Schockstarre und Verständnis

Pfarrer Willi Gerd Kost verlässt Dietesheim und Lämmerspiel

Neue Aufgabe: Pfarrer Willi Gerd Kost zieht im Sommer ins Pfarrhaus von St. Wendelin in Hainstadt und übernimmt die Leitung der Pfarrei Mainbogen. archiv
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Neue Aufgabe: Pfarrer Willi Gerd Kost zieht im Sommer ins Pfarrhaus von St. Wendelin in Hainstadt und übernimmt die Leitung der Pfarrei Mainbogen. archiv

Schockstarre, dann Trauer, aber auch Verständnis. Diese Reaktionen beobachtete Dekan Willi Gerd Kost bei vielen Kirchgängern. In den Gottesdiensten zum Jahreswechsel verkündete der Pfarrer für Dietesheim und Lämmerspiel ihnen eine weitere Konsequenz aus dem Pastoralen Weg: Er werde die Mühlenstadt im Sommer verlassen, um künftig die drittgrößte Pfarrei des neu geordneten Bistums Mainz zu leiten: Mainbogen. Die Einheit reiche von den benachbarten Hanauer Stadtteilen Steinheim und Klein-Auheim über Hainburg und Seligenstadt bis Mainhausen. Kost werde ins Pfarrhaus von St. Wendelin in Hainstadt einziehen.

Mühlheim - Alle bisherigen Gemeinden in Mühlheim und Obertshausen bilden vom 31. Juli an den „Pastoralen Raum“ Rodgau Nord, den der Hausener Seelsorger Christoph Schneider leiten werde. Insgesamt werden in der Diözese 46 solcher Zusammenschlüsse eingerichtet, informierte Kost. Bis 2030 sollen sie als Pfarreien geführt werden. „In den Sommerferien werden 40 Geistliche im Bistum ihre Posten wechseln“, unterrichtete er weiter. Für St. Sebastian und St. Lucia rechnet er damit, dass die Stelle eines Vikars ausgeschrieben wird. Noch vor einem Jahr, als Willi Gerd Kost sein 30. Priesterjubiläum feierte, erklärte er zu einem Wechsel befragt, „das römische Recht ist auf Seiten des Pfarrers. Hat er sich nichts zu Schulden kommen lassen, kann er nicht ohne seinen Willen versetzt werden“.

Der 57-Jährige verteidigte dabei seine Entscheidung für den Dienst an Main und Rodau. „Was für tolle Leute wären mir sonst durch die Lappen gegangen“, schwärmte er für seine Schäfchen. In Dietesheim und Lämmerspiel gebe es „wirklich viele Leute, die sich engagieren“, lobte der Seelsorger im vergangenen Sommer. Er wünschte sich lediglich einen stärkeren Besuch der Messfeiern.

Durch die Neuordnung der Dekanate habe Bischof Peter Kohlgraf nach Führungspersonal gesucht. Nach mehreren Angeboten habe er sich für die Aufgabe ganz in der Nähe entschieden, erläutert der Pfarrer. „Was mich freut und ehrt ist die Tatsache, dass unser Bischof mir die Leitung eines größeren Pastoralraums zutraut und mir übertragen will“, sagte er in den Gotteshäusern. Noch vor dem Jahreswechsel setzte er Räte und Mitarbeiter in Kenntnis, am 10. Januar werden die Änderungen vom Bischöflichen Ordinariat offiziell bekannt gegeben.

Willi Gerd Kost wurde am 15. Juni 1991 von Kardinal Karl Lehmann im Mainzer Dom zum Priester geweiht. Der Budenheimer wurde als Kaplan nach Fürth im Odenwald und nach Gießen entsandt. Danach verbrachte er ein Jahr in einer Gemeinde in Alma im US-Staat Michigan. 1997 übernahm er seine erste Pfarrerstelle in Heidesheim und Wackernheim in Rheinhessen, nach zehn Jahren wechselte er nach Mühlheim.

Sein „Adsum“, „ich bin bereit“, habe er nie bereut, „ich war und bin gerne Priester.“ Den neuen Auftrag sehe er als Chance. Bis dahin möchte er auf jeden Fall „einen geordneten und menschlich verträglichen Übergang“ schaffen. Sein Kollege in der neuen Nachbarschaft und guter Freund, Pfarrer Thomas Weis in Klein-Krotzenburg, hielt bei Kosts 25. Amtsjubiläum 2016 die Laudatio: „Eigentlich sollten wir alle viel mehr zeigen, wie froh und dankbar wir sind, Menschen zu haben, die am Weg stehen und uns auffangen, wenn uns buchstäblich die Puste wegbleibt. Und so einer bist du!“.

Den Glauben weitertragen, das beherrsche Willi Gerd Kost „aus tiefster Seele“. Weis wies auch auf das Engagement des Dekans in der Schönstatt-Bewegung hin, bewunderte, wie er „einfach in die Ziehharmonikatasten greift und für gute Stimmung sorgt“. (Von Michael Prochnow)

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