Bizarrer Streit

„Alexa, lauter!“: Nachbar belästigt Ehepaar mit Alexa-Lautsprecher und Schlagern

Sie lieben keineswegs den DJ von nebenan: Die laute Schlagermusik, die mittels Alexa ständig vom Nachbargrundstück dröhnt, hat bei Gisela Heisel und Hans Pollrich in Mühlheim auch zu Schlaflosigkeit geführt.
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Sie lieben keineswegs den DJ von nebenan: Die laute Schlagermusik, die mittels Alexa ständig vom Nachbargrundstück dröhnt, hat bei Gisela Heisel und Hans Pollrich in Mühlheim auch zu Schlaflosigkeit geführt.

Ein Mann in Mühlheim terrorisiert seit Jahren seine Nachbarn – mit Alexa und Schlagern. Hilfe der Behörden bleibt bislang aus. Zuletzt soll der Mann von nebenan sogar mit Mord gedroht haben. 

  • In Mühlheim belästigt ein Nachbar ein Ehepaar mit Schlagern aus dem Alexa-Lautsprecher.
  • Dabei bleibt es aber nicht: Der Mitte 50-Jährige soll sogar mit Mord gedroht haben.
  • Hilfe von den Behörden wegen dem Nachbarschaftsstreit gibt es bisher nicht.

Mühlheim – „Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt“, lautet ein häufig zitierter Satz Immanuel Kants. Das Ehepaar Gisela Heisel und Hans Pollrich in Mühlheim erlebt seit zwei Jahren, wie die Realität Kants Erkenntnis spottet. Der Nachbar nimmt sich die Freiheit, das Ehepaar zu terrorisieren. Hilfe der Behörden bleibt bislang aus. Zuletzt soll der Mann von nebenan sogar mit Mord gedroht haben. Früher hätten sie den Nachbarn „Hämmerle“ genannt, erzählen Heisel und Pollrich. Der Mitte 50-Jährige habe ständig gebastelt. Das nervte zuweilen, habe aber keinen Anlass gegeben, Kontakt aufzunehmen. Im Sommer 2018 entdeckte der Bewohner hinter dem Sichtschutzzaun ein neues Hobby. Von nun an beschallte „Hämmerle“ seine Umgebung mit deutschem Schlager.

Ehepaar in Mühlheim wird von Nachbar mit Schlager aus Alexa terrorisiert

Das Ehepaar, das seit mehr als dreißig Jahren im eigenen Haus lebt, sah sich plötzlich mit Liedgut wie „Sie liebt den DJ“ oder „Das Rote Pferd“ konfrontiert. Je wärmer die Temperaturen, desto lauter wummerte es von dessen Grundstück. Gisela Heisel erzählt, wie sie im August 2018 bei dem Mann klingelte. Der begründete seine Weigerung, einen Kopfhörer zu benutzen, mit einer rhetorischen Frage: „Zahlen Sie meine Miete?“ Das Ehepaar rief schließlich die Polizei. Der jüngere der beiden Beamten habe gesagt, „so laut ist das doch nicht, sie können ja umziehen“.

Wenn dem Nachbarn ein Schlager besonders gut gefällt, ruft er zum smarten Lautsprecher ins Wohnzimmer: „Alexa, lauter“. Die Wochenenden und die Montage, an denen der Mann arbeitsfreie Tage genießt, bilden die Schwerpunkte. Während des Corona-Lockdowns habe es kaum einen Tag Pause gegeben.

Bizarrer Nachbarschaftstreit um Schlager in Mühlheim: Ehepaar führt seit 2019 ein Lärmprotokoll

Seit dem 25. Februar 2019 führt das Paar ein Lärmprotokoll. Ein Beispiel: Am Ostersonntag sangen Wendler, Ötzi und Co. erst von 8.15 Uhr bis 10.12 Uhr, später von 17.25 bis 20.15 Uhr. Zwölf Seiten fasst das Protokoll bisher. Mindestens 60 Besucher des Paares können den Terror ebenso bezeugen wie die mittlerweile häufig aufgetauchte Polizei. Dreimal drohte der Nachbar, Hans Pollrich zu ermorden. Als der 70-Jährige über den Zaun rief, die Musik sei zu laut, soll der Nachbar gedroht haben, „ich schneide Dir den Kopf ab“. Über drei Jahrzehnte fühlten sich Gisela Heisel und Hans Pollrich in ihrem Haus wohl. Ihre Lebensqualität sank längst auf Null. Beide leiden an Schlaflosigkeit.

Die Vermieterin des Nachbarn mahnte den Mann vergebens ab. Das Schreiben ihres Rechtsanwalts Stefan Sondergeld vom 23. August 2019 führte zu nichts. Die beiden Schlichtungstermine in Mai und Juni ließ der Nachbar verstreichen.

Das Ordnungsamt zitiert aus dem Hessischen Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung (HSOG), um zu begründen, warum man nichts tun kann. Der Schutz privater Rechte obliege der Behörde nur dann, „wenn gerichtlicher Schutz nicht rechtzeitig zu erlangen ist“. Der Fall liegt eigentlich vor, findet das Paar.

Lärmbelästigung mit Schlager aus Alexa in Mühlheim: Ehepaar wartet auf Nachricht der Behörden

Zumal es im ebenfalls zitierten Paragraf 117 des Ordnungswidrigkeitengesetzes zum Thema „Unzulässiger Lärm“ heißt, es handele sich um einen Gesetzesverstoß, wenn der Krach geeignet sei, „die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft erheblich zu belästigen oder die Gesundheit eines anderen zu schädigen“. Das Amt erklärt jedoch in seinem Schreiben vom 15. Juni aufgrund der Schilderungen des Ehepaars sei nicht erkennbar, „dass eine unmittelbar drohende Gefahr von der Allgemeinheit abzuwenden ist“.

Das Ordnungsamt verschanze sich hinter der Tatsache, „dass sich bisher kein anderer Nachbar beklagte“, erklärt Pollrich. Er zeigte den Nachbar am 17. Mai beim Polizeipräsidium Südosthessen wegen Bedrohung an. Dort habe man skeptisch reagiert, ob der Nachbar einer Vorladung Folge leisten werde. Das Paar wartet aktuell jedoch noch auf eine Nachricht der Behörden. (Von Stefan Mangold)

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