Wettrennen mal anders

Motorradgruppe der Naturfreunde bietet Sicherheitstraining

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Sicherheit geht vor: Auf der Spessartstraße bekamen Motorradfahrer gezeigt, worauf in Sachen Sicherheit alles zu achten ist.

Keinem Motorradfahrer nutzt die Gewissheit, „der andere hatte Schuld“. Was zwischen Autos mit Blechschaden endet, kann für den Biker Rollstuhl oder Tod bedeuten.

Mühlheim – Das Motorradtraining der Naturfreunde auf der Spessartstraße sollte wieder einmal helfen, eigene Fehler so weit wie möglich zu vermeiden.

Selbst, wenn ein Fahrer alles richtig macht, auf der Autobahn nicht rechts überholt und sich auf dem Weg zum Feldberg keineswegs so in die Kurven legt, als sei er nicht bei Trost, spricht die Statistik gegen ihn. „Siebzig Prozent aller Unfälle von Motorradfahrern werden von Autofahrern verursacht“, weiß Gerd Katzmann, der Gründer der Naturfreunde-Motorradgruppe. Wenn auf der Landstraße plötzlich unvermittelt ein Pkw aus dem Wald geschossen kommt, dann kann der Fahrer auf zwei Rädern nur hoffen, dass er über das Auto fliegt und sich bei der Landung nicht allzu viel bricht. Die Chance, bei einem Verkehrsunfall das Leben zu verlieren, liegt um den Faktor 20 höher als im Auto. Was schwere Verletzungen wie Querschnittlähmung betrifft, verhält es sich ähnlich. Die meisten Unfälle passieren durch Autofahrer, die beim Abbiegen und Spurenwechsel den Motorradfahrer übersehen.

Helmut Faust, der das Motorradtraining der Naturfreunde seit dreißig Jahren leitet, lässt die 19 Teilnehmer ein Rennen austragen, das in die andere Richtung als üblich geht. Es gewinnt den Slalom, wer am langsamsten statt am schnellsten durchkommt. „So lernt man, auf dem Motorrad die Balance zu halten“, kommentiert Gerd Katzmann von außen. Der pensionierte Polizist ging einst bei seinem Arbeitgeber in die Fahrstunde. Gravierende eigene Fehler konnte Katzmann bisher vermeiden. Der 77-jährige Eigentümer einer Tourenmaschine aus der Produktion von BMW berichtet, in seinem Leben schon über eine Millionen Kilometer gefahren zu sein. Dennoch erlebte Katzmann noch nie einen eigenen Unfall, lag kein einziges Mal auf dem Asphalt.

Im Jahr 1962 unternahm Katzmann seine erste lange Fahrt, nach Oberstdorf im Allgäu. Später folgten Motorradurlaube in den Dolomiten oder England. Katzmann gründete 1986 die Motorradgruppe der Naturfreunde, ein Jahr später ging es zur Premiere für mehrere Tage nach Süddeutschland und in den Norden der Bundesrepublik. Man übernachtet bis heute meist in einem der 450 Häuser, die den Naturfreunden gehören.

Nicht nur im Training, sondern auch auf den gemeinsamen Fahrten steht die Sicherheit an erster Stelle. Der erste und der letzte Fahrer in der Gruppe sind gesetzt. Untereinander zu überholen, ist nicht erlaubt. Durch solche Aktionen passierten viele der selbst verschuldeten Unfälle von Motorradfahrern.

Morgens um 6 Uhr stand Katzmann am Sonntag auf, um mit mehreren Autofahrten die Absperr-Utensilien beim Bauhof zu holen. Bei der Arbeit in der Kälte auf der Spessartstraße halfen ihm Rebecca Klein und ihr Freund Patrick Schneider. Rebecca bestand im vergangenen Jahr die Motorradfahrprüfung.

Unter den in zwei Gruppen geteilten 19 Teilnehmern befinden sich acht Frauen, „so viele wie noch nie“. Eine Gruppe betreut Helmut Faust, mit der anderen trainiert Vitus Lohmann, in Gefahrenmomenten zu bremsen und auszuweichen.

Knapp die Hälfte der Teilnehmer kennt Katzmann nicht. So ein Motorradtraining findet eben nicht ständig hinter jeder Ecke statt, was das Angebot attraktiv macht. Ein Teilnehmer fuhr von Biebergemünd aus dem Spessart nach Mühlheim.

Nach dem Mittagsessen im Naturfreundehaus geht es weiter. Mittags um 16 Uhr übergeben Gerd Katzmann und seine Helfer die Spessartstraße schließlich wieder dem öffentlichen Verkehr.

VON STEFAN MANGOLD

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