...aber zum Glück nur als Motto für ihren Rundum-Lockruf

Musikschule packt den Koffer

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Hier stoppt die musikalische Reise um den Globus bei dem Instrument, das Richard Strauss zu symphonischen Ehren brachte. Dem Alphorn lässt sich für Ungeübte nur per Playback ein Ton entlocken. Der „Koffer voller Musik“ war auch Gelegenheit, das Repertoire der Musikschule kennenzulernen.

Mühlheim - Heißes Wetter an einem Samstagmittag ist das Gegenteil einer Garantie für ein volles Haus. Für die Weltreise der Musikschule mit dem Titel „Ein Koffer voller Musik“ in der Willy-Brandt-Halle gilt das zum Glück nicht. Von Stefan Mangold 

Sehr viele Besucher lernen die Schüler und Dozenten und ihre Kunst kennen. Der erste Rundum-Lockruf der Mühlheimer Musikschule in der Willy-Brandt-Halle ist drei Jahre her. Da feierte die Institution gerade ihren 40. Geburtstag und Mühlheim wurde 1200 Jahre alt. „Das Konzert kam damals bestens an“, erinnert sich Klaus Schäfer. Deshalb sei es nicht weit gewesen bis zur Idee, die Geschichte regelmäßig zu wiederholen.

Am Rande erzählt der städtische Fachbereichsleiter für Sport und Kultur von seiner eigenen musikalischen Karriere. Die war zwar nicht all zu lange, jedoch mit der Musikschule eng verknüpft. Als 16-Jähriger nahm Schäfer Gitarrenunterricht bei Norbert Schneider. Der unterrichtet immer noch und steht auch heute auf der Bühne, wie etwa bei der Aufführung der Gruppen aus der musikalischen Früherziehung. Kurz bevor der Vorführ-Teil des Nachmittags startet, sondiert Schäfer im Foyer die Lage. Anschließend öffnet er zusammen mit Bürgerhaus-Geschäftsführer Martin Deiß die Türen zum hinteren Raum. Ansonsten hätten nicht alle Eltern, Omas, Opas und Geschwister einen Platz gefunden.

Iris Franke, Margit Goebel, Monika Beller, Daniela Weber und Anja Tlili, die Frau am Kontrabass, setzen die zum Motto erhobene musikalische Reise um die Welt in Szene. Eine Aufführung von Vorschulkindern nach der anderen eignet sich zwar nicht unbedingt, ein Publikum in puncto Aufmerksamkeit bei der Stange zu halten. Der Pfiff beim Konzept der Mühlheimer Pädagoginnen liegt jedoch darin, die einzelnen Beiträge zu einem ganzen Stück zu weben, eben zu einer musikalischen Reise. Die führt etwa von den Alpen samt Alphornklängen bis nach Afrika. An der Stelle blasen die Kinder in die Vuvuzela. Niemand muss jedoch einen Trötenbrei fürchten wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Die Blasinstrumente aus Plastik deuten akustisch nur ganz kurz das Trompeten aus den Rüsseln der Elefanten an.

Lange residierte die Musikschule hinter der Bühne der Willy-Brandt-Halle. 1997 folgte der Umzug ins ehemalige Schwesternwohnheim an der Dietesheimer Hauptstraße. Mittlerweile unterrichten 21 Dozenten über 600 Schüler.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Darunter musizieren nicht nur Kinder. Das Schlagzeugensemble des Dozenten und Komponisten Udo Diegelmann spielt heute dessen Stück „Kpanlogo“. Mit von der Partie ist einer, den man in Mühlheim kennt: der Grünen-Kommunalpolitiker Volker Westphal. Er spielt mit Emma Garten. Die 13-Jährige hat gerade bei „Jugend musiziert“ nicht zum ersten Mal den Regionalwettbewerb gewonnen, diesmal zusammen mit Richard Johannis im Duo. Die beiden treten heute ebenfalls miteinander auf.

Letzten Oktober übernahm der Geiger Boris Kottmann die pädagogische Leitung der Musikschule. Seit 30 Jahren unterrichtet er in Mühlheim. Kottmann erinnert an seine Vorgängerin Christiane Wetzlar, die im März 2017 verstarb, „ihr ist der Tag heute gewidmet“. Der Leiter steht heute mit dem Pianisten und Komponisten Oliver Ruschke auf der Bühne, ebenfalls Lehrer der Musikschule. Aus dessen Feder stammen die Stücke „Hymne“ und „Tabo“ aus dem Zyklus „Unterwegs“. Zuweilen erinnert Ruschkes Tonsprache an die des argentinischen Tangomeisters Astor Piazzolla. Den Rocksong „Eye of the Tiger“ der US-Band Survivor kennen wohl die meisten im Saal. Zumindest jene, die ihre Jugend Anfang der 80er Jahre erlebten. Dozent Markus Hoßner übernimmt beim Klarinetten-Saxophon-Esemble der Sport-Union im Arrangement des Songs den Part der Bassklarinette.

Zurück zu Klaus Schäfer. Der hörte nach zwei Jahren Unterricht mit der Gitarre auf. Dem Verwaltungschef der Musikschule ging es wie so manchem einst hoffnungsfrohen Amateurmusiker: „Im Beruf konnte ich nicht mehr regelmäßig üben“.

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