Reste illegaler Grillfeste entsorgt

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Mitglieder des Tauchsportvereins und der DLRG holten Müll aus dem See.

Mühlheim - Die Aktion „Sauberhaftes Hessen“ sieht in der Mühlenstadt ein wenig ander aus als das Groß-Reinemachen in den Nachbarstädten. Von Michael Prochnow

Sie beschränkt sich auf das Naherholungsgebiet in den Steinbrüchen, wo Helfer der Feuerwehren Mühlheim und Dietesheim, der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und des Tauchsportclubs am Samstag unter anderem viel Müll aus dem Vogelsberger See holen.

Mit kleinen Barkassen und Schlauchbooten bringen die Retter freiwillige Helfer auf eine Insel, die gerne von ungebetenen Gästen aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet aufgesucht wird, wie Thomas Gärtner erklärt. Der Sachgebietsleiter Entsorgung und Reinigung im Rathaus berichtet von illegalen Grillpartys und Gelagen hinter Büschen und Bäumen, von Bergen von Flaschen und Verpackungen. Manchen Abfall können weder Freiwillige der rund 90 beteiligten Bürger noch Mitglieder der Hilfsorganisationen oder des Bauhofs entsorgen - „Berge von Bierflaschen“ lagern in einer nur schwer zugänglichen Bucht.

Motorradfahrer der Naturfreunde haben ein Kennzeichen gefunden

Die Frauen und Männer in Schwimmwesten oder Neoprenanzügen konzentrieren sich auf den Teil des Gewässers unterhalb der so genannten Canyon-Brücke: „Gauner klauen am S-Bahnhof ein Fahrrad, radeln damit ins Naherholungsgebiet und werfen es von der Brücke, um Spuren zu verwischen“, schildert ein Feuerwehrmann eine mögliche Szene. Die Taucher fördern neben verrosteten und verschlammten Stahlrössern sogar Teile eines Mopeds an die Wasseroberfläche. Die Bootsbesatzung hievt es mit Seilen in ihr Gefährt und bringt es zu einer Sammelstelle am Ufer.

Es scheint ein aussichtsloser Kampf zu sein, den die Helfer allein nicht gewinnen können. „Es muss mehr kontrolliert werden“, sagt der Brandschützer, der nicht genannt werden möchte. Die Kollegen bringen gerade zwei Kasten Bier und Grillkohle, die sie aus dem Unterholz der Insel gezogen haben, an Land. Zudem haben sie drei illegale Feuerstellen ausgemacht, erzählen sie.

Die Wehrleute fahren einen aus der Verankerung gerissenen Mülleimer, einen Papierkorb und das Gestell eines Liegestuhls zum Sammelpunkt. Dort haben sich mehrere Teilnehmer mit vollen, blauen Müllsäcken, Pickern und Handschuhen eingefunden. Auch ihre Beute besteht überwiegend aus Flaschen, die von verbotenen Feierlichkeiten zeugen, beweist ein Blick in die Plastikhüllen.

Gärtner zeigt Verständnis dafür, dass diesmal nur acht Vereine und 15 Privatpersonen erschienen sind. „Das schöne Wetter kann schuld sein“, mutmaßt der Organisator. In den vergangenen drei Jahren, in denen er die Aktion regelmäßig betreut hat, waren es bis zu 150 Leute. Die stärkste Gruppe stellt die Adventgemeinde mit 20 Christen, der Angelsportverein ist mit 15 Fischern dabei.

An seinem Vereinsheim ist Start- und Endpunkt der Veranstaltung. Zur Belohnung warten dort Erbsensuppe und Getränke.Zwischen zehn und zwölf Kubikmeter des „Wohlstandsmülls“, wie Gärtner formuliert, haben die eifrigen Mühlheimer zusammengetragen. In der Sommersaison seien städtische Mitarbeiter zweimal pro Woche im Gelände unterwegs und holten je 25 Tonnen Müll raus.

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