Rekorde bei Menge und Qualität

+
Die Gäste der Weinverkostung ließen sich den neuen Jahrgang des „Best'er Stier vom Gailenberg“ schmecken.

Mühlheim - Es ist eine lichte Kuppe mit einer maximalen Höhe von 130 Metern über Normalnull, umgeben von Wald, geprägt durch ein Mosaik aus Streuobstwiesen, Sandmagerrasen, Gehölzgruppen, Wiesenbrachen und kleinen Ackerstücken: der Gailenberg. Von Joachim Instinsky

„Ein Lebensraum aus dem Feuer“, bezeichnet Dr. Hartmut Gries, Ehrenvorstandsmitglied des Mühlheimer Geschichtsvereins in einem seiner Bücher diese höchste Erhebung des Mühlheimer Stadtgebietes. Wer um den vulkanischen Ursprung des aus Basalt bestehenden Untergrundes des Gailenbergs weiß, wundert sich über diese Bezeichnung keineswegs, dass sich hier ein günstiges, im Sommer fast mediterranes Klima entwickelt hat. Einer der Gründe, warum sich im Spätmittelalter und bis zum Dreißigjährigen Krieg hier Weinberge der Bauern aus Dietesheim und Lämmerspiel befanden.

Hausherr Dieter Kaiser, (4. von links), konnte in diesem Jahr wahrlich ein Rekordergebnis verkünden. Gemeinsam mit ihm freuen sich (von links), Ehefrau Henriette Kaiser, Ingeborg Fischer, Neu-Isenburgs Bürgermeister Oliver Quilling, Karl-Heinz Stier, Erich Weikert, Kreisbeigeordneter Carsten Müller und der Mühlheimer Rathauschef Bernd Müller.

Diese günstigen Voraussetzungen wollten auch die Mitglieder der Interessengemeinschaft Lämmerspieler Weinbauern für ihre Idee nutzen, mit Weinanbau Lämmerspieler Kulturgut wieder zu beleben. Doch nachdem das Grundstück gefunden war - Reinhold Best, einer der Gründerväter stellte das Stück Land zur Verfügung - fragte man sich, welche Rebsorte angebaut werden sollte. Man tendierte zwar zum Riesling, doch Zweifel machten sich breit, zwei Bohrproben wurden entnommen, von zwei unabhängigen Weinanbauinstituten in Eltville und Östrich-Winkel untersucht, und die Empfehlung der Forschungsanstalt Geisenheim war eindeutig: Weißburgunder sollte es sein.

Man vertraute der Empfehlung, und die Entscheidung zugunsten dieser Rebsorte brauchten die Hobby-Winzer nicht zu bereuen. Immerhin zählt der Lämmerspieler Wein zu den Besonderheiten im deutschen Weinanbau - lediglich ein Prozent aller hierzulande angebauten Rebsorten sind Weißburgunder.

„Unser Weinberg ist letztlich ein Kleinod am Gailenberg und trägt dazu bei, dieses Gebiet aufzuwerten. Es ist sozusagen ein kleines Kulturdenkmal für die Stadt Mühlheim“, betont Karl-Heinz Stier, Sprecher der Interessengemeinschaft, und verweist gleichzeitig auf die ehrenamtliche Tätigkeit aller beteiligten „Winzer“.

Es begann vor nunmehr fünfzehn Jahren mit einer Idee von Reinhold Best, Bernd Schwerzel, Karl-Heinz Stier und Erich Weikert. Es war nicht immer einfach, immer mühselig und zwei große Rückschläge gab es zu verkraften.

„Die Arbeit hat sich jedoch gelohnt“, sagt Dieter Kaiser, bei dem alljährlich die inzwischen traditionelle Weinverkostung stattfindet: „Wir haben sehr viel gelernt, schneiden die Reben inzwischen nach einem neuen Verfahren und bauen den Wein jetzt auch selbst aus.“

Gedüngt wird seit zwei Jahren mit Taubenkot, Urgesteinsmehl (gemahlenem Basalt) zur Verbesserung der Mineralien im Boden und Holzasche, die den Kaligehalt fördert.

Die guten Ergebnisse scheinen der Methode „Taubenkot von Toni Roth“ den Lämmerspieler Weinbauern Recht zu geben. 250 Liter Wein, eine bislang nie erreichte Menge, hat die Ernte eingebracht und auch die Qualität ist mehr als zufrieden stellend: mit 79 Grad Oechsle, 11,5 Prozent Alkoholgehalt, einem Restzuckerwert von 1,8 und lediglich vier Prozent Säure habe man einen trockenen und sehr geschmackvollen Kabinettwein erzielt.

„Ein absoluter Rekord hinsichtlich Menge und Qualität“, konnte deshalb auch Dieter Kaiser am Samstag verkünden. Und wenn es um weitere Fragen zum „Best'er Stier vom Gailenberg“ geht, ein Anruf bei ihm genügt: 06108/66463.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare