadt vor mehr als 20 Jahren initiierte, donnerstags stattfindende Wochenmarkt dar, der mit seinem vielfältigen, vor allem aus regionalen Angeboten bestehenden Sortiment die dafür immer komplett gesperrte Fußgängerzone stark auslastet.“

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Laut Magistrat gilt für die Bahnhofstraße, „dass die Aufgabe eines Standes oder eines Ladens äußerst selten vorkommt“. Leerstände seien nur von kurzer Dauer; es gelinge bisher ausnahmslos, Fehlendes zu ersetzen. Einzige Ausnahme: die Schlecker-Ladenfläche. Sie entspreche nicht mehr heutigen Größen-Anforderungen einer Drogeriemarktkette und werde deshalb nun gastronomisch genutzt. Rückblickend bestätige sich, „dass die Umgestaltung der Bahnhofstraße in den 90er Jahren zur verkehrsberuhigten Zone ein wichtiger und richtiger Schritt war.“ Das sieht Ulzhöfer kritischer: „Eigentlich ist eine verkehrsberuhigte Zone ja gut. Aber als die Bahnhofstraße noch Durchgangsverkehr hatte, waren hier einfach viel mehr Leute unterwegs.“

Und „früher hatten wir hier eine sehr große Kneipendichte. Heute sagen mir Leute ganz offen, dass sie zum Essen und Trinken lieber nach Frankfurt fahren“. Gerade für Gastronomen sei das ein Teufelskreis. Es gebe zu wenige Passanten in der Bahnhofstraße, gleichzeitig seien Mieten teuer. Ulzhöfer selbst hat Glück. Er betreibt die Kombination von „Whisky Flavor“ und „Norbert´s Bar“ zu für ihn stemmbaren Konditionen und mittlerweile mit einem Stammpublikum.

Für die nahe Zukunft setzt die Stadt auf veränderte Verkehrsflüsse. Mit dem anstehenden Verkehrsversuch zur einspurigen B43 werde es zusätzliche Parkplätze und breitere Rad- und Gehwege geben. Das werte auch die Attraktivität der Geschäfte weiter auf. Etwas, das Ulzhöfers Rolle als Chef des Gewerbevereins natürlich entgegenkommt. Ein Generalrezept gebe es nicht. Aber grundsätzlich müssten die Vermieter ihre Mietforderungen etwas nach unten anpassen. Doch das lohne sich für viele offenbar nicht, da sie ab einem bestimmten Punkt steuerlich mehr von Leerständen profitieren. Zudem sei die Mühlheimer Mentalität kaum förderlich für das Entstehen einer Gastro-Szene. „Alle wollen lieb zueinander sein. Aber manchmal muss man auch mit Gewohnheiten brechen, um weiter gehen zu können.“

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