Museums-Meilenstein

Hans-Günter Zach komplettiert seine Mühlheimer Ausstellung mit dem Nachbau einer Draisine

Leidenschaftlicher Sammler: Lange hat Hans-Günter Zach nach einer Draisine gesucht, nun nennt er einen originalgetreuen Nachbau sein Eigen.
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Leidenschaftlicher Sammler: Lange hat Hans-Günter Zach nach einer Draisine gesucht, nun nennt er einen originalgetreuen Nachbau sein Eigen.

Pferdestärken gibt’s reichlich in Hans-Günter Zachs möblierter Garage. Jetzt ist das Auto- und Möbelmuseum des kundigen Sammlers um eine Attraktion ohne Motor reicher: „Wie das Glück so spielt, habe ich jetzt rein zufällig ein altes Laufrad erwerben können“, erzählt Zach und präsentiert zwischen Phantom und Silver Ghost aus dem Hause Rolls Royce einen originalgetreuen Nachbau einer Draisine.

Mühlheim – Der Mühlheimer Mäzen hat sich einen Ruf als Kenner der englischen Nobelmarke, von historischen Motorrädern und Schränken gemacht. Sein privates Museum an der Carl-Zeiss-Straße glänzt mit seltenen Stücken wie 100 Jahre alten Uhrmacher-Drehstühlen, frühen Dreh- und Drechselbänken. Die älteste entstand vor 370 Jahren.

„Das Rad aus Eichenholz ist ein Meilenstein und eine Komplettierung des Museums, die Symbolik gigantisch“, schwärmt der Inhaber von seiner Errungenschaft. Kundige Mitarbeiter von Zachs Werkzeugmaschinen-Aufbereitung ergänzten den Lenker fach- und stilgerecht. Mit dem Original rollte der Badenser Karl von Drais 1817 von Mannheim nach Schwetzingen und zurück. Das Gerät sei der „Vorbote für Kraftfahrzeuge“, lehrt der Werkzeugmacher, „das allererste Gefährt und Vorgänger des Fahrrads mit Pedalkurbel am Vorderrad“.

Erst 1869 konstruierte Sylvester H. Robe das erste Motorrad aus einer Dampfmaschine mit Kessel und Holzkohlenbefeuerung unterm Sattel. Damit sei er im Zirkus aufgetreten. 1885 folgte der „Reitwagen“, das erste Auto von Gottlieb Daimler, ein Jahr später ein dreirädriger Zweisitzer. „Das war der Benz Patent-Motorwagen Typ 1 mit schnelllaufendem Einzylinder-Viertaktmotor und 0,75 PS“, fährt der Gastgeber begeistert fort.

Nach der Draisine habe er lange gesucht, bis er nun seine Ausstellung komplettieren konnte. Die Nachbildung entdeckte er über eine Kleinanzeige im Internet. „Das alte Laufrad schlummerte über Jahrzehnte in einem Wohnzimmer in Schwelm“, bis es der Mühlheimer für eine bescheidene dreistellige Summe ergatterte.

„Auch meine Drechselbank von 1650 war die Urmutter vom Maschinenbau“, ordnet er den Fund ein. „Mit der Bank konnte man zum ersten Mal maschinell etwas rund machen, dann kamen die ersten Drehbänke mit Fuß-, Wasser- und Luftantrieb. Zwei seltene Uhrmacher-Drehstühle von 1870 stehen ebenfalls in der Ausstellung“, macht der Mann den Besucher neugierig. „Drehen, bohren, fräsen und Gewinde schneiden, das alles habe ich schon in meiner Lehrzeit ab 1959 mit einer vom Schrott restaurierten Drehbank gemacht“, erzählt der Unternehmer.

Alles, was Räder hat, fasziniert ihn bis heute. „1961 habe ich mir im zweiten Lehrjahr die italienische Ausgabe einer NSU Quickly Cavalino, 59er-Baujahr, vom Mund abgespart und heimlich gekauft.“ Das sportliche Moped seiner Jugendtage hat er später ein halbes Jahr lang restauriert, es steht nun ebenfalls in seinem Museum in der Mühlenstadt, das sich internationaler Anerkennung erfreut.

Die Biedermeierzeit, in der Drais sein Laufrad erfand, dokumentiert Zachs Einrichtung ebenfalls mit prächtigen, handgefertigten Schränken. Ein Rundgang ist auch mit dem kurzweilig geschriebenen „Geschichte(n) neu aufgemöbelt“ von Patricia M. Gunkel möglich, das Dutzend informativer Erzählungen liegt im Mühlheimer Buchladen an der Bahnhofstraße bereit. Einen Museumsbesuch machen auch in der Corona-Zeit zwei Videos auf autoundmoebel-museum.de möglich.

(Von Michael Prochnow)

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