Rosen, Stock und Samba

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Mit Rosen bedankte sich die Mühlheimer Frauenbeauftragte Doris Globig (rechts) in der Kulturhalle Schanz bei den Mitgliedern des Mühlheimer Frauenbündnisses.

Mühlheim ‐ „Alles, was Frauen machen, machense besser!“ Berta, Frieda und Martha waren sich einig, und die Gäste in der voll besetzten Kulturhalle Schanz mit ihnen. Von Michael Prochnow

Berta sagte nur „Fußball“, da sei die Frauen-Nationalmannschaft nämlich Weltmeister - im Unterschied zu den Männern, die das schon lange nicht mehr geschafft hätten. Bei der Bezahlung der erfolgreichen Kickerinnen sehe es allerdings wenig weltmeisterlich aus, musste das Trio zugeben.

Die Seniorinnen am Tisch auf der Bühne im Schanz an der Carl-Zeiss-Straße nennen sich „Egos“ und kamen am Stock aus Offenbach daher, um mit dem Mühlheimer Frauenbündnis am Fastnachtsdienstag 100 Jahre Internationalen Frauentag zu feiern.

Das Jubiläum nahm Doris Globig zum Anlass, auf die Geschichte des 8. März zurück zu blicken.

Die Frauenbeauftragte aus dem Mühlheimer Rathaus erinnerte an die 2. Konferenz der Sozialistischen Internationale in Kopenhagen, die auf Initiative von Clara Zetkin beschlossen habe, ab 1911 jährlich im Frühjar in allen Ländern für das Frauenwahlrecht und für die sozialen und wirtschaftlichen Rechte der Frau zu demonstrieren. Der erste Internationale Frauentag habe deshalb unter dem Motto „Heraus mit dem Frauenwahlrecht“ gestanden.

Acht Jahre später war ihr Kampf von Erfolg gekrönt, sechs Männer unterzeichneten die geforderte Gesetzesänderung. Marie Juchazc hieß die erste Frau, die vor einem frei gewählten deutschen Parlament sprach. Sie habe ihre Rede mit „sehr geehrte Herren und Damen!“ begonnen, erinnerte Doris Globig. Heute „haben wir das aktive und passive Wahlrecht“, zählte sie auf, „und seit 1997 dürfen Ehefrauen sogar selbst über ihre Berufstätigkeit entscheiden“.

Die Zahl erwerbstätiger Frauen steige, noch nie hätten so viele von ihnen in Führungspositionen gestanden, „sogar eine Bundeskanzlerin haben wir zu bieten“.

Doch nur drei Prozent der Posten in Aufsichtsräten seien von Frauen besetzt, nur ein Drittel der Mitglieder des Bundestags sei weiblich. Viele Bürgerinnen hätten jedoch nur Mini-Jobs oder arbeiteten lediglich in Teilzeit, Berufe wie Altenpflegerin, Erzieherin und Krankenschwester seien „gesellschaftlich und finanziell unterbewertet.

Schließlich mahne die EU regelmäßig die Gleichstellung in der Bundesrepublik an.

Das Bündnis im Schanz forderte „existenzsichernde Arbeit, einen gesetzlichen Mindestlohn und eine Quotierung für Aufsichtsräte und Vorstände“.

Die Sprecherin lenkte schließlich den Blick auf die arabischen Länder, wo Frauen und Männer für die Abschaffung von Diktaturen, Unterdrückung und Not kämpften. „Ihnen gilt unsere Solidarität.“ Bei der 23. Veranstaltung bedankte sich Doris Globig mit Rosen bei den 18 Mitgliedern des Kreises.

Das Trio „Egos“ lamentierte bei seinem Auftritt über die riesigen Wahlzettel, auf dem selbst „Tiere“ und „Piraten“ angekreuzt werden könnten.

Die Seniorinnen kritisierten im Plauderton auch die enormen Summen, die Politiker noch bekämen, selbst wenn sie zurückgetreten seien.

Später verwandelte die Band „Kick La Luna“ das Schanz in einen „Hexenkessel“, brachte Stimmung mit eigenen Arrangements und Texten, mit Funk und brasilianisch-feurigen Rhythmen.

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