Sanierung

Operationen am Wahrzeichen

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Viel Historie: Die linke Gebäudehälfte wurde 1880 an die Mühle angebaut. Das hölzerne Mühlrad wurde in dieser Zeit durch eine verbesserte Eisenkonstruktion ersetzt.

Die Sanierung schreitet voran. Allerdings ist die anschließende Nutzung der Mühle noch nicht geklärt. Bürgermeister Tybussek wünscht sich einen Steg über die Rodau.

Mühlheim - Die Brückenmühle ist etwas Besonderes. Schließlich ist sie die einzige noch in mahlfähigem Zustand erhaltene Mühle der Stadt. 2014 ist das Gesamtareal neu aufgeteilt worden, nachdem die letzte Müllerin Antoine Krebs im Jahr 2013 gestorben war. Sie hatte die Mühle seit dem Tod ihres Vaters weitergeführt. Das Mühlengebäude, das Wohnhaus, der Hof sowie die Insel auf der Rodau sind in städtische Hand übergegangen. Die Mühle funktionsfähig zu halten, ist ein aufwendiges Unterfangen. Der Zahn der Zeit nagt an Mühlheims Wahrzeichen – Staub, Wasser und Holzwürmer zehren am Material. Arbeiten an der unter Denkmalschutz stehenden Technik sowie jeder Eingriff in die bauliche Substanz erfordern eine enge Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Immerhin wurde die Brückenmühle erstmals 1576 urkundlich erwähnt – also vor fast einem halben Jahrtausend.

Zur Abstimmung eines strukturierten Vorgehens bei der Sanierung hatte die Stadt eine fundierte Bestandsanalyse mit Aufmaß, Schadenskartierung und Voruntersuchungen in Auftrag gegeben. Daraus resultierten die bislang in mehreren Schritten umgesetzten Arbeiten. Bei einer Begehung mit Mitgliedern des Magistrats gaben Architektin Thekla Sturm vom Frankfurter Unternehmen „Ammon + Sturm“ sowie der Mühlenbauer Gottfried Schumann aus dem sächsischen Mulda Einblicke in die bisherigen Operationen am Wahrzeichen. Im ersten Bauabschnitt wurden das Fachwerk, das Wehr sowie der Wehrantrieb saniert, das Eingangstor repariert und die Mühlentechnik instantgesetzt. Architektin Sturm ist von Mühlheims Wahrzeichen begeistert: „Es ist eine interessante Mühle mit ganz alten, und nach der Erneuerung im 19. Jahrhundert auch mechanischen Elementen.“ Franz Krebs ersetzte Ende des 19. Jahrhunderts das hölzerne Mühlrad durch eine verbesserte Eisenkonstruktion. Ein Elektromotor machte die Mühle zudem unabhängig vom wechselnden Wasserstand der Rodau.

Schumann, der auf dem Gebiet des Mühlenbaus eine Koryphäe und damit sehr gefragt ist, hat mit seinen Mitarbeitern rund 400 neue Weißbuchenholzkämmen für die Kammräder im Erdgeschoss neu angefertigt und eingebaut. Die alten, von Holzwürmern zerfressenen Kämme wären bei Inbetriebnahme sofort zu Staub zerfallen, betont Schumann, der die Firma Mühlenbau-Metallbau-Tischlerei Gottfried Schumann in vierter Generation leitet. Des Weiteren werden die Lager der Transmission geöffnet, gereinigt, Öl aufgefüllt und neue Treibriemen angebracht, Kammräder und Hebezeugen gereinigt und wieder gangbar gemacht.

Ein besonderes Augenmerk bei der Sanierung gilt der noch weitgehend vorhandenen Mühlentechnik. Das bereits in den 1990er-Jahren sanierte Mühlrad wird täglich in Gang gesetzt. Damit die Funktionsweise Besuchern verständlich gemacht werden kann, wird aktuell die Technik im Gebäude instandgesetzt. In der ehemaligen Schmiede im Erdgeschoss soll eine kleine Werkstatt mit Schmiedewerkzeugen entstehen.

Im Obergeschoss werden die beiden Steinmahlgänge auseinandergebaut. Die Bütte des ersten Mahlgangs ist ebenfalls Holzwürmern zum Opfer gefallen und muss ersetzt werden. Die Spurbuchsen werden kontrolliert, Steine geschärft und im zweiten Mahlgang ein neues konisches Kammrad eingebaut. Die durch den Ausbau der Technik freiliegenden Gefache wurden ausgebessert. Im Anschluss an diese Arbeiten sollen in einem zweiten Bauabschnitt die Geräte zur Getreidereinigung und -sortierung im Dachgeschoss der Mühle gesäubert und gangbar gemacht werden.

95 000 Euro hat die Stadt bislang für die Arbeiten ausgegeben. Etwa 20 000 Euro werden für den zweiten Bauabschnitt noch anfallen. Insgesamt hatte die Stadt rund 300 000 Euro für die Mühlensanierung eingeplant.

Bürgermeister Daniel Tybussek nennt die drei Punkte, die ihm besonders wichtig sind: das Wahrzeichen erhalten, die Funktionsfähigkeit gewährleisten und die Zugänglichkeit planen. Über eine Nutzung des Gebäudes nach der abgeschlossenen Sanierung möchte der Rathauschef nicht spekulieren. „Vieles ist denkbar“, sagt er, schränkt aber mit Blick auf noch ausstehende Berichte – wie etwa über den Bauzustand und die Statik – ein, er könne zu diesem Zeitpunkt keine seriöse Aussage treffen, wie das Gebäude nach der Sanierung genutzt werde. Was er sich aber auf jeden Fall wünscht – aber auch das müsse erst mit den Behörden abgestimmt werden – sei ein Steg vom Brückenmühlparkplatz über die Rodau und die Insel zum Mühlendamm. Aber auch das sei ein „aufwendiger und langwieriger Prozess“.

VON RONNY PAUL

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