Herzensangelegenheit

Reha- und Coronar-Sportgemeinschaft spielt Fußballtennis

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„Bei welcher anderen Gelegenheit kann man mit seinem 79-jährigen Vater sportlich Fußball spielen?“ - Fußballltennis in der FEG-Halle.

Mühlheim - Fußball, weil Füße gegen Bälle treten? Tennis, weil das Netz in der Mitte gespannt ist? Volleyball, weil höchstens drei Bodenberührungen am Stück erlaubt sind? Tischtennis, weil bis 21 gezählt wird? Wer sportlich in festen Kategorien denkt, wird verwundert die Augen reiben.

Alle anderen haben Spaß, wenn die Reha- und Coronar-Sportgemeinschaft dem Fußballtennis frönt. Der Sport gebiert Disziplinen, die jene erstmal ratlos dastehen lassen, die nur die Klassiker kennen. Aber Werner Petrat kann helfen. „Für unseren Sport stellen die blauen Linien die Begrenzungen dar“, erklärt er geduldig und zeigt auf den mit bunten Linien übersäten Hallenboden der Turnhalle des Friedrich-Ebert-Gymnasiums an der Seewiese. Mit 79 Jahren ist Petrat der zweitälteste Akteur einer Sportgruppe, die sich hier an jedem Freitag für zwei Stunden trifft. Die Herren von der Mühlheimer Reha- und Coronar-Sportgemeinschaft spielen Fußballtennis.

Nie gehört? Schnell erklärt: Auf einem Feld in der Größe von 20 mal acht Metern spielen zwei Mannschaften mit jeweils vier Spielern gegeneinander. Der Aufschlag erfolgt hinter der Grundlinie und innerhalb der verlängerten Seitenlinien. Er ist eher ein Antritt, denn er wird mit dem Fuß ausgeführt. Und zwar immer von der Mannschaft, die den letzten Punkt geholt hat. Höchstens drei mal darf der Ball in einer Spielhälfte aufkommen, ehe er über das ein Meter hohe Netz zurück gespielt werden muss, um wieder innerhalb der blauen Linien des Feldes zu landen.

Mit Ausnahme der Hände und Arme darf der Ball während des Spiels mit allen Körperteilen berührt werden. Das Spiel ähnelt damit in den Regeln sehr stark dem Volleyball, wobei die Mühlheimer Sportler in Analogie zum Tischtennis bis 21 Punkte zählen.

Der Jüngste ist 39, der älteste 81 Jahre alt

„Seit 30 Jahren sind wir der Reha- und Coronar-Sportgemeinschaft (Reco) angeschlossen“, sagt Helmut Lülsdorf, der Vorsitzende der Abteilung. „Und bereits seit 1963 hat das Fußballtennis Anhänger in Mühlheim“, weiß Werner Petrat, der seit vielen Jahren ein glühender Fan und Aktiver dieser Randsportart ist.

Zwölf Jahre war er Vorsitzender der Abteilung, die damals noch unter dem Dach der Versehrtensportgruppe stand. Begonnen hatte er seine Fußballkarriere als junger Bub bei Kickers Victoria Mühlheim und spielte dort als Erwachsener bei der Reserve. Nebenbei trainierte er zehn Jahre lang Jugendmannschaften, ehe er das Fußballtennis für sich entdeckte. Die Begeisterung für die Anfang des letzten Jahrhunderts erstmals in der Tschechoslowakei gespielte Sportart übertrug sich auf seinen 39-jährigen Sohn Dominic. Der ist zugleich der Benjamin der Gruppe, die sich „zur geselligen Leibesübung“ trifft.

Viel Überzeugungsarbeit war gar nicht erforderlich, denn dieser Sport sei sehr abwechslungsreich zu spielen. Und schon deswegen interessant, weil er anders als der übliche Fußball sei, sagt Petrat junior. „Bei welcher anderen Gelegenheit kann man mit seinem 79-jährigen Vater sportlich Fußball spielen?“ Der Gruppenälteste ist jetzt 81.

Die ständige Bewegung beim Spiel, aber auch die Diskussionen über die mangels Schiedsrichter im Kollektiv getroffenen Entscheidungen, imponieren Helmut Lülsdorf besonders. Da Bewegung das wichtigste Element zur Verhinderung von Herz- und Kreislauferkrankungen ist, sei der Sport hervorragend zur Vorbeugung geeignet. Rund ein Drittel der Aktiven habe noch nie an einer ernsthaften Krankheit laboriert. Und so dürfe das gerne bleiben. Der Treff sei ja auch für nicht Versehrte offen.

Ein 20-minütiges Aufwärmtraining gehört zum Grundprogramm der Sportstunden der Abteilung. Die würde sich über Zuwachs freuen. - peba

Wer’s probieren will: einfach mal vorbeikommen - freitags, 17.30 bis 19.30 Uhr, Sporthalle des Friedrich-Ebert-Gymnasiums (Eingang Gerhart-Hauptmann-Straße).

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