Für Müller ein Desaster

+
Die beiden Kandidaten Bernd Müller und Daniel Tybussek kurz nach Bekanntgabe des Ergebnisses am Sonntagabend. „Ich wünsche Herrn Tybussek alles Gute“, sagte Müller.

Mühlheim ‐ Hätte Bernd Müller die Briefwähler und die Lämmerspieler nicht gehabt - er wäre gnadenlos untergegangen in dieser jüngsten Mühlheimer Bürgermeisterwahl. Von Heiko Wiegand

In dem ansonsten rabenschwarzen Stadtteil erhielt der noch bis 30. Juni amtierende Rathauschef gerade mal drei Stimmen mehr als sein Herausforderer. Und auch die Briefwähler schenkten ihm mit 51,5 Prozent knapp überwiegend ihr Vertrauen. Ansonsten endete dieser Urnengang für den 57- Jährigen desaströs. Daniel Tybussek kam in jedem zweiten Wahlbezirk auf eine Zweidrittelmehrheit. Im Bezirk 18 (Markwaldschule) holte er sein bestes Resultat: 73,7 Prozent stimmten dort für den 33-jährigen Herausforderer. 115 Wählerinnen und Wähler votierten für ihn, lediglich 41 für Müller. Das zweitbeste Ergebnis bescherten die Wähler Tybussek im Wahlbezirk 6 (Friedrich-Ebert-Schule). Dort stimmten 69,1 Prozent oder 190 Wähler für ihn, nur 30,9 Prozent oder 85 Wähler für Müller.

Neben dem Gesamt-Briefwahlergebnis schaffte Müller überhaupt nur in zwei Wahlbezirken den Sprung über die 50 Prozent: in der Lämmerspieler Brüder-Grimm-Schule (Bezirk 21) mit 51,4 Prozent und in der Kindertagesstätte Schlesierstraße (Bezirk 15) mit 50,1 Prozent.

Die Wahl in Bildern

Bürgermeisterwahl in Mühlheim

Die Wahlbeteiligung lag mit 43,1 Prozent deutlich unter der Bürgermeisterwahl von 2005, als mit 49,8 Prozent noch knapp jeder zweite Mühlheimer zur Urne gegangen war.

Lesen Sie hierz auch:

Herausforderer gewinnt Bürgermeisterwahl

Interessant: Tybussek holte am Sonntag nur 293 Stimmen mehr als seinerzeit seine SPD-Parteifreundin Daniela Leß, gewann aber statt 48,8 Prozent (Leß) 59,2 Prozent aller abgegebenen Stimmen. Eine „schallende Ohrfeige“ (Müller) gab‘s dagegen für den Amtsinhaber. Hatten ihm vor sechs Jahren 5113 Menschen ihr Vertrauen geschenkt, so waren es am vergangenen Sonntag nur noch 3568 Mühlheimer. Das ist ein Rückgang von mehr als 30 Prozent. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass am vergangenen Sonntag große Teile des konservativen Lagers nicht zur Wahl gegangen sind, während Daniel Tybussek die Wähler links der Mitte ähnlich stark mobilisieren konnte wie Daniela Leß im Jahr 2005. Insgesamt waren 2005 knapp 10.000 Mühlheimer zur Wahl gegangen, am Sonntag waren es nur noch rund 8700 - bei einem fast exakt gleich großen Wählerverzeichnis wie 2005 und einer etwas höheren Zahl von Stimmen für die SPD.

Würde man die Nichtwähler in das Wahlergebnis einbeziehen, die Anzahl der Stimmen für Tybussek und Müller also prozentual auf alle Wahlberechtigten umrechnen, wäre Daniel Tybussek auf rund 24,9 Prozent der Stimmen gekommen, Bernd Müller gar nur auf 17,2 Prozent. Bemerkenswert ist auch die stark gestiegene Zahl der ungültigen Stimmen. Sie lag 2005, bei einer erheblich höheren Wahlbeteiligung, bei 160, und am vergangenen Sonntag bei 217 Stimmen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare