Dressurreitturnier

RFV Maintal veranstaltet Dressurreitturnier auf Gelände an der Spessartstraße

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Gewinner gekürt: Die Vereinsvorsitzende Gita Zühlsdorf und Bürgermeister Daniel Tybussek nahmen die Ehrungen für die Sieger vor.

„Ich glaube an das Pferd – das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung“, irrte einst Kaiser Wilhelm II. Längst spielt das Pferd als Verkehrsmittel und Arbeitstier keine Rolle mehr, dafür behielt es aber seinen festen Platz im Sport.

Mühlheim – Am Wochenende veranstaltete der RFV Maintal auf seiner Anlage an der Spessartstraße sein jährliches Dressurturnier. Für beide Tage hatten sich 333 Reiter mit insgesamt 254 Pferden angemeldet.

Am Samstagmorgen hatte Irene van Heemstra, stellvertretende Vereinsvorsitzende, überrascht auf telefonische Nachfragen wegen des schlechten Wetters reagiert: „Deshalb fällt das Turnier doch nicht aus.“ Die meisten Reiter hielt der Regen jedoch nicht davon ab, schon um acht Uhr zur ersten Prüfung anzutreten.

Am frühen Nachmittag erzählt Gita Zühlsdorf, niemand habe sich mit Regenjacke präsentiert, alle in der typischen Reiterjacke. „So lässt sich für die Punktrichter die Sitzhaltung am besten beurteilen“, erläutert die Frau, die vor 33 Jahren den Vorsitz des „Reit- und Fahrverein Maintal“ übernahm.

Zühlsdorf erklärt, wie es bei der Gründung 1955 zu dem Namen kam, der für einen Club aus Mühlheim ungewöhnlich klingt. Damals habe der RFV noch die Reiter der ganzen Region vertreten, lange bevor sich die Gemeinden auf der nördlichen Seite des Flusses zur Stadt Maintal formierten. Zühlsdorf trat 1964 als Zehnjährige bei, zu einer Zeit, als überwiegend Männer den Reitsport dominierten. Heute schaut das anders aus. An der „Dressurreiterprüfung Klasse L“ nehmen nur Frauen teil. Normalzustand statt Ausnahme. Ein wenig erinnert das Geschehen im Dressurviereck an Klavierspieler, die eine Sonate interpretieren. Die meisten agieren auswendig. Eine Reiterin läuft quasi nach Noten, was für den Laien das Verständnis erleichtert. Aus dem Lautsprecher kommen die Anweisungen, der „Arbeitstrab im Arbeitstempo“, der „Mitteltrab durch die ganze Bahn“, „die Volte nach links“, die einen Kreis beschreibt, und das Abwenden auf die Mittellinie. Das Geschehen bewerten zwei Richterinnen, deren Punkte am Ende nicht addiert und durch zwei geteilt werden. „Sie müssen sich auf ein Ergebnis einigen“, betont Irene van Heemstra. Die Protokollantin des Wettbewerbs konstatiert harmonische Entscheide, „das ist nicht immer so“.

Gita Zühlsdorf sagt, dass vor allem der Reiter bewertet werde. Das fachkundige Auge sieht, inwieweit das Pferd dessen Hilfen annimmt. Ein gut ausgebildetes Pferd könne einen Reiter leichter gut aussehen lassen, „das gilt auch umgekehrt“.

Dressurreiten stand auch schon im Fokus medialer Kritik. Es ging um die sogenannte „Rollkur“. Der Reiter zieht dabei die Zügel so fest, dass der Kopf des Pferdes fast auf dessen Brust aufliegt. Auf dem Gelände an der Spessartstraße ist diese Variante überhaupt nicht zu sehen. Ziel der Ausbildung sei es, „das Pferd gut zu gymnastizieren, die Muskeln schonend aufzubauen“. Leiden solle das Tier auf keinen Fall.

Am Ende der „Dressurreiterprüfung Klasse L“, einer von sieben Wertungen des Tages, gratuliert Bürgermeister Daniel Tybussek als Schirmherr Magdalena Dankic. Die 16-jährige aus Egelsbach reitet auf dem 17-jährigen Wallach Lordens. Nach Auskunft von Mutter Mery Dankic gewann die Tochter gerade ihr erstes Turnier.

Gita Zühlsdorf betont, da Pferde in der Land- und Forstwirtschaft keine Rolle mehr spielten, wären sie ohne den Sport längst nur noch im Zoo zu bestaunen. Die Vereinsvorsitzende selbst vergleicht ihre Passion für die eleganten Huftiere mit „einem unheilbaren Virus, der auch mich schon als Kind befiel“.

VON STEFAN MANGOLD

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