Nachahmer erwünscht

Mühlheimer Triathletin möchte mit ihrem Blog Menschen zum Müllsammeln animieren

Nach dem Training ist vor dem Müllsammeln: Mit Greifer und Plastiksack beseitigt Claudia Bahlke Unrat.
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Nach dem Training ist vor dem Müllsammeln: Mit Greifer und Plastiksack beseitigt Claudia Bahlke Unrat.

Es ist einer der Aufreger in vielen Kommunen: Müll, der achtlos in der Umwelt entsorgt wird. Eine vermüllte Natur ist nicht nur nicht schön anzusehen, es stellt auch meist eine Gefahr für die Tierwelt dar. Auch für die Triathletin Claudia Bahlke ist Müll in Wald und Flur ein Ärgernis. Deshalb ist sie selbst aktiv geworden und sagt der Vermüllung in der Mühlenstadt den Kampf an.

Mühlheim – Seit dem Beginn der Corona-Pandemie habe sie vermehrt das Problem mit der Vermüllung wahrgenommen und sich entschieden, zu handeln. Mit Greifer und Sack ausgestattet, die Bahlke seit Kurzem auch vom städtischen Bauhof gestellt bekommt, macht sie sich auf ihre Touren zum Müllaufheben. Über die Unterstützung vom Bauhof sei sie sehr froh, denn die Greifer ersparen ihr das ständige Bücken. „Meist bin ich gut eineinhalb Stunden unterwegs, um einen Teil der Strecke, auf der ich sonst trainiere, zu säubern.“

„Die Artikel vom Müllsammeln sind die mit den meisten Lesern“

Oft mache sie der viele unachtsame Müll fassungslos. Etwa neben einer Sitzbank, in deren direkter Nähe ein Mülleimer war, habe sie etliche Minuten mit dem Aufräumen verbracht. „Das Fazit nach 1,5 Kilometer Wegstrecke und rund einer Stunde Müll sammeln im Feld und in ein paar Straßenzügen: 105 Kippen, 30 Kronkoren, Taschentücher, Masken, Zigarettenpackungen und Bonbonpapiere. Einfach krass.“ Das schreibt die Hobby-Triathletin auf ihrem eigenen Blog, in dem sie ihren Sportler-Alltag und das Müllsammeln online dokumentiert.

Und das findet großen Zuspruch: „Die Artikel vom Müllsammeln sind die mit den meisten Lesern“, sagt Bahlke. Gut 2000 Leser habe sie üblicherweise pro Woche. Ein Artikel über das Müllsammeln würde dagegen sogar 400 Mal pro Tag gelesen. Mit ihrem Blog will sie auch andere Menschen inspirieren, die Umwelt sauber zu halten.

Größere Verletzung durch einen Sturz vom Fahrrad

Angefangen mit dem Triathlon hat Claudia Bahlke vor gut zehn Jahren. Bei ihrem ersten Lauf kam sie noch so spät ins Ziel, dass der Zieleinlauf schon abgebaut war. Vor gut sieben Jahren zog es die 42-Jährige dann von Rumpenheim nach Lämmerspiel, wo sie noch heute mit ihrem Mann, der ebenfalls Triathlon betreibt, wohnt.

In dieser Zeit hatte sie auch ihre erste größere Verletzung durch einen Sturz vom Fahrrad. 2016 der nächste gesundheitliche Rückschlag nach einem weiteren schweren Sturz. Seitdem ist Bahlke sogar auf ein Spray für ihre Lunge angewiesen. Während die Ärzte ihr zu dieser Zeit sagten, dass sie den Triathlon-Wettkampf für immer vergessen könne und sie froh sein solle, wenn sie wieder Treppen steigen kann, wollte sich die Lämmerspielerin mit ihrem Schicksal nicht abfinden. „Ich habe eine spezielle Bandage für mein Bein bekommen und habe mich langsam wieder rangekämpft.“ Zunächst habe sie nur Walken können, mit der Zeit erholte sie sich immer mehr und konnte dann auch wieder mittlere Strecken von fünf bis 15 Kilometer laufen.

Trotz der vielen Rückschläge in ihrem Sport, hat die Lämmerspielerin noch einen großen Traum: Einmal den Frankfurter Iron Man bestreiten und am Römerberg ins Ziel einlaufen. Für diesen Meilenstein, den sie in zwei bis drei Jahren erreichen will, trainiert Bahlke aktuell fleißig fünf bis sechs Mal pro Woche. Und macht bis dahin sicherlich noch einige Säcke mit Müll voll. (Lukas Reus)

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