„Meine Frau ist ein Vampir“

Neuneinhalb Jahre Haft für brutalen Vergewaltiger

Mühlheim - Neun Jahre und sechs Monate Haft - Urteil gegen einen 37 Jahre alten Mühlheimer, der sich seit Oktober an 14 Verhandlungstagen vor dem Darmstädter Landgericht wegen Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch verantworten musste.

Ein psychiatrischer Gutachter hatte dem Angeklagten trotz des Verdachts auf eine Psychose die volle Schuldfähigkeit bestätigt. Unzählige Beweisanträge, Terminschwierigkeiten und die fehlende Geständigkeit des Mühlheimers verzögerten die Verhandlung um den in Untersuchungshaft sitzenden Deutsch-Kasachen mehrfach. Tatorte waren die Familienwohnung in Mühlheim und ein Hotel in der Türkei. Hier soll der Angeklagte im Spätsommer 2014 viermal seine 34-jährige Ehefrau vergewaltigt haben. Dabei soll er brutal vorgegangen sein, sie gewürgt, geboxt und getreten und trotz heftiger Gegenwehr nicht abgelassen haben. In weiteren vier Fällen wurden ihm schwerer sexueller Missbrauch an der damals elf- und zwölfjährigen Tochter vorgeworfen. Diese Taten sollen sechs beziehungsweise fünf Jahre zurückliegen. Nochmal vier Fälle, in denen der Mann auch den kleinen Sohn unsittlich berührt haben soll, wurden während des Verfahrens im Hinblick auf die verbleibenden schwerwiegenderen Vorwürfe auf Antrag der Staatsanwaltschaft eingestellt.

Verteidiger Manfred Döring hatte zwischenzeitlich die Glaubwürdigkeit der Tochter infrage gestellt. Er verdächtigte sie, suggestiv von ihrer Mutter beeinflusst worden zu sein und einfach das nachgesagt zu haben, was ihr diese aufgetragen habe, um den Vater zu belasten. Pseudo-Erinnerungen sozusagen. Döring begründete dies unter anderem mit widersprüchlichen Aussagen zwischen polizeilicher Vernehmung und vor Gericht. Außerdem hielt der Anwalt die Richter für diesen Prozess für zu jung und unerfahren. Beiden Einwänden konnten allerdings weder die Kammer noch die Staatsanwaltschaft folgen.

Was bedeutet eigentlich Sicherungsverwahrung?

Lesen Sie dazu auch:

Ehefrau vergewaltigt und Kinder sexuell missbraucht?

Der Angeklagte selbst hatte immer wieder dementiert, was gegen ihn im Raum stand. „Das ist von vorne bis hinten gelogen“, sagte der Mühlheimer. Er behauptete seinerseits, der Sex mit seiner Frau sei einvernehmlich gewesen - und Gewalt gegen die Kinder sei von ihr ausgegangen. „Meine Frau ist ein echter Vampir!“ erklärte er im Zuge einer Geschichte, in der die Ehefrau das Essen vergiftet haben soll. Alles habe schon im Jahr 2008 angefangen. Seitdem habe es Streit gegeben, weil die Mutter den Sohn geschlagen habe. Einmal sogar so heftig, dass dieser einen Teil seiner Sehkraft eingebüßt habe. Dreimal sei der Kleine deswegen im Krankenhaus gewesen. Alle Anschuldigungen gegen die Nebenklägerin halfen am Ende jedoch nichts. Für das Gericht stand nach der überaus umfangreichen Beweisaufnahme fest, dass es der Mutter und der Tochter Glauben schenkt und nicht dem Vater.

gel

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion