Ende eines Kirchenkrimis

Pfarrer für Mühlheimer und Dietesheimer Gemeinde

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Martina und Ralf Grombacher übernehmen als Pfarrer die Dietesheimer Gemeindehälfte.

Mühlheim - Martina und Ralf Grombacher, seit 19 Jahren für den Mühlheimer Teil der Friedensgemeinde zuständig, werden auch Pfarrer der Dietesheimer Gemeindehälfte. Von Marcus Reinsch

Der aus Vertretern beider formal zwar schon lange zusammengehörenden, in der Praxis bisher aber fast ohne Berührungspunkte nebeneinanderher lebenden Glieder zusammengesetzte Kirchenvorstand wählte das Pfarrer-Ehepaar Dienstagabend zu Nachfolgern von Pfarrer Hans Rumpeltes. Ihn hatte Dietesheim Ende April nach mehr als 30 Jahren schweren Herzens in den Ruhestand verabschiedet.

Die Entscheidung für die Grombachers fiel mit einer „sehr ordentlichen Mehrheit“, wie Vorsitzender Joachim Kanthak gestern sagt. Allerdings weder einstimmig noch in Sollstärke: Zwei „langjährige und sehr engagierte Kirchenvorsteherinnen“ seien vor der Wahl zurückgetreten, weil sie „so einen Wechsel nicht mitvollziehen wollten“. Kanthak zollte den Damen Respekt für ihre Entscheidung und die Fairness, sie noch vor dem Votum bekannt zu machen. Ihre Ämter will der auch als Dutzend beschlussfähige Kirchenvorstand in den nächsten Monaten aus dem Kreis der Nachrücker wiederbesetzen.

Gombacher-Wahl beendet Personalkrimi

Mit der Grombacher-Wahl geht ein Personalkrimi zu Ende, der vor allem in den vergangenen Wochen für viel Aufregung unter Dietesheims evangelischen Christen und für großes Interesse auch bei anderen gesorgt hatte. Wie schon in Mühlheim will sich das Ehepaar die Dietesheimer Stelle teilen. Beide werden also für beide Gemeindeteile zuständig sein.

Welche Schwerpunkte sie nach ihrer für August angepeilten offiziellen Ernennung setzen wollen, hatten sie erst dem Kirchenvorstand erklärt und vor zweieinhalb Wochen auch bei einer Gemeindeversammlung nach dem Bewerbungs-Gottesdienst in der Dietsheimer Gustav-Adolf-Kirche. Zu „heftigen Diskussionen“ (Kanthak) führte im Nachhinein die Aussage Ralf Grombachers am Rande der Versammlung, bei einem Scheitern der Bewerbung Mühlheim vielleicht ganz verlassen zu müssen. Das wurde teils als eine Art Erpressungsversuch aufgefasst und teils als nüchterner Verweis darauf, dass auch ein Pfarrerehepaar an seine finanzielle Absicherung im Alter denken muss. „Fast 20 Jahre lang“, sagt Ralf Grombacher gestern, „haben wir sozusagen Teilzeit gearbeitet. Jetzt wollen wir auch mal Vollzeit arbeiten. Daran finden wir nichts ehrenrührig“

Hoffnung, dass sich die Wogen glätten

So oder so: Freitag vergangener Woche verordnete sich der Kirchenvorstand eine außerordentliche Sitzung, „in der wir noch mal alle Optionen abgewogen haben“, sagt Kanthak. Bei dem Treffen habe es keine Probewahl gegeben, aber „in aller Ausführlichkeit eine Diskussion, was die Wahl oder Nicht-Wahl der Grombachers für die Gemeinde heißen würde“. Ein entscheidender Aspekt. Wie berichtet, verfügt auch die evangelische Landeskirche nicht gerade im Überfluss über Geistliche, die ein neues Wirkungsgebiet suchen. Hätte der Kirchenvorstand die Grombachers abblitzen lassen, wäre die Folge möglicherweise also eine langwierige Vakanz auf der Dietesheimer Stelle gewesen. Und auf der Mühlheimer dann vielleicht auch.

Welche Schlüsse die Mehrheit der Weichensteller aus diesen Alternativen gezogen hat, spiegelt sich im von Dekan Carsten Tag geleiteten Votum wieder. Nun herrscht Hoffnung, dass sich die Wogen in der 3.200 Mitglieder großen Gesamtgemeinde glätten. Der Kirchenvorstand gratulierte nach der Wahl und vor Beginn seiner regulären Sitzung aufrichtig - beiden Grombachers zum Zusatzposten und nur ihm noch zu seinem 50. Geburtstag am Freitag vergangener Woche.

Grombacher froh über „relativ sachliche Diskussion“

Ralf Grombacher schob gestern quasi Telefondienst im Mühlheimer Pfarrhaus. Die Zahl der Menschen, die etwas über den Ausgang der Wahl wissen wollen, sei bemerkenswert, sagt er. Er sei froh über die letztlich doch „relativ sachliche Diskussion“. Und natürlich sei es nie seine Absicht gewesen, jemanden zu erpressen. Wichtig sei jetzt, dass beide Gemeindeteile näher zusammenrücken. Die Friedensgemeinde sei wie zwei Flügel eines Schlosses, die ein gemeinsames Dach, aber nicht das verbindende Mittelteil haben. Aufgabe sei also, das Verbindende zu suchen und dabei „die charakteristischen Gemeindeteile so weit wie möglich zu erhalten“.

Formal wird das in eine sogenannte Pfarrdienstordnung münden. Die wird immer dann neu aufgelegt, wenn mehrere Pfarrer eine Gemeinde versorgen, damit alle Gemeindeteile berücksichtigt sind. Drum kümmern werde sich der Kirchenvorstand gemeinsam mit den beiden Grombachers und bei Bedarf auch Dekan Tag, sagt Kanthak. Und zugegebenermaßen müsse „sich jetzt auch die Gemeinde etwas befrieden und die Chance sehen, die dem Ganzen innewohnt.“ Auch, wenn das natürlich etwas dauern könne.

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