Familienunterkunft auf drei Etagen

Beim Ferienangebot des Mühlheimer Naturschutzbundes bauen Kinder Behausungen für Vögel

Unterkünfte für die heimischen Vogelarten: Der Einsatz für die Tierwelt, den sie während des NABU-Ferienangebots leisten, macht den Kindern gleichzeitig viel Spaß.
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Unterkünfte für die heimischen Vogelarten: Der Einsatz für die Tierwelt, den sie während des NABU-Ferienangebots leisten, macht den Kindern gleichzeitig viel Spaß.

Stern, Kreuz oder Schlitz? Fabian weiß genau, worum es geht, und greift schon nach dem passenden Aufsatz. Er steckt den Stift auf den Akkuschrauber, setzt die Kreuz-Spitze auf den Kopf der Schraube und dreht sie so wieder aus dem Holz. Die kleine Holzleiste sitzt an der falschen Stelle, sie soll der Rückwand Halt bieten, die später zum Reinigen des Nistkastens geöffnet werden kann. Elf Kinder haben gestern auf Einladung des Naturschutzbunds (NABU) auf dem Grillplatz im Naherholungsgebiet Behausungen für heimische Vögel gebaut.

Mühlheim – Da ist das Modell mit einem kleinen Einflugloch von 26 Millimeter Durchmesser. Diese Ausstattung bevorzugen die kleineren Arten wie Blau-, Hauben-, Sumpf- und Tannenmeise sowie der Feldsperling. Bei einer Fluglochgröße von 28 bis 32 Millimeter Durchmesser, erläutert Ernst von Hermanni vom NABU, nehmen Arten wie Kohlmeise, Trauer- und Halsbandschnäpper, Garten–rotschwanz, Kleiber, Haussperling und Wendehals die Herberge an. Der Organisator der Ferienaktion hat die Bausätze für die Nisthilfen bei den Wiesbadener Jugendwerkstätten zuschneiden und vorbereiten lassen. Die Variante für den Sperling vereint drei Etagen, die Braungefiederten seien nämlich Familien-Tiere, erläutert der stellertretende NABU-Vorsitzende, sie bilden gerne Wohngemeinschaften. Nicht umsonst spreche man vom „Dreckspatz“.

Fürs Großreinemachen haben die Planer die aufklappbare Rückwand vorgesehen. Dafür müssen die Mädchen und Jungen vom Bau Scharniere exakt ausmessen, zusägen und präzise annageln. Das Team von Helfer Peter Rosenbaum bohrt Löcher in kleine Leisten, durch die später die Nägel getrieben werden. Mit der Vorarbeit verhindern sie, dass sich das Holz beim Einschlagen der Metallstifte spaltet, erläutert der Helfer.

„Manchmal ist es besser zu leimen“, lautet eine der Erfahrungen, die sie an diesem Mittag sammeln. „Wir machen das alle zum ersten Mal“, sagt Rosenbaum und lächelt über die eigenen Fehler. Hermanni hat für solche Projekte Arbeitstische, Schrauber, Bohrer, Sägen und Feilen in Gruppenstärke angeschafft, die Biologin Doris Ritz sowie Pauline Hainz und Kevin Dahinten, die einen Bundesfreiwilligendienst leisten, begleiten die jungen Heimwerker.

Der zehnjährige Daniel findet den Einsatz für die Tierwelt gut. Seine Familie habe zwar schon ein Vogelhäuschen im Garten, aber es bereite viel Spaß, mit Holz zu arbeiten. „Wir hatten zuerst die Klappe als Boden benutzt“, berichtet er, „die ist aber dünner. Also mussten wir sie wieder ausschrauben“. Auch die Schülerinnen Hemen und Setayesh finden sich schnell mit den Werkzeugen zurecht. „Wir haben in der Schule schon einen Handyhalter aus Holz gebastelt“, berichtet Hemen.

Von Hermanni würde so gerne den Grundstein für eine NABU-Jugendgruppe legen. Aber bis dahin sei es noch weit, meint er. (Von Michael Prochnow)

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