Klarschiff in der Männer-WG

Pfarrgemeinde St. Markus entstaubt sich dank helfender Hände

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Um den Heiligen Michael vom Staub zu befreien, greift Daniel Kleiner zum Sauger.

Mühlheim - Eine gewisse Verstaubtheit gehört einfach zum Ruf einer Pfarrgemeinde. Um inhaltlichen Gegenwind zum Klischee kümmern sich die Katholiken von St. Markus bei anderen Gelegenheiten. Jetzt ging’s erstmal ums Putzen im Wortsinn. Von Stefan Mangold 

Der Putztag der Altstadt-Pfarrgemeinde St. Markus heißt mittlerweile Aktionstag. Klingt einfach besser. Und schließlich werde ja auch nicht nur gefeudelt und gewienert, sondern auch geräumt, erklärt die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Claudia Oberbeck. Stimmt. In der Kirche bringt gerade Michael Ruhr die Heiligen Michael und Antonius von Süden nach Norden „in die Männer-WG“. So nennt Pfarrer Johannes Schmitt-Helfferich den Platz links vom Altar, wo drei geschnitzte Heilige stehen. An den vorherigen Standort gegenüber tragen Ruhr und Klaus Belz den hölzernen Jesus zurück in sein Heiliges Grab. Siebzig Leute hatten vorher zugesagt, für dreieinhalb Stunden in der Kirche selbst, im Gemeindehaus und auf dem Grundstück klarschiff zu machen. Zu Ostern sollen Immobilien und Botschaften glänzen.

Der Pfarrer sieht das im Kontext zur Predigt, die er zuvor gehalten hat. Schmitt-Helfferich sprach da vom einfachen Esel, auf dem Jesus im Neuen Testament in Jerusalem einreitet. Mit dem Tier ließ sich damals ebenso wenig protzen wie heutzutage mit einem gebrauchten Kleinwagen. Ein Esel taugt nicht als Statussymbol.In diesem Geist der Bescheidenheit betrachtet Schmitt-Helfferich den Aktionstag. „Eine Firma wollten wir nicht beauftragen“. Es beteiligen sich auch Mühlheimer, die mit der Gemeinde ansonsten nicht verbunden sind. Draußen hacken Helga Arzberger und ihr Mann Uli. Die beiden sind in der Flüchtlingshilfe aktiv. Und weil St. Markus dafür Räume zur Verfügung stellt, helfen die Arzbergers.

Auch Abdulkdet Ammaneh (26) schwingt einen Besen. Der Syrer spricht nach acht Monaten im Land schon überraschend gut deutsch. In seiner zerstörten Heimat Aleppo arbeitete er als Arabisch-Lehrer. Vor drei Jahren floh der Mann nach Beirut. Seit sechs Monaten lebt er in Mühlheim. Derweil putzen Isalla Gracia und Maria Valente zusammen mit anderen Frauen den Kirchenboden. Die beiden gehören zu einem Trupp von Frauen der italienischen Gemeinde, die Hand anlegen. Die Italienerinnen feiern sonntagmittags in St. Markus ihren muttersprachlichen Gottesdienst. Sicherlich auch im Beisein ihrer Männer. Die sind heute aber augenscheinlich anderweitig beschäftigt.

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Präsenz zeigt hingegen Helmut Lülsdorf, der Schwindelfreie, der immer auf die hohe Klappleiter steigt, wenn eine Birne nicht mehr leuchtet. Heute wischt Lülsdorf mit einer langen Stange die hohen Kirchenfenster. Daniel Kleiner greift hingegen zum Sauger, um die Mitglieder der Männer-WG vom Staub zu befreien. Beim Militär kapiert der Rekrut eine Regel ziemlich schnell: Der Vorgesetzte darf dich nie beim Nichtstun erwischen. Ehe du dich versiehst, hast du einen Job. Der Fehler unterläuft Jens Oberbeck. Als ihn Mutter Claudia beim Müßiggang und im Gespräch mit André Hoppe sichtet, artikuliert sie: „Wenn ihr Kapazitäten frei habt, dann helft draußen der Birgit.“ Gemeint ist die Gemeindereferentin Birgit Wenzel. Mit der Frage, ob er und Kollegen den großen Saal wischen sollen, rennt der 17-jährige Philip Gundlach bei Claudia Oberbeck offene Kirchentore ein. Am Ende, typisch katholisch, gibt’s für alle Helfer tüchtig was auf den Teller. Wer richtig arbeitet, soll auch richtig essen.

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