Per Rampe ins Wasser

Warum Fischer kiloweise Jungbarsche in den Main bei Mühlheim entlassen

Neue Flussbewohner: Mitglieder der Steinheimer Fischerzunft setzen in den Main bei Mühlheim neun Zentner Flussbarsche ein.
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Neue Flussbewohner: Mitglieder der Steinheimer Fischerzunft setzen in den Main bei Mühlheim neun Zentner Flussbarsche ein.

Wenn Fischer Barsche in den Fluss entlassen, statt sie zu fangen, dann klingt das erstmal widersprüchlich. Allerdings hat die Aktion einen wichtigen Hintergrund.

Mühlheim / Steinheim – Es war für den Zuschauer kein alltägliches Bild, das sich da am Mühlheimer Mainufer geboten hat. Denn, statt sie wie sonst im Beruf als Fischer üblich, aus dem Wasser zu ziehen, haben Mitglieder der Steinheimer Fischerzunft rund 450 Kilogramm Flussbarsche in den Main entlassen. Der Plan: Die Jungfische sollen auf dem Stück zwischen der Dietesheimer Schleuse und der Anlegestelle der Rumpenheimer Fähre ihr neues Zuhause finden und invasive Arten vertreiben, erläutert der Rumpenheimer Fischermeister Manfred Kaiser, langjähriges Mitglied in der 1425 gegründeten Steinheimer Fischerzunft.

Fische im Wert von 9000 Euro in die Freiheit im Main bei Mühlheim entlassen

Der Wert des aktuell nur zehn bis 25 Zentimeter messenden Raubfischnachwuchses, den der Fischerzunftmeister Hermann Adam gemeinsam mit seinem Zunftkollegen Kaiser und seinem Enkel Jonas Bruder besetzte, liegt bei rund 9 000 Euro. Sechs Zentner der kleinen Flussbarsche wurden direkt an der Rampe in Höhe der ehemaligen Mainfähre zwischen Mühlheimer und Dörnigheimer Ufer mittels Fischrutsche, einem vom Fischtransporter in den Fluss hineinragenden Schlauch, ins Wasser gelassen. Die wertvolle und quicklebendige Fracht wurde mit dem Wasser aus den Behältern des Fischtransports der Gersfelder „Rhönforelle“ in die Mainfluten entlassen.

Olaf Adam, Vorstandsmitglied der Steinheimer Zunft, empfing den von flussaufwärts mit einem Fischer-Nachen angereisten Zunftmeister Hermann Adam, der zuvor die Bootsschleuse passiert hatte. Drei weitere Zentner der grün-schwarzen Raubfische mit rötlichen Flossen wurden von Transportfahrer Georg Schmidt mit einem Kescher aus einem der drei Behälter gefangen. Jonas Bruder, im ersten Lehrjahr der traditionsreichen Fischerzunft, und Manfred Kaiser füllten die glitschige Fracht in einen auf dem Fischer-Nachen mit Mainwasser gefüllten Bottich um. Die nur wenige Gramm schweren Fische wurden vom 20-jährigen Fischerlehrling Jonas Bruder vom Boot aus flussabwärts alle 20 Meter mit dem Handkescher in die Freiheit entlassen.

Barsche waren nicht die erste Wahl, um die invasiven Fische im Main bei Offenbach zu bekämpfen

„Zander wären noch besser geeignet, die aus der Donau eingeschleppten Grundelarten zu bekämpfen“, sagt Kaiser. Doch nun seien Zander – obwohl seit Anfang des 20. Jahrhunderts im Main Zuhause – laut Neuerung des Hessischen Fischereigesetzes – plötzlich eine artfremde Fischart. „Wir dürfen keine Zander mehr in den Main besetzen, obwohl sie besser helfen, die invasive Fischart, die in den 1990er Jahren über den Main-Donau-Kanal in den Main kam, zu bekämpfen“, bedauert Kaiser. „Im Frühherbst hat die Fischerzunft Steinheim bereits acht Zentner Farmaale im Wert von zehntausend Euro auf der Flusstrecke zwischen Mühlheim und Offenbach besetzt“, erinnert Zunftmeister Adam, der den Fischer-Nachen steuerte. (Von Holger Hackendahl)

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