Ein Vierteljahr gespart

Mühlheim - Sind nach Paragraf 136 der Strafprozessordnung im Recht, kommen allerdings meistens nur im Fernsehkrimi und eher selten in der Justiz-Realität vor: Angeklagte, die tatsächlich von der Freiheit Gebrauch machen, bis zum Ende der Verhandlung keinerlei Angaben zu den Beschuldigungen machen zu müssen. VonSilke Gelhausen-Schüßler

Die Mühlheimerin Kristina N. kann sich nun zum Kreis dieser hartnäckig Schweigenden zählen. Als ruhmreich dürfte ihr das nicht ausgelegt werden. Vor einem Jahr ist sie vom Landgericht Darmstadt wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden.

Das Urteil wurde nicht rechtskräftig, da N. Revision einlegte. Vorgestern fand - vor einer anderen Darmstädter Strafkammer - die Verhandlung in zweiter Instanz statt. Für Richterin Barbara Bunk sprach die gesamte Beweislage aber nach wie vor gegen die 31-jährige.

Schmugglerin sollte nur 500 Euro bekommen

Demnach fuhr N. am 10. Mai 2010 mit einem Komplizen nach Holland, kaufte dort 345 Gramm Heroin erstklassiger Qualität und besorgte auch gleich Streckmittel. N. soll das Rauschgift in den gemieteten Volvo eingebaut und nach Hanau gebracht haben. Zu ihrem Pech geriet sie aber in eine Polizeikontrolle, die die Schmuggelware sicherstellte. Lohn der Arbeit sollten 500 Euro gewesen sein - nur ein kleiner Bruchteil dessen, was der Stoff auf dem Schwarzmarkt wert gewesen wäre.

Werten wollte N. die Fakten am Mittwoch nicht. Die gebürtige Lettin äußerte sich lediglich zu ihren Lebensumständen, nicht aber zu den Tatvorwürfen. Am Schuldspruch ändert sie dadurch nichts - zumal der Bundesgerichtshof den Spruch zwischenzeitlich ohnehin für rechtskräftig befunden hatte. Lediglich die Strafzumessung wurde aufgehoben - weil die damalige Kammer die „soziale Situation“ nicht ausreichend berücksichtigt hatte: Das BGH verwies auf den Umstand, dass N. alleinerziehende Mutter zweier Kinder sei.

Eine erneute Revision ist wahrscheinlich

Unter Einbeziehung dieser Tatsache und des Strafrahmens für Drogenschmuggel zwischen zwei und 15 Jahren sprach Bunk das nun etwas mildere Urteil: zweieinhalb Jahre Gefängnis. Zugute kommt N. dabei, dass sie weder als Initiatorin der Tat infrage kommt noch vorbestraft ist - und die Justiz seit der ersten Verhandlung ein Jahr für einen Folgetermin brauchte. Verteidiger Klaus Sturmfels fordert zwei Jahre auf Bewährung - mit einer erneuten Revision muss gerechnet werden.

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