Oase kann´s auch ohne Wüste geben

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Spielerisch die Natur erkunden können Besucher aller Generationen im Elsternest in Dietesheim. Ein Angebot, das inzwischen von Gästen aus der ganzen Region rege genutzt wird.

Mühlheim - Das Schild hängt schon am richtigen Platz. „Kreativwerkstatt“ steht drauf. Von Barbara Hoven

Und auch, wenn es heute in der Tat noch einige gedankliche Kreativität verlangt, in den vier Pfosten mit dem kleinen Dach mehr als einen Regenschutz zu sehen, kann es jetzt nicht mehr lange dauern bis zum nächsten konzeptionellen Wachstumsschub im Natur- und Erlebnisgartens des Vereins „Elsternest“.

Ein überdachter Bereich zum Basteln und Gestalten mit Naturmaterialien soll’s werden. Ein geschütztes Terrain, auf dem die Besucher, kleine und immer häufiger auch große, die Kräfte der Natur zwar bewundern und nutzen, sie aber nicht unbedingt im Form von Regen am eigenen Leib erfahren sollen.

Problem: Dass Mutter Natur großzügig ist zu ihren Bewunderern, das wird hier auf diesem Gelände mitten in Dietesheim zwar überdeutlich. Aber das Geld, ohne dass selbst die Einfallsreichsten manchmal nicht weiterkommen, wächst nunmal nicht auf Bäumen, an Büschen oder im Kräutergarten.

Deshalb wird sich unter das Kinderlachen, das hier oft zu hören ist, das Klingeln der Vereinskasse mischen. Wie laut, das entscheiden alle Menschen, die im Internet auf www.holzlandbecker.de ihre Gunst an eins der zehn Projekte verteilen, die es ins Finale der von Frank Becker mit 6 000 Euro ausstaffierten und von unserer Zeitung ausgerufenen Aktion „Klingelnde Vereinskasse“ geschafft haben.

Elsternest-Initiator Thorsten Ehmann weiß schon genau, was mit dem Gewinn zu bewerkstelligen wäre. Gemeinsam mit und nach den Ideen von Kindern und Jugendlichen will er den kleinen überdachten Bereich in eine echte Kreativwerkstatt verwandeln. Damit möchte er dem oft geäußerten Wunsch des Nachwuchses nachkommen und einen Treffpunkt schaffen - samt eines größeren Angebots an Kreativem. Der überdachte Bereich soll vergrößert werden, dann könnten Regale, auch Sitzbänke, Arbeitstische oder ein Schraubstock installiert werden. „Da sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt und ähnlich wie im Naturgartenprojekt kann sich das Bauwerk je nach Nutzergruppen durch Gestaltungsaktionen im Laufe der Zeit entwickeln“, sagt Ehmann. Gebaut wird ausschließlich mit Holz.

Die Initiative „Elsternest“ entstand im März 2003 bei einem Treffen von engagierten Erzieherinnen und Ökologen. In Eigenarbeit wurde eine knapp 700 Quadratmeter große Baulücke in der Wilhelmstraße schrittweise in ein Naturerlebnis verwandelt. „Dabei stand die Idee im Vordergrund, wohnraumnah eine Insel für Begegnung, Kommunikation und Naturerleben zu schaffen“, erzählt Ehmann. Seit 2007 ist Elsternest ein eingetragener Verein, der derzeit zehn Mitglieder zählt und eng mit den Kitas der Stadt zusammenarbeitet.

Ehmann und all seine Mitstreiter engagieren sich ehrenamtlich im Garten, alles neben voller Berufstätigkeit. Nicht nur bei jährlichen Festen und individuell gestaltbaren thematischen Veranstaltungen treffen sich im Elsternest Kunst, Kultur und Natur. Regelmäßige Kreativnachmittage für behinderte und nicht behinderte Kinder regen zum Umgang mit Naturmaterialien an. „Im Sommer kommen ein bis zwei Gruppen pro Woche, dazu ist fast jedes Wochenende ein Kindergeburtstag“, so Ehmann.

Der 45-jährige Landschaftsökologe will den Erlebnisgarten jedoch nicht nur als Ort für Kinder verstanden wissen. „Es ist ein großes Anliegen von mir, eine grüne Oase für alle Generationen zu bieten.“ Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt soll „intensiviert und in Form gegossen werden“, sagt Ehmann. Erste Gespräche mit dem neuen Bürgermeister habe er bereits geführt.

Was die neue Kreativwerkstatt betrifft, da geht Ehmann davon aus, „dass das Ergebnis beim nächsten Frühlingsfest im Mai für alle Mühlheimer erlebbar sein wird“. Erste Ideen dürften aber schon beim Erntefest am 25. September zu sehen sein.

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