Bei den Todgeweihten

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Rudolf Beck ist der Imker vom Gailenberg. Reichtümer lassen sich mit den Bienenstöcken zwar nicht anhäufen. Doch dass sich Menschen für seine Arbeit interessieren,

Mühlheim - Ideal verliefen Frühling und Sommer für die Imker nicht gerade. Bis Anfang Juli regnete es aus Kübeln. Dann kamen die Bienen mit dem Sammeln von Honig nicht mehr so recht hinterher. „Weil alles auf einmal blühte“. Von Stefan Mangold

Christina Beck plaudert für die Gäste von Mühlheims Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, noch schnell ein bisschen aus dem Nähkästchen, bevor ihr Gatte Rudolf, der Imker vom Gailenberg, ebenfalls eintrifft. Er musste noch schnell die Enkelin vom Bahnhof abholen, die in den Ferien aus Köln kommt. Das Warten stört niemanden. Derweil haben sich nämlich alle an den Tischen platziert und ihr Picknick ausgebreitet. Rudolf Beck erklärt an seiner Imkerei auf dem Gailenberg die Feinheiten der Bienenzucht. Wie etwa diese sechseckigen Löcher in die Waben kommen. Die wirken wie von einer Maschine gestanzt. „Was sie nicht sind“, betont der 79-jährige, „die Löcher fabrizieren die Bienen selbst“.

Vom Friedhof in Lämmerspiel bis zum Gailenberg führt am Sonntagmorgen der Weg von Heinz Bruch, dem Vorsitzenden der SDW-Ortsgruppe. Er organisiert seit mehr als dreißig Jahren Exkursionen in die Natur der Umgebung und hatte sich im Mai gewundert, „wie viele Leute auf der Kräuterwanderung dabei waren“. Denn damals regnete es so stark, dass keine Biene auf die Idee gekommen wäre, den Stock zu verlassen. Anders als jetzt, wo Becks Völker brummen, was das Zeug hält. Doch nicht alle Bienen fliegen nach draußen. Der Staat ist arbeitsteilig bis ins kleinste Details organisiert. Bienen, die sammeln, übergeben den Nektar jenen, die zu Hause bleiben. Die lagern ihn in den Waben ein.

Dass die männliche Biene nicht viel zu lachen hat, ist bekannt. Eine einzige Drohne darf die Königin begatten. Der kleine Kerl stirbt an den Folgen der Kopulation. Im wahrsten Sinne des Wortes zerreißt es das Insekt. Mit dolce vita - also essen können, ohne arbeiten zu müssen - ist für seine Geschlechtsgenossen anschließend Schluss. Deren Quasi-Einlassdokument gilt bei den Pförtnerinnen des Stockes nichts mehr - die Drohnen bleiben draußen und verhungern.

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Rudolf Beck übernahm die Bienen von seinem Vater. „Einem passionierten Bauern“, der sein Steckenpferd unbedingt in zuverlässige Hände übergeben wollte, wie Christina Beck erzählt. „Was sehr zeitaufwändig ist“, beobachtet sie. Aber lohnend? Ein Geschäft lasse sich für Imker auf der Ebene nicht machen. „Wenn zum Schluss eine Null steht, kann man zufrieden sein.“ Ansonsten bekommt Rudolf Beck oft Anfragen von Kindergärten und Grundschulen, dem Nachwuchs seine Bienen zu zeigen. Die Kinder müssen dann ein Schreiben mit der Versicherung vorlegen, auf einen möglichen Bienenstich nicht allergisch zu reagieren, „auch wenn das so gut wie nie passiert“.

„Gegen die sogenannte Varroamilbe hilft Ameisensäure“, weiß Edmund Helbing, Mitglied im Vorstand der SDW. Er selbst ist zwar kein Imker, kennt sich jedoch mit dem Zubehör bestens aus, weil er früher Imkerbedarf verkaufte. „Die Milbe haben die Imker heute im Griff“, konstatiert Helbing. Jemand fragt Rudolf Beck, was es mit der Faulbrut auf sich habe. Eine bakterielle Brutkrankheit, welche den Bienennachwuchs angreift. Betroffene Imker müssen den Befall melden. Für die Kollegen aus dem Radius von drei Kilometern bedeutet das Ungemach. Bis der Alarm endet, müssen die ihre Kästen außerhalb des Kreises positionieren.

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