Parkour in Lämmerspiel

Mädchengruppe simuliert Häuserschluchten in der Halle

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Klettern und Kreativität: Einmal in der Woche trifft sich die Parkour-Gruppe in der Lämmerspieler Brüder-Grimm-Halle.

Mühlheim – Bei Parkour geht es darum, kletternd, springend oder anderweitig von A nach B zu kommen. Und das möglichst effizient. In Lämmerspiel übt eine Mädchengruppe in der Halle. Von Christian Wachter  

Bei Profis könnte der Hallenboden zwischen den beiden Kästen eine Häuserschlucht sein, die Sprossenwand eine Mauer, die sich mit der richtigen Sprungtechnik – scheinbar zumindest – spielend leicht überwinden lässt. Parkour hat seinen Weg längst aus den Pariser Vorstädten in die Popkultur und die ganze Welt gefunden. Auch in die Brüder-Grimm-Halle in Lämmerspiel. Dort empfängt die Lehrerin Justine Schmieder wöchentlich ihre Schützlinge. Die sind alle um die 14 Jahre alt, und, das ist das Besondere, weiblich.

Schon wer sich auf YouTube einen Eindruck von der turnerischen Fortbewegungsmethode macht, könnte durchaus zu dem Schluss kommen, dass es sich noch um eine Jungsdomäne handelt. Die Studentin der Sportwissenschaften machte vor einigen Jahren diese Erfahrung in einer Gruppe der TSV Lämmerspiel selbst. Dabei geblieben ist sie trotzdem. Und weil sie dachte, eine Gruppe nur für Mädchen könnte eventuell Ängste mindern, sich zu blamieren und mehr Teilnehmerinnen anlocken, zeigt sie denen seit Ende vergangenen Jahres, worauf es beim Balancieren, Springen und Klettern ankommt. Für das Angebot kooperieren die TSV und die TG Lämmerspiel.

Zu Beginn darf aufgebaut werden, was der Geräteraum hergibt. Barren, Reck, verschiedene Kästen, Schwebebalken, Niedrigsprung- und Weichbodenmatten sind in der ganzen Halle verteilt. Schmieder justiert ein wenig nach – „hier auf jeden Fall absichern, den Kasten könnte ihr runterstellen, der Mattenwagen muss noch weg“ – dann geht‘s ans Aufwärmen. Mal im Krebsgang, mal so, als ob sie etwas aufheben würden, bewegen sich die Teilnehmerinnen von der einen Seite der Halle zur anderen. Schmieder fordert sie dann auf, das auch zu bewerkstelligen, indem sie nur von Linie zu Linie springen. „Seid kreativ, ihr könnt auch nach links und rechts hüpfen, Attacke.“ Attacke, verraten später einige ihrer Schülerinnen grinsend, gehört zu Schmieders Lieblingsworten.

Darum, dass es besonders gut aussieht, erläutert die Lehrerin, gehe es eigentlich bei Parkour gar nicht, viel mehr darum, von A nach B zu kommen und dafür die passenden Wege zu finden. Wer sich bei einer Übung nicht richtig traut, bekommt Hilfestellung. „Es sollen keine Angstsituationen entstehen, die Mädchen können ihre Grenzen herausfinden und mit dem Trainer überwinden.“ Manche Bewegungen müsse man sich noch einmal neu aneignen, sich erinnern, wie es als Kind auf den Spielplatz-Klettergerüsten war.

Währendessen zeigt der Nachwuchs, was er alles gelernt hat: einen Sprung über die Barrenstange samt gelenkschonender Landung oder eine Rolle darunter hindurch etwa, auf dem Schwebebalken wiederum wagt sich manch eine an ein Rad. Wie für andere Übrungen auch, gibt’s dafür Beifall vom Rest.

Schmieder ist längst richtig drin in der Parkour-Szene, wenn das Wetter es zulässt, zieht sie in Frankfurt mit einer Gruppe los, macht Side- und Frontflips, seitliche Rollen und Vorwärtsüberschläge also, Einzig bei den Rückwärtssalti habe sich noch Probleme. Eigentlich, sagt sie, muss man beim Parkour ja auch einfach raus. Eine Absprache mit den Eltern vorausgesetzt, strebt sie das auch mit ihrer Lämmerspieler Gruppe an.

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Sophie, die in ihrer Klasse an der Offenbacher Marienschule schon erfolgreich die Werbetrommel für das Angebot gerührt hat, gefällt neben dem Klettern und Springen auch der Zusammenhalt. „Es macht einfach Spaß, wir helfen uns gegenseitig.“

In der Lämmerspieler Halle bittet Schmieder zum Abschlussspiel. Es gilt, jedes aufgestellte Hindernis zu überwinden. Ein Mädchen setzt beim Sprung über einen Kasten wohl etwas zu tief an, stürzt und schlittert einige Meter. Gleich ist aber auch die Lehrerin zur Stelle. „Setz dich doch erst einmal.“ Schon ist das Mädchen aber wieder auf den Beinen: „Nee, ich mach jetzt weiter.“

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