Lämmerspieler Carneval-Verein sagt Fastnachts-Auftakt ab

Planung ohne Sicherheit

In eigenen Feldern, die auf dem Boden der LCV-Halle markiert sind, haben in den vergangenen Wochen die Mädchen der Lämmerspieler Karnevalisten mit viel Abstand trainiert.
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In eigenen Feldern, die auf dem Boden der LCV-Halle markiert sind, haben in den vergangenen Wochen die Mädchen der Lämmerspieler Karnevalisten mit viel Abstand trainiert.

Mühlheim – Eigentlich sind die Fastnachter des Lämmerspieler Carneval-Vereins (LCV) sehr flexibel. Doch nach den jüngsten Entwicklungen dürfte es mit einem Auftakt zur Fünften Jahreszeit am 11. November nichts werden – trotz eines funktionierenden Hygienekonzepts.

„Wir haben viel Austausch, fragen, was macht ihr“, hatte LCV-Vorsitzende Sandra Frey die Aktivitäten dieser Wochen gerade erst erläutert. Was auch immer möglich sein werde, „wir wollten unseren Teil für ein bisschen Fastnachtsstimmung beitragen“, bekräftigte sie. Natürlich sei „eine Kampagne in herkömmlicher Art mit 300 schunkelnden Gästen und Sektbar“ ohnehin nicht möglich. Aber die Lämmerspieler wollten „mit Ideen Lebenszeichen geben“, formulierte sie.

Der Vorstand dachte dabei an „närrische Kleinkunst mit weniger Besuchern in den eigenen Räumlichkeiten“ und natürlich unter den üblichen Regeln. So hätte es ein 90-minütiges Programm geben können, nur mit Tanz, mit Gesang oder für Kinder. Die Garden übten bereits neue Choreografien ohne Kontakte ein oder überarbeiteten Teile aus ihrem Repertoire. Dabei tanzten sie auf Melodien unterschiedlicher Musikrichtungen, um verschiedenen Themen und Generationen zu entsprechen.

Auch die Gesangsgruppen haben sich getroffen und geplant, aber noch nicht gesungen. Muntermacher und Showtime werden Feten mit Hits bereichern, die sie „drauf“ haben. Und Männer- und Damenballett Ladykracher trainierten bereits, „machten mal was anderes“, berichtet die Leiterin. So versuchten sie sich in diesen Tagen auch mal im Dartspiel: „Wichtig ist, sich zu sehen.“

An Vorträgen für unterschiedliche Anlässe und Altersgruppen feilten die Büttenredner. „Dann können wir Veranstaltungen je nach Möglichkeit zügig umsetzen“, sagte Frey. Und die Mädchen trainierten in eigenen Feldern, die auf dem Boden der LCV-Halle markiert sind. „Wir sind froh über unsere eigenen Räume, die uns bislang viele Aktivitäten erlaubt haben“, doch die Vorsitzende gab auch zu bedenken, „die Kosten laufen weiter“, auch wenn keine Einnahmen von Feiern zu verbuchen sind. „Wir haben einfach keine Planungssicherheit.“

Die für den 11. November geplante interne Feier mit einem „kleinen, feinen Programm“ ist mittlerweile abgesagt. Und es wird auch kein neues Prinzenpaar geben. Steffi und Christian bleiben im Amt und seien „für eine wirre und komische Kampagne zu allen Schandtaten bereit“. Man müsse abwarten, ob etwa Bräuche wie die Prinzenpaar-Abholung im Freien oder vielleicht Frühschoppen in kleinen Abteilungen hinterm Heim dann laufen könnten, um die Geselligkeit zu pflegen.

Im September verwirklichte der LCV einen Workshop mit zwei Dutzend interessierten Mitgliedern, nutzte die Begegnung, um über Veranstaltungen unter neuen Bedingungen zu sprechen. „Dabei wurden tolle Ideen geäußert, wie traditionelle Feste anders aussehen können“, schwärmt Sandra Frey.

Das „Oktoberfest to go“ mit Menüs zum Mitnehmen sei sehr gut angekommen, „das Essen war wie gewohnt super, organisatorisch hat es toll geklappt“. Zum Schluss wurde gar manche Spezialität knapp. „Das Vereinsleben geht weiter“, ist sich Sandra Frey sicher. Der Carneval-Verein zählt 380 Mitglieder, die Hälfte ist aktiv in fünf Gardeformationen, drei weiteren Tanz- und zwei Gesangsgruppen, in der Bütt und in der Technik. „Vielleicht verlieren wir einzelne Mitglieder, weil sich ihre Interessen verlagert haben“, meint sie. Bisher seien alle bei der Stange geblieben: „Als Verein sind wir eine wichtige soziale Tankstelle.“

Von Michael Prochnow

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