Coronavirus

Mühlheim und Corona: Restaurants öffnen wieder - Streifzug durch die Stadt

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Ein ungewohntes Bild auch in den Kneipen: Zapfen mit Schutzausrüstung in Zeiten von Corona.

Auch in Mühlheim öffnen die Restaurants in Zeiten von Corona wieder. Wie fühlen sich die Wirte? Ein Streifzug durch die Stadt.

  • Wegen Corona mussten Restaurants geschlossen werden.
  • Seit dem 15.05.2020 hat sich die Lage wieder geändert.
  • Ein Streifzug durch Mühlheim.

Mühlheim – Der Spender für die Handdesinfektion gibt das Gel ohne Berührung frei, Besteck kommt in der Bestecktasche, Tische und Stühle werden nach dem Verlassen der Gäste gereinigt. Auch im Forsthaus am Seerosenweiher tun sie alles, erteilen dem Coronavirus Hausverbot. Ein Besuch in Mühlheimer Restaurants und einer Kneipe lässt erkennen, mit wie viel Herzblut Gastwirte um ihre Kunden kämpfen.

Die Bedienung trägt Mundschutz und Gummihandschuhe, darunter noch Stoffmodelle, um ihre Haut zu schonen. Doch auch die müssen sie nach zwei, drei Gästen wechseln, erläutert Mandy Trambatz. Seit Freitag hat das traditionsreiche Haus wieder geöffnet. „Es ist ganz okay“, sagt die Verlobte des Juniorchefs, „aber nicht vergleichbar mit der Zeit vor Corona“. Manche sorgen sich wegen des Virus, die Lockerungen ängstigen sie zusätzlich, beobachtete das zehnköpfige Team an der Ulmenstraße.

Mühlheim und Corona: Restaurants würden gerne mehr Gastfreundschaft ausstrahlen

„Der Wohlfühlfaktor fehlt, die Bedienung mit Mund-Nasen-Schutz wirkt befremdlich“, bemerkte die Mitarbeiterin, die tagsüber als Verwaltungsangestellte tätig ist. „Wir würden gerne mehr Gastfreundschaft ausstrahlen, uns mit dem Besucher unterhalten, ihm persönlich sagen, was wir anbieten, und dass er sich sicher fühlen kann.“ Aber das verbieten ihnen die Erlasse.

Das Forsthaus hat von Tag eins der Zwangsschließung eine Abholung eingerichtet und selbst die Nachbarn beliefert. „Diesen Service haben wir älteren Leuten schon immer geboten“, berichtet Mandy Trambatz. „Sie sind 50 Jahre ins Restaurant gekommen, jetzt gehen wir zu ihnen.“ Der Abhol- und Lieferservice laufe weiter, „wir wissen nicht, was sich ergibt, vielleicht müssen wir in vier Wochen wieder schließen, weil die Zahlen ansteigen“, erklärt die Gastronomin.

Betrieb mit Sicherheitsvorkehrungen: Mandy Trambatz und ihr Verlobter Marco Kunz mit Tochter Marie sowie deren 96-jährige Uroma Erika Kunz arbeiten mit viel Desinfektion im Restaurant „Zum Forsthaus“. Wirt Martin Cerny bedient in der Dietesheimer Schänke mit Mundschutz.

„Wir haben definitiv Verluste gemacht“, sagt Mandy Trambatz vor allem mit dem Biergarten und der großen Catering-Abteilung. Ob „schwarze Null oder hellrot - wir müssen uns neu erfinden, neue Wege suchen“. Unternehmerisches Denken liegt auch Geschäftsführer Kurt Kunz und seinem Sohn Marco. Seit mehr als 90 Jahren wird das Restaurant von der Familie geführt, die 96-jährige Uroma Erika Kunz arbeitet wie die achtjährige Marie im Geiste der Gründer Petra und Eva Dahlheimer mit. „Da weiß man, wofür Familie da ist.“

Mühlheim und Corona: Restaurants haben „viel Ambiente geschaffen“

Im Sportheim am Wingertsweg haben Dario und Mirjana Jukic mit Familienangehörigen die Fassade neu angelegt, im Biergarten indirektes Licht hinter stilvolle Holzschächte gelegt, „viel Ambiente geschaffen, damit sich Gäste noch wohler fühlen“. Sie haben die Zeit auch genutzt, um neue Eingangstüren zu installieren. Im Innenraum haben sie Backsteine mit Schwammdruck imitiert, die Wand passt jetzt harmonisch zum Kaminfeuer auf dem Bildschirm. 

„Dario hat viel Talent“, schwärmt die Ehefrau, „bei uns ist alles sehr familiär, wir wohnen auch im Haus“. So waren sie trotz Zwangspause „jeden Tag hier“, was die Nachbarn mit Begeisterung beobachteten. Während sich Mirjana Jukic um die Stammgäste kümmert, fast jeden mit Vornamen anspricht, schmeißt der Nachwuchs den Abhol- und Lieferdienst. 

Er wurde von vielen Mitgliedern der Sportvereinigung genutzt, auch neue Kunden haben sie so gewonnen, erzählt die Wirtin. Darum soll das Angebot bleiben, Mittagstisch gibt’s nun auch unter der Woche. „Vielleicht gelingt es uns damit auch, ein jüngeres Publikum zu gewinnen“, hofft Mirjana Jukic. Verwandte und Freunde haben zunächst unentgeltlich geholfen, der Zusammenhalt des Teams ist den Jukics sehr wichtig. 

Mühlheim und Corona: Chefin eines Restaurants war nervös

„Ich war nervös, als hätte ich nie bedient“, erzählt die Chefin, aber „nach zehn Minuten war alles wie sonst. Da plauderte sie wieder – mit Abstand – mit den Besuchern. Das Gespräch mit Gästen ist eine Tradition. Langsam trudeln auch die ersten Buchungen für Vorstandstreffen und Familienfeiern ein. Diese Veranstaltungen und die Sportler fehlen dem Betrieb mit drei Festangestellten und mehreren Aushilfen noch immer.

Martin Cerny und Ehefrau Gabriele hatten die Dietesheimer Schänke komplett geschlossen. „Rumpsteak nach Hause? – Nicht auf Plastikteller, und nach einer halben Stunde schmeckt das wie Schuhsohle“, lautet die klare Ansage des Kochs. Seit 32 Jahren residiert er an der Feuerwehr Dietesheim. „Wir haben Höhen und Tiefen erlebt, voran den Wechsel auf den Euro, aber im Großen und Ganzen sind wir zufrieden.“

Mühlheim und Corona: Dietesheimer Schänke hat mehr Gäste erwartet

Cernys müssen keine Miete bezahlen, sie haben das Haus gekauft. Trotzdem – zum Neustart haben sie mehr Gäste erwartet. „Wenn wir nicht kostendeckend arbeiten können, schließen wir lieber wieder.“ 15 Stühle sind im Innenraum, mehrere Vierertische für 32 Besucher im Biergarten. „Ich bin mit meinen Gästen alt geworden“, sagt Martin Cerny und hofft auf eine Genehmigung, dass er wieder bis 23 Uhr öffnen darf.

Gar nicht gern erinnert er sich an die Schließung: „Mit Tränen in den Augen mussten wir kiloweise Essen wegwerfen, das will ich nicht noch mal erleben“. Nun haben die Cernys eine kleinere Speisekarte aufgelegt. Und hoffen, „irgendwann ist der Mundschutz weg“.

Von Michael Prochnow

Bevor es zu den Lockerungen kam, war der Einzelhandel in großer Not. In Mühlheim versorgten Einzelhändler in Zeiten von Corona ihre Kunden per Liefergemeinschaft. 

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