Küche aus Äthiopien

Neue Reihe der Adventisten-Gemeinde

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In mehr als einer Hinsicht rührend: Köchin Israel Getachew umsorgt die erste kulinarische Runde mit Essen und Wissen.

Mühlheim - Die Adventisten-Gemeinde kocht international, um Länder und Leute kennen zu lernen. Pastor Simret Mahary begann mit einem Menü aus seiner äthiopischen Heimat. Von Michael Prochnow 

Wer den Weg bisher nicht kannte – die Zwiebeldämpfe führen den Besucher zielsicher in die Küche. Auch das Knistern in der Pfanne und das Stimmengewirr sind gleich zu vernehmen. Es geht also nach links, und Simret Mahary steht schon in der Tür, hält ein breites Lächeln und die Hand zur Begrüßung bereit.

Der Pastor der Mühlheimer Adventisten-Gemeinde am Zeppelinring ist zugleich der Leiter der Presence Kulturlounge in Bornheim. Von dort hat er die Idee des gemeinsamen Kochens mit Menschen aus den verborgenen Winkeln der Erde mitgebracht.

Köchin Israel Getachew

Ausdauer ist eine äthiopische Tugend. Das spiegelt sich auch in der Zubereitung ihrer Mahlzeiten, zeigt der Seelsorger. Das Injera-Fladenbrot ist in Ostafrika ein Grundnahrungsmittel. Es wird aus Teff, einem glutenfreien Getreide, gebacken. Dann stehen verschiedene Tomaten- und Shiro-Soßen auf dem Speiseplan, gemahlene Kichererbsen, die mit Öl oder Butter angemacht werden, in der Fastenzeit aber auch ohne Fette zubereitet werden, lernt der Gast.

„Das ist sehr schmackhaft und gesund“, wirbt der Pastor. In Äthiopien sind die Erbsen sehr günstig. Dort lieben sie Linsen-, Gemüse- und Fleischgerichte, Karotten, Weißkohl und Ingwer. „Wichtig für die äthiopische Küche sind scharfe Zutaten wie Paprika und Peperoni, die es in Mischungen gibt“. Zwiebeln und Knoblauch werden angedünstet, müssen lange kochen und garen. „Das Gegenteil von Fast Food“, erklärt Mahary.

Chefköchin Israel Getachew lebt in Frankfurt und beherrscht die Küche, kocht aus Leidenschaft, erzählt die Äthiopierin. Wichtig: „Bei uns wird mit der Hand gegessen.“ Anschließend gibt es eine Zeremonie aus dem Land, in dem der Kaffee entdeckt wurde. Die Bohnen werden feierlich in einer kleinen Pfanne geröstet und immer wieder gerochen, dabei wird der röstenden Person Segen zugesprochen.

Aufgegossen wird der ungefilterte Sud aus einem Tonkrug, serviert in Espresso-Tassen. Durch den schlanken Hals bleibt der Kaffeesatz unten. „Es gibt drei Runden“, lehrt Israel, „das ist traditionell und ein sozialer Moment“. Die Runde nimmt sich viel Zeit, um zu essen, zu trinken und zu reden.

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„Wir haben das Projekt gestartet, um Leute zu gewinnen, um gemeinsam zu kochen und Länder kennen zu lernen“, sagt Lorita Sebastian vom Gemeinderat zu der kulinarischen Idee. „Wir wollen mehr zum kulturellen Hintergrund der Menschen bei uns erfahren und Vorurteile abbauen“, zählt sie beim Kartoffelschälen auf.

Schon lange pflegen die 55 Adventisten am letzten Samstag im Monat die Gemeinschaft: „Jeder bringt etwas zu essen mit“. Sie gestalten jeden Sonntag einen Kindergottesdienst parallel zur Feier der Erwachsenen, tauschen sich in Gesprächskreise über ein Thema des Evangeliums aus. Im Nähkreis fertigen Talente Herzkissen für an Brustkrebs erkrankte Frauen, häkeln Kraken, Mützchen und Söckchen für Frühchen. Andere treffen sich in Gebets- und Bibelkreisen bei Mitgliedern zu Hause, eine Pfadfindergruppe fährt ins Zeltlager. Und das internationale Kochen soll schon bald fortgesetzt werden.

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