„Partner mit offenen Ohren“

Pandemie macht der DLRG-Ortsgruppe Mühlheim finanziell zu schaffen

Lebensretter auf dem Main: DLRGler zeigen Bundestagsmitglied Björn Simon einige ihrer Einsatzmöglichkeiten.
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Lebensretter auf dem Main: DLRGler zeigen Bundestagsmitglied Björn Simon einige ihrer Einsatzmöglichkeiten.

Vereine mit großem Umsatz leiden in besonderer Weise unter der Corona-Pandemie. Die seit 1962 bestehende Ortsgruppe Mühlheim der DLRG zählt dazu. Es geht um eine fünfstellige Summe jährlich – zumindest, wenn neue Fahrzeuge auf dem Plan stehen. Laut Vorsitzendem Thomas Schmitt fehlen den Mühlheimer Lebensrettern vor allem die Einnahmen aus Kerb, Ruder-Regatten, Drachenbootrennen, Wakeboard-Event und Museumsuferfest.

Mühlheim – Die Einsatzabteilung verfügt über ein klassisches Rettungsboot, die „Stadt Mühlheim 2“ und ein Mehrzweckboot, „Irmgard“, benannt nach der verstorbenen, langjährigen Stadtverordneten-Vorsteherin und Mäzenin Irmgard Sondergeld. Die DLRG nennt ferner ein Allrad-Zugfahrzeug mit Equipment, einen Gerätewagen Wasserrettung und einen Mannschaftstransporter ihr Eigen. 2022 müssen sie das Logistik-Fahrzeug ersetzen. Da wird deutlich, dass dieser Verein mit mehr als 400 Mitgliedern nicht allein von den Beiträgen leben kann.

Zum Inventar gehört auch eine kabelgebundene Unterwasserdrohne, die ein Live-Videobild auf einen Tabletrechner liefert. So lassen sich Schäden an der Schleusenkammer begutachten, Arbeiten dokumentieren, Personen und Gegenstände über dreidimensionale Abbildungen suchen. Die in „Irmgard“ eingebaute Wärmebildkamera vermag per Nachtsicht-Analyse über 500 Meter Entfernung Körper zu orten, „selbst in finsterer Nacht“, erläutert Schmitt.

Bei rund 15 Alarmierungen im Jahr begleiten die so ausgerüsteten Helfer die Feuerwehr, bei Großbränden bauen sie Zelte auf, um Menschen zu betreuen. Auch die DLRGler verfügen über eine Schutzausrüstung nach dem Rettungsdienstgesetz, die Werte von der Leuchtkraft der Weste bis hin zur Qualität von Handschuhen, Helm, Hose und Stiefeln regelt. 1300 Euro kostet allein ein Kälteschutzanzug, 600 Euro ein digitaler Funkmelder, gibt Schmitt Beispiele.

Zum Glück können sie auf die Unterstützung der Stadt bauen, die Sachbearbeiter seien „immer Partner mit offenen Ohren“, dankt der Vorsitzende. Auf die Erlöse ihrer Dienste aber müssen sie 2020 verzichten. „Beim dreitägigen Museumsuferfest sind wir sonst mit vier Aktiven fast rund um die Uhr im Einsatz, regeln alles vom Nasenbluten bis zu den Folgen von Schlägereien – selbst eine Geburt und eine Reanimation waren schon dabei“, erinnert sich der Sprecher.

Allein das Training im Hallenbad läuft wieder. Drei Bundesfreiwilligen-Dienstler, Sanitäter und Jugendbetreuer unterstützen das Schulschwimmen von sieben Einrichtungen. Während der Schließung fehlte auch das Geld vom Schulamt. Montags und donnerstags unterrichten sie Kinder, die wenigstens das Seepferdchen-Abzeichen haben, und künftige Rettungsschwimmer. Sie müssen sich jetzt übers Internet für die reduzierten Plätze auf den Bahnen im Becken anmelden. Maximal 16 Personen, acht pro Doppelbahn, können durch die Fluten pflügen. Die logistische Herausforderung nahm Michael Schütz an, der für den DLRG-Bundesverband eine Web-Plattform entwickelt hat.

Martin Deiß bildet 200 bis 250 angehende Polizeibeamte aus. „Das ist seit zwölf Jahren eine starke Kooperation, wir bekommen pro Nase zehn Euro“, informiert der Hygienebeauftragte. Doch das Geld von Sponsoren fließe nicht so gut, wenn es der Wirtschaft schlecht gehe. Deiß qualifiziert auch Kameraden von den Feuerwehren sowie Lehrer. Und er übernimmt mit anderen Wachdienste im Freibad. Doch dort brauchten sie die Dienste der DLRG in dieser Saison nicht.

Infos im Internet: muehlheim.dlrg.de

(Von Michael Prochnow)

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