Dankbar für Mut zum Pilotprojekt

Vertreter des Kreises, der Stadt und von Hessen Mobil gehen mit Verkehrsplaner auf Tour

Radtour durch Mühlheim: Landrat Oliver Quilling (Dritter von links) radelt mit einer Gruppe durch die Stadt. Foto: m
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Radtour durch Mühlheim: Landrat Oliver Quilling (Dritter von links) radelt mit einer Gruppe durch die Stadt.

Für Karsten Maaß war die Mühlenstadt der letzte weiße Fleck auf seiner Landkarte.

Mühlheim – Gestern hat der Leiter der Abteilung Verkehr- und Mobilitätsplanung im Kreis Offenbach mit Landrat Oliver Quilling, Erster Kreisbeigeordneten Claudia Jäger, Vertretern der Behörde Hessen Mobil und der gastgebenden Kommune sowie Verkehrsplaner Professor Jürgen Follmann die Fahrrad-Tauglichkeit Mühlheims unter die Lupe genommen.

Maaß hatte eine rund 20 Kilometer lange Rundtour durch alle Stadtteile vorbereitet, um an wunde Punkte zu führen, aber auch vorbildliche Lösungen zu befahren. Dazu stieg die Gruppe vor der Willy-Brandt-Halle auf E-Bikes und bog auf die B 43 in Richtung Offenbach.

„Ich bin der Stadt sehr dankbar, dass sie den Mut gehabt hat, das Pilotprojekt zu starten“, lobte Professor Follmann den Versuch, die Bundesstraße einspurig durch die Ortsmitte zu führen. „Es wird nie 100 Prozent Zustimmung geben“, meinte der Fachmann. Doch der Versuch zeige, was möglich ist, um Grenzen zu überwinden. „Heute probieren wir verzweifelt, die Sünden der 70er Jahre zu verändern“, auf überdimensionierten Autobahnen Platz für andere Verkehrsteilnehmer zu schaffen. Am Ende eines Umbaus der Offenbacher Straße könnte stehen, dass Radlern beide Richtungen offenstehen.

An der Stadtgrenze zu Offenbach ging es erneut darum, das Rad für Berufspendler attraktiv zu machen. Die Verbindung von Hanau nach Frankfurt wäre die am meisten frequentierte Strecke eines Fahrrad-Schnellwegs in Hessen, wie er jüngst von Darmstadt nach Langen eröffnet worden ist. „Wir müssen die Menschen gewinnen, dann die Wege gut ausbauen, damit man sich auch überholen kann“, appellierte Follmann.

Die sanierte Verbindung entlang der Rodau, der regionale R4, bewertete er als „sehr angenehm, eine ideale Verbindung“. Einige Achsen, wie die am Rande des Naherholungsgebiets, sollten sowohl Alltags- wie auch Freizeitradlern dienen. Der Fachmanns schlug zudem vor, die Wege zu beleuchten.

Kreisbeigeordnete Jäger befand, „das Thema wurde vor fünf Jahren noch belächelt, mittlerweile aber auch von den Ämtern ernst genommen“. Für Bürgermeister Daniel Tybussek eröffnete die Rundfahrt andere Perspektiven und Visionen. So sollte der Radweg entlang der Spessartstraße nicht beim Reit- und Fahrverein enden. Die Einmündung des Südrings und die Kreuzung mit der Dieselstraße könnten zum Kreisverkehr umgebaut werden, um die Geschwindigkeit der motorisierten Nutzer zu drosseln.

„Raum ist durchaus da“, erkannte der Landrat und stellte fest, „das Thema Fahrradstraßen nimmt an Fahrt auf“, fast in jeder Stadtverwaltung lägen Pläne in der Schublade. Gut umgesetzt seien bereits die Abstellanlagen für Drahtesel am Bahnhof, „aber es müssen doppelt so viele Räder untergebracht werden können“, schaute Follmann voraus. Das gelte auch für die Schulen, wo die Lehrer als Vorbilder ebenfalls mit dem Stahlross kommen sollten. „Wir müssen die Menschen mitnehmen, auch über neue Medien ansprechen“, viele haben Angst vor Veränderungen – doch, „wenn‘s mal anders ist, freut man sich“.

VON MICHAEL PROCHNOW

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