Der Trick mit dem Mundstück

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So geht’s richtig mit dem Saxophon. Heidi Micka macht vor, wie das Mundstück anliegen muss.

Mühlheim - Blöde Frage, was soll schon passieren? „Der Tischtennisball fliegt natürlich weg!“, tippt einer der Schüler. Von Sebastian Faerber

Musiklehrer Jaroslav Micka reicht dem Jungen das kurze Mundstück des Instruments zum Selbstversuch. Der Schüler hält den Ball an die eine Öffnung des Röhrchens, holt tief Luft, stößt kräftig in die andere Seite und lässt den Ball dann los. Doch die federleichte Plastikkugel fliegt wider Erwarten nicht davon. Das Bällchen bleibt am Mundstück haften. Verwunderung macht die Runde unter den Schülern. „Gut, genau so wie eben demonstriert müsst ihr gleich hinein blasen, damit ein Ton aus dem Instrument kommt“, erklärt Micka den Sinn der Übung.

Der Lehrer für Blasinstrumente des Musikvereins Dietesheim ist mit seiner Frau Heidi zu einer „Jugendwerbewoche“ an die Friedrich-Ebert-Schule gekommen. Im Gepäck haben die beiden Trompete, Klarinette, Saxophon und Co. Mit den Instrumenten möchte Micka die Schüler der fünften und sechsten Klassen für Musik begeistern. Zum einen, indem er sie die Instrumente selbst ausprobieren lässt, zum anderen, indem er die Physik der Klänge in kleine und spannende Rätsel verpackt.

Eines davon ist die Sache mit dem Tischtennisball. „Der Effekt nennt sich Aerodynamisches Paradoxon“, erklärt Micka das Geheimnis, dass das Bällchen nicht wegfliegt. Die durchströmende Luft erzeugt am Ausgang einen Sog zwischen Mundstück und Ball. „Das ist in etwa das Gleiche, als wenn man das Fenster öffnet und die Tür fliegt zu“, vergleicht er. Doch nur, wer mit der richtigen Technik ans Werk geht, bringt den Ball am Mundstück zum Haften. „Das ist eine Frage der Geschicklichkeit und zeigt bereits, ob jemand Talent hat“, verrät der Musiklehrer.

„Was ist das für ein Instrument?“, fragt Micka dann in die Runde. In der Hand hält er das Instrument, auf das das Mundstück passt. „Das ist eine Tuba“, rät ein Schüler. „Nein, eine Tuba ist größer“, antwortet Micka. „Dann ist es eine Mini-Tuba“, gibt der Schüler nicht auf. Doch eine solche hat Micka auch nicht im Repertoire. Es handelt sich vielmehr um ein Euphonium.

Micka fordert derweil die Schüler auf, die Lippentechnik zunächst als Trockenübung, also ohne das Mundstück, einzuüben. Das sorgt bei den jungen Musikern für einiges Gelächter. Bei der anschließenden Probe aufs Exempel - also mit Mundstück und Instrument - scheint sich die Trockenübung und der Versuch mit dem Ball bezahlt zu machen. Denn das Euphonium spuckt bei dem ein oder anderen Schüler auf Anhieb brauchbare Töne aus. Während die Jungen eher zu Euphonium, Trompete oder Waldhorn greifen, stehen bei den Mädchen Holzblasinstrumente wie Querflöte und Klarinette hoch im Kurs. „Jugendliche in der fünften und sechsten Klasse sind körperlich ausreichend ausgebildet, um die nötige Luft für das Spielen eines Blasinstruments aufzubringen“, erklärt Micka. Leider sei eine Schulstunde zu knapp, um alle Schüler ein Instrument ausgiebig testen zu lassen. Daher veranstaltet der Musikverein zum Abschluss der „Jugendwerbewoche“ an diesem Sonntag, 22. Februar, in seinem Vereinsheim (Am Grünen See 1) ab 16 Uhr eine Abschlussveranstaltung mit der Möglichkeit, die Instrumente näher kennen zu lernen und Informationen zum Unterricht zu bekommen - etwa über das Jugendorchester des Vereins oder sein Freizeitangebot.

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