Bei neuen alten Schätzen

+
Die Einspänner-Kutsche stammt aus dem Jahr 1850.

Mühlheim - Wenn erfolgreiche Geschäftsleute wie Hans-Günter Zach in der Zeitung stehen, dann in der Regel auf jenen Seiten, die von Arbeitsplätzen oder Bilanzen berichten. Von Barbara Hoven

Um barocke Tabernakelsekretäre, Orchestrien oder mobile Beichtstühle geht es dagegen eher selten, auch nicht um unzählige Oldtimer. Normalerweise. Bei Hans-Günter Zach verhielt sich die Sache aber schon immer ein wenig anders. Nicht (nur) seine diversen Sammelleidenschaften waren es, die den Mühlheimer Unternehmer immer wieder in die Presse brachten. Sondern vielmehr die Tatsache, dass aus dem Firmenchef Zach nach und nach der Mäzen Zach wurde.

Mehr als 300. 000 Euro hat der 66-Jährige seit der Eröffnung seines Rolls-Royce-Museums im Jahr 2002 zig Organisationen und Vereinen zukommen lassen. Gespendetes Geld begeisterter Museumsbesucher, oft auch welches aus eigener Tasche. Mehr als 30 .000 Besucher aus Deutschland und der Welt kamen dafür nach Mühlheim, gut 800 Mal führte der Hausherr persönlich Gruppen durch sein Museum. Bis zum Sommer 2009, als er überraschend die Schließung des Rolls-Royce-Museums und den Verkauf seiner Oldtimer bekanntgab.

Traum vom „Haus für Kinder“

Doch Zach wäre nicht Zach, hätte er da nicht längst neue Ideen gehabt, sich zum Wohle aller zu engagieren. Statt einige seiner Hallen in der Carl-Zeiss-Straße zu verkaufen oder zu vermieten, träumte er davon, ein „Haus für Kinder“ zu errichten. So nutzte er einen Teil des Erlöses aus der Versteigerung der Oldtimer im Mai 2010 in Monaco, um das ehemalige Verwaltungsgebäude in der Carl-Zeiss-Straße 4 in ein Domizil für die Montessori-Schule zu verwandeln.

Blieben aber immer noch mehr als 1000 Quadratmeter Gewerbefläche zwischen der neuen Schule, der Kulturhalle Schanz und dem Zach-schen Werkzeugmaschinen-Betrieb. Räume, die teils seit der Schließung des DGB-Berufsfortbildungswerks im Sommer 2007 leer standen. Lange suchte Zach nach einer geeigneten Nutzung, haderte mit potenziellen Mietern, deren Pläne ihm für ein Gebäude neben einer Schule unpassend erschienen - zum Beispiel ein Single-Club. Und entschied sich schließlich, die Hallen für eigene Zwecke zu renovieren und zu einem neuen Museum zu machen.

Seit 40 Jahren sammelt Zach antike Stücke

Derzeit verpassen Handwerker den Räumen noch den letzten Feinschliff. Doch auch, wenn das erledigt ist, will Zach das neue Antikmöbel-Museum zunächst „nur bedingt öffentlich“ machen, „es soll erst mal ein Geheimtipp bleiben“. 120 antike Möbelstücke, Zach hat extra nochmal nachgezählt, haben in den frisch renovierten Räumen des einstigen Stahl-Schanz schon jetzt ihren Platz gefunden – vor allem Schränke und Sekretäre. Außerdem gibt es Gemälde, Skulpturen, Kirchenbänke und andere Schätze. Der Duft frischer Wandfarbe vermischt sich mit dem von edlen Hölzern, Luxus und Leder. Denn auch ein paar alte Autos sind noch zu entdecken. Da trifft es sich gut, dass alte Fahrzeuge und alte Möbel gleiche klimatische Bedingungen mögen. „Die Luftfeuchtigkeit hier im Museum liegt konstant bei 50 bis 55 Prozent, die Temperatur stets bei 16 Grad, so fühlen sich alle am wohlsten“, sagt Zach.

Was die Möbel mögen und was er an den Möbeln mag, darüber kann der 66-Jährige stundenlang erzählen. Seit 40 Jahren sammelt er antike Stücke, forscht im Internet danach, auf Auktionen, kriegt Angebote. Mal ist es ein verstecktes Türschloss („Sehen Sie, allein der Schlüssel ist schon ein Kunstwerk“), mal eine aufwändig intarsierte Schranktür: Zach entdeckt an jedem Stück Besonderheiten und erzählt mit einer solchen Hingabe davon, dass man kaum anders kann, als mit ihm begeistert zu sein. Egal, ob er gerade Details der Barockschränke im Eingangsbereich zeigt, das Biedermeier-Zimmer, die Tölzer Holzmöbel im Bauernzimmer oder die Klassizismus-Abteilung.

Nicht nur die nagelneuen sanitären Anlagen lassen darauf schließen, dass das Museum bald auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden könnte, ganz offiziell, mit Öffnungszeiten und Personal. Zach schmunzelt und formuliert es so: „Eigentlich ist es zu schade, all das der Öffentlichkeit vorzuenthalten, denn eine solche Sammlung von antiken Schränken findet man kein zweites Mal in der Region.“ Alle Einnahmen, fügt er noch hinzu, wären natürlich für den guten Zweck.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare