Mitarbeiter sollen Bewohner misshandelt haben

RTL-Doku zeigt unwürdige Zustände in Seniorenzentrum

Mühlheim - Eine Fernsehreportage schockt aktuell die Region. In einem Seniorenzentrum des Deutschen Roten Kreuzes in Mühlheim sollen Pflegekräfte die Bewohner gedemütigt und misshandelt haben.

Eigentlich sollen die alten Menschen im Seniorenzentrum des Deutschen Roten Kreuzes in Mühlheim einen schönen und ruhigen Lebensabend verbringen können. Doch was hinter verschlossenen Türen passieren soll, lässt einen daran erheblich zweifeln. Eine Pflegekraft und ehemalige Mitarbeiterin hatte sich an das RTL-Magazin EXTRA gewandt - sie wolle die katastrophalen Zustände in dem Zentrum aufdecken. „Ich habe noch nie so viel Respektlosigkeit und psychische Gewalt erlebt wie in diesem Haus“, schilderte sie dem Kamerateam. Ihr Gesicht und den Namen bekamen die Zuschauer nicht gezeigt, die Frau wollte unerkannt bleiben. Um einen Blick hinter die Kulissen zu erhalten, hatte sich außerdem eine Reporterin als Praktikantin ausgegeben.

Was sie mit versteckter Kamera aufzeichnete, sahen die Zuschauer gestern Abend in der Reportage. In dem DRK-Seniorenzentrum würden demnach menschenverachtende Zustände herrschen. Der Bericht zeigte unter anderem eine Pflegekraft, die einer alten Dame nach der Intimpflege mit den Worten „Boah, du stinkst ey! Warum machst du denn soviel Pipi?“ die Handschuhe ins Gesicht hielt. Die Seniorin, die weder sprechen noch sich bewegen konnte, war gegen dieses Verhalten ihr gegenüber machtlos.

Die Reporterin sei außerdem selbst sofort fest eingeplant worden: Alleine und ohne eine richtige, eigentlich notwendige Einweisung betreute sie wohl als Praktikantin schwer pflegebedürftige Menschen. Viele der anderen Mitarbeiter würden ihre Machtposition auch ausnutzen. Sie beleidigten und demütigten die Bewohner, wie der Bericht zeigte. Die Frage, ob ihm kalt sei, bejahte ein Senior. „Pech“ kam wiederum vom Pfleger zurück.

Schlaue Technik im Haus für Ältere

Wie RTL berichtet, informierte die Reporterin nach Abschluss ihres Undercover-Einsatzes auch die Heimaufsicht in Frankfurt. Diese teilte wohl mit, dass sie aufgrund der TV-Recherchen ebenfalls erhebliche Mängel bei einer Prüfung feststellte und den Träger schriftlich aufgefordert habe, diese zu beseitigen. Außerdem sei die Aufnahme weiterer Bewohner gestoppt worden.

Einen ausführlichen Bericht mit Stimmen und Hintergründen lesen Sie in unserer morgigen Ausgabe der Offenbach-Post (8. November).

Erst Anfang Oktober war eine Großbäckerei in Offenbach in den Fokus geraten. Das RTL-Magazin „Team Wallraff -Reporter Undercover“ hatte schwere Vorwürfe erhoben, weil es dort Verstöße gegen Hygienevorschriften und gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen gebe. Die Bäckerei-Familie hatte sich daraufhin selbst an das Veterinäramt in Offenbach gewandt. Kontrolleure hatten daraufhin die Betriebsstätte überprüft. (jo)

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: dpa

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