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Klimawoche in Mühlheim: Wie man ein Denkmal energetisch saniert

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Von: Stefan Mangold

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Stieß auf großes Interesse: Energieberater Benedikt Kern erläuterte im Rahmen der Mühlheimer Klimawoche, wie er sein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus mit großem Erfolg energetisch sanierte.
Stieß auf großes Interesse: Energieberater Benedikt Kern erläuterte im Rahmen der Mühlheimer Klimawoche, wie er sein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus mit großem Erfolg energetisch sanierte. © Mangold

Im Rahmen der ersten Klimawoche in Mühlheim geht es in einem Vortrag darum, wie denkmalgeschützte Häuser energetisch saniert werden können. Der Redner spricht aus eigener Erfahrung.

Mühlheim – „Vom Altbau zum Null-Energiehaus - Geht das überhaupt?“ Als einer der Programmpunkte der „Mühlheimer Klimawoche“ hatten die Grünen am Donnerstagabend zu einem interessanten Vortrag ins Sportheim Dietesheim eingeladen. Der Energieberater Benedikt Kern stellte am Beispiel seines eigenen Hauses vor, wie es in einer unter Denkmalschutz stehenden Immobilie funktionieren kann, Kosten und Energiebedarf zumindest deutlich zu senken.

Zur Begrüßung im voll besetzten Nebenraum erklärt Stadtrat Bernhard Feig, Mühlheim sei erst im vergangenen Jahr Klimaschutzkommune geworden, „als eine der letzten Gemeinden im Kreis“. Die Stadt hänge bei dem Thema hinterher, was sich auch negativ auf die Bewilligung entsprechender Fördermittel auswirke, kritisierte der Grünen-Politiker.

Als Referenten des Abends hatten die Grünen den Energieberater Benedikt Kern aus Gründau im Main-Kinzig-Kreis eingeladen. Kern ist Besitzer einer im Fachwerkstil erbauten und unter Denkmalschutz stehenden Hofreite. Bei deren energetischer Sanierung verband er das Berufliche mit dem Privaten.

Klimawoche in Mühlheim: Zwei Phasen bei der energetischen Sanierung

Der Referent zeigte zunächst ein Bild von 2019, als das Haus von innen aussah, als hätte dort eine Bombe eingeschlagen. „Freunde und Verwandte haben bei diesem Anblick die Hände über ihren Köpfen zusammengeschlagen“, erinnerte sich Kern.

Doch bereits nach einer Woche lichtete sich das Feld: „In sechs Tagen räumten wir 27 Tonnen Sondermüll aus den 185 Quadratmetern“. Die Substanz der Immobilie, die Benedikt Kern als die „alte Junkerei“ bezeichnet, habe sich als intakt herausgestellt. Die Vorbesitzer hatten bereits in den 1980er und 90er Jahren saniert, weshalb der Energieverbrauch der denkmalgeschützten Immobilie schon zu Beginn nicht so hoch gewesen sei, wie in vergleichbaren Objekten.

Bei der energetischen Sanierung spricht der Energieberater von „zwei Phasen“. In der ersten Phase sollte man „alles unternehmen, was Energie einspart“. In der zweiten Phase sollte man dann auf erneuerbare Energien umsteigen.

Vortrag bei Klimawoche in Mühlheim: Der Vergleich mit den Äpfeln

Für seine dreiköpfige Familie erstellte Kern zu Beginn eine Gesamtrechnung zum Energieverbrauch, wobei der Referent zur Veranschaulichung Kilowattstunden symbolisch in Äpfel umrechnet –pro 1000 Kilowattstunden ein Apfel. „Vor dem Start verbrauchten das Haus und unsere beiden Autos mit Verbrennungsmotoren 62 Äpfel pro Jahr“. Auf die Autos zu verzichten, sei auf dem Land leider noch nicht möglich.

Benedikt Kern berichtete von natürlichen Dämmstoffen, von Lehm, Stroh und Platten aus Holzfasern. Wegen des Denkmalschutzes und weil es die Ästhetik des Hauses beeinträchtigt hätte, gab es nicht die Option, über das Fachwerk einfach Dämmplatten zu legen. Kern zeigte auch eine Wandheizung, die hinter einer sechs Zentimeter dicken Verkleidung verschwand. „Das Prinzip ähnelt einer hochgeklappten Fußbodenheizung“.

Auch Geräte wie Kühlschrank und Waschmaschine kaufte die Familie neu, allesamt auf dem neuesten energetischen Stand. Kern errechnete, dass die Ersparnis dadurch aber nur vergleichsweise gering ausfalle: „Statt fünf, verbrauchen wir jetzt vier Äpfel“.

Resultat des Vortrags bei Klimawoche in Mühlheim: Energiesparen bedeutet kein spartanisches Leben

Die Autos mit Verbrennermotor wurden inzwischen durch E-Autos ersetzt. Das Haus wird inzwischen durch eine Wärmepumpe beheizt, deren Strombedarf, ebenso wie der der beiden Autos, durch eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach gedeckt werde. Allerdings ist die Installation von Fotovoltaikanlagen auf den Dächern denkmalgeschützter Häuser genehmigungspflichtig. Denkmalschutzbehörden könnten das auch verbieten. „Es kommt aber darauf an“, erklärte Kern, „ob man die Zellen zur Straße oder nach hinten hin sieht“. Er habe das Glück gehabt, auf eine Denkmalpflegerin mit Verständnis zu stoßen.

Kern betonte, für Energiesparen habe er seiner Familie keinesfalls einen spartanischen Lebensstil verordnet. „Im Winter haben wir es 22 bis 23 Grad warm“. Dennoch, es habe sich gelohnt: „Von den ursprünglich 62 Äpfeln verbrauchen wir jetzt noch sechs“. Der Energieverbrauch ließ sich um rund 90 Prozent reduzieren.

Was die Kosten betreffe, verhalte es sich ähnlich. Die aktuellen Preise zugrunde gelegt, müsste die Familie heute jährlich 13 000 Euro für Energie ausgeben, „so sind es 2 520 Euro“.

Von Stefan Mangold

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