Der Sekt bleibt vorerst im Schrank

Erneute Verzögerung bei der Inbetriebnahme der Mainfähre

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Weiter auf dem Trockenen: Die Reparaturarbeiten an der aufgebockten Fähre am Dörnigheimer Ufer sind noch nicht abgeschlossen.

Der Kreis Offenbach nennt zwei Gründe für die erneute Verzögerung bei der Inbetriebnahme der Fähre. Die Bürgerinitiative kritisiert den Besitzer scharf.

Mühlheim – Fährt sie bald wieder oder nicht? Diese Frage stellen sich Bürger seit der Stilllegung der Fähre zwischen Dörnigheim und Mühlheim. Mit der Ankündigung eines gemeinsamen Festes von Stadt, Stadtwerken und dem neuen Betreiber zur Wiederinbetriebnahme am kommenden Freitag schien der blaue Kahn auf die Zielgerade eingebogen zu sein. Sprich: kurz davor, wieder von Mainufer zu Mainufer zu pendeln. In dem Heusenstammer Mahir Kolbüken hat der Fährenbesitzer, der Kreis Offenbach, einen neuen Betreiber gefunden, der auf den Start brennt. Und dann kam kurz vor dem vergangenen Wochenende die Meldung: Das Comeback verzögert sich weiter. Als Grund nannte der Kreis „Verzögerungen bei den vorbereitenden Maßnahmen für die Landrevision“. Es wird also weiter am Dörnigheimer Ufer an der aufgebockten Fähre gewerkelt, die seit 1971 bis zur Stilllegung im Oktober 2017 zwischen den beiden Städten pendelte.

Mainfähre: Zwei Ursachen führen zur Verzögerung

Zwei Ursachen führen zur Verzögerung und wurden erst vergangene Woche bei den Vorbereitungen zur Landresvision festgestellt, erläutert Sandra Klauß von der Pressestelle des Kreises Offenbach. Zum einen habe sich im Innenraum in einer der Kammern unter einer dicken Rostschicht Diesel ausgebreitet. Diesen zu entfernen erfordere wegen der Brandgefahr besondere Vorsicht. Zum anderen habe sich beim Austausch der Blechplatten gezeigt, dass sich neben einer millimeterdicken Rost- und Farbschicht außen, im Inneren eine zentimeterdicke Bitumenschicht gebildet habe.

Normal werden die Platten mit Gas und Sauerstoff gelöst, doch die Schicht sei zu dick: „Man kommt nicht durch“, informiert Klauß. Auch mit Trennschleifern habe es nicht geklappt. Nun komme ein Plasmaschneidegerät, das einen „extrem heißen Plasmastrahl“ erzeugt, zum Einsatz.

Die Arbeiten, die laut Klauß keine Zusatzkosten für den Kreis verursachen, dauern voraussichtlich zwei bis drei Wochen. Sie ist zuversichtlich: „Wir gehen davon aus, dass das die letzten Arbeiten sind.“ Die Landrevision von Gutachtern der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes dauere in der Regel einen Tag. Ist diese positiv, gibt’s für die Fähre eine Betriebserlaubnis für die kommenden fünf Jahre. Wann es letztendlich soweit ist, könne sie nicht zu 100 Prozent sagen, betont Klauß.

Für die Bürgerinitiative (BI) Fähre unverständlich: „Der Sekt kaltgestellt, Gläser gespült, Knabbergebäck gekauft, Helfer organisiert – mit anderen Worten, es war alles bereit für das Fest der Wiederaufnahme des Fährbetriebes am 7. Juni – nur die Hauptperson, die Fähre, liegt noch im Koma.“ Man sei entsetzt ob der erneuten Verzögerung und wolle die „wahren Hintergründe“ wissen. „In dem 2017 vom Kreistag in Auftrag gegebenen Gutachtens hieß es, dass der Fährkörper, also Boden-, Seiten- und Deckbleche in einem ,für das Alter der Fähre gutem Zustand ist’, soll heißen, dass Materialzustand und -dicken so gut sind, dass eine weitere Nutzung des Fährgefäßes für 20 Jahre möglich ist. Das widerspricht dem nun dargelegten Reparaturstau in gravierender Weise.“ Weiter zeigt sich die BI irritiert darüber, dass es dem Kreis Offenbach in dieser Zeit nicht möglich gewesen ist, mögliche Mängel rechtzeitig festzustellen und zu beseitigen. Schließlich habe man sich von Kreisseite zuversichtlich gezeigt, dass ein Neustart schon im Januar über die Bühne gehen könne.

„Dilettantismus“: BI kritisiert den Kreis Offenbach

Die BI kritisiert den Kreis Offenbach scharf, spricht „wohlwollend“ von „Dilettantismus“: „Immer wieder wird die Wiederinbetriebnahme der Fähre mit allen möglichen, unmöglichen und unsäglichen Argumenten hinausgezögert.“ Dadurch entstehe auch der Eindruck, die Beteiligten hätten sich „erneut nicht miteinander abgesprochen“. Der Frust der Bürger „über solche Zustände“ nehme immer größere Ausmaße an.

Bürgermeister Daniel Tybussek widerspricht der BI-Aussage: Man sei, seitdem der Betreiberfamilie Spiegel gekündigt wurde, in engem Austausch mit den beiden Landkreisen und der Stadt Maintal. Der Rathauschef fände es zudem fahrlässig, die Fähre mit Mängeln ablegen zu lassen. „Wenn die Fähre fährt, dann auch sicher“, betont er. Das geplante Fest, zu dem auch das Duo Ohrenschmaus zugesagt hat, sei hingegen nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. „Wir warten alle darauf, dass die Fähre wieder fährt“, sagt Tybussek.

VON RONNY PAUL

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