Verschiedene Projekte

Rita Guggenberger kämpft gegen Probleme in Bangladesch

Rita Guggenberger erzählt, wie Bauern in Bangladesch das Kilo Ingwer für fünf Cent verkaufen, das in Deutschland für das 50-fache über die Ladenkasse geht. -  Foto: man
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Rita Guggenberger erzählt, wie Bauern in Bangladesch das Kilo Ingwer für fünf Cent verkaufen, das in Deutschland für das 50-fache über die Ladenkasse geht.

Mühlheim -  Rita Guggenberger setzt sich im Verein „Lichtbrücke“ mit den Problemen in Bangladesch auseinander, kämpft im überbevölkerten Land, das immer wieder von Umwelt- und Naturkatastrophen gebeutelt wird, auch gegen die Überbevölkerung. Von Stefan Mangold

Im Gemeindesaal von Sankt Sebastian hat sie ein neues Projekt vorgestellt. Es gibt Leute, die behaupten von sich, sie seien in der falschen Nation geboren. Lieber wären sie als Italiener, Inder oder Koreaner auf die Welt gekommen. Romantische Verklärung spielt dabei meist eine Rolle, man verwechselt Folklore mit Alltag. Es gibt jedoch Länder, in die wünscht sich partout keiner hin. Dazu gehört Bangladesch, der Staat, in dem sich die meisten Probleme verdichten, die ein Land nur drücken können: Überschwemmungen, Umweltkatastrophen und Überbevölkerung.

Die Mühlheimerin Rita Guggenberger engagiert sich im Verein Lichtbrücke aus Engelskirchen Nähe Köln gegen die Not in Bangladesch, wo sich 1111 Menschen auf einem Quadratkilometer drängen. In Deutschland sind es 262. Vor kurzem stellte Guggenberger im Gemeindesaal von Sankt Sebastian ein neues Projekt in der Region Bandarban vor, unweit der Grenze zu Myanmar gelegen. Die Diplom-Landwirtin erzählt von einem Abstecher mit ihrem Mann Leonhard und Sohn Matthias, den die Familie im Jahr 2012 in die bergige Region unternahm. Dort leben ethnische Minderheiten, die von der Mehrheit nicht als Bengalen anerkannt werden. Fällt ein schlanker Staat als Ordnungsmacht weitgehend aus, bedeutet das, „wenn die Bewohner einen Landstrich urbar gemacht haben, kommen andere und vertreiben sie“. Für die Menschen heißt das, in kargen, steinigen und schwer zugänglichen Gebieten Zuflucht finden zu müssen, dort, wo sonst niemand hin will.

Guggenberger erzählt von einem Erlebnis, das ihr im Gedächtnis hängen blieb. In einem Dorf sah sie Berge von frisch geerntetem Ingwer. Auf die Frage, was mit dem Ingwer passiere, erfuhren die Guggenbergers von den ärmlich wirkenden Bauern, ein Händler werde vorbei kommen, der die Ware für umgerechnet fünf Cent pro Kilogramm kaufe. Rita Guggenberger erklärte, in Deutschland koste der Ingwer wesentlich mehr. Heute sind es zwischen drei und sieben Euro. Die Bauern erzählten, in Orten wie Chittagong oder Dhaka könnten sie ihren Ingwer für den zehnfachen Preis verkaufen. Allerdings gäbe es keine Möglichkeit für sie, ihn dorthin zu transportieren.

Rita Guggenberger resümiert an dem Abend auch das nun abgeschlossene Lichtbrücke-Projekt „Hilfe für Matarbari“. Heute steht dort unter anderem eine voll funktionierende Gesundheitsstation. Impfprogramme erreichten in zehn Jahren 10.500 Kinder, schützen vor Tetanus und Polio, vor Tod und Behinderung. Fünf Gesundheitshelferinnen klärten Frauen etwa über Verhütungsmethoden auf. Guggenberger erzählt weiter, wie sie die ersten drei Jahre ins Leere zu reden schienen. Dann fruchtete die Kampagne, die etwa Plakate mit Familien zeigt, die einmal für zwei und einmal für sieben Kinder sorgen müssen. Die mit weniger Nachwuchs wirkt viel satter und entspannter: „Mittlerweile ist die Geburtenrate um 50 Prozent gesunken.“

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Seit sechs Jahren organisiert die bengalische Nicht-Regierungsorganisation „Tarango“ Hilfe für die Menschen von Bandarban. Mittlerweile produzieren 300 Bauern in 23 Dörfern und 18 Selbsthilfegruppen in einer Genossenschaft Gemüse, Gewürze und Obst. Seit damals sparen die Teilnehmer wöchentlich zwischen 10 und 20 Cent pro Kopf an. Das läpperte sich auf knapp 15.000 Euro. Damit ließen sich Lagerstellen und Transportfahrzeuge finanzieren.

Die Lichtbrücke will dabei helfen, das Projekt in den nächsten zwei Jahren auf 700 Bauern zu erweitern. Immer noch fehlen ein geländegängiger Wagen, Lager- und Kühlmöglichkeiten, Verkaufsräume oder der Zugang zu größeren Märkten, etwa ein Stellplatz in der zentralen Markthalle in der 2,6-Millionenstadt Chittagong. Guggenberger betont: „Die Armut lässt sich von hier beschreiben, begreifen aber nur vor Ort.“

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