Sabotage mit Scherben

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Walter Beez mit einem Teil der Scherben, die er mit seinem Vater auf dem Hof mühsam aus dem Heu sortiert hat.

Mühlheim - Natürlich habe er überlegt, wer dahinter stecken könnte. Da sei mancher Mitmensch durch sein gedankliches Raster gelaufen. „Aber das führt zu gar nichts“, stellt Walter Beez fest. „Das sagte mir auch die Polizei“, an die er sich längst wendete. Von Stefan Mangold

Sicher gebe es Leute, mit denen die Chemie nicht auf die gleiche Art stimme wie mit anderen, „aber ich bin mir nicht bewusst, irgend jemanden zum Feind zu haben. “ Er habe also keine echte Vermutung, wer jetzt zum dritten Mal Scherben auf seiner Wiese am Waldrand an der Steinheimer Straße verteilte. „Ich traue das keinem zu. “ Es muss jedoch jemanden geben, der dem Landwirt Walter Beez und seiner Familie aus Lämmerspiel seit 2008 zu jedem Sommeranfang massiv schaden will.

Denn Scherben auf einer Wiese, das klingt eigentlich nach Bierflaschen hirnloser Zecher, die ihr Leergut planlos durch die Gegend schmeißen oder extra an Steinen zerschellen lassen. Die Scherben, die Walter Beez zusammen mit seinem Vater von der Wiese und aus dem gemähten Heu sortierte, sind jedoch nicht das Ergebnis eines Gelages in freier Natur, sondern Zeichen gezielter Sabotage. Auf einer Fläche von etwa 400 Quadratmetern zerbröselte der Täter „ungefähr dreißig Leuchtröhren in einer Linie.“

Ein ordnungsliebender Charakter? Sonst platzierte der Täter viele braune und grüne Scherben, die sich auch jetzt noch finden, ergänzt Beez. „Er wählt die Farben so aus, dass sie dem Gras ähneln.“ Auch abgebrochene Flaschenhälse findet Beez immer noch, solche aus farblosem Glas und kaum erkennbar, wie die anderen. Die wiederum lässt der Unbekannte nicht fallen, er stellt sie auf. „Er will die Reifen meines Traktors zum Platzen bringen.“

Vermeintlicher Naturschutz als Motiv?

Walter Beez (41), Gatte von Karin und Vater von drei Söhnen, bewirtschaftet den Hof an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße in der dritten Generation im Nebenerwerb. Die ganze Familie verkauft die eigenen Erzeugnisse vor Ort. Hauptberuflich arbeitet Beez für den Wasserverband und betreut die untere Rodau. Auch wenn er keine konkrete Person verdächtigt, so vermutet er ein bestimmtes Motiv, das ist das einzige, das für ihn Sinn ergibt. „Die Wiese gehört zum Naturschutzgebiet. Das Knabenkraut wächst hier“, eine seltene Orchideenart, „und der Wiesenknopf“, der zur Familie der Rosengewächse gehört und auch nicht an jeder Ecke aus dem Boden sprießt. Deshalb dürfe er die Wiese nicht vor dem 15. Juni mähen. Bis dahin haben die Pflanzen ihren Samen abgeworfen. „Ich warte immer noch ein paar Tage länger.“ Jedes Jahr wachsen die Arten wieder neu.

Beez hebt eine Scherbe auf und erzählt von der Mühe, das Heu mit der Hand zu durchsuchen. Eine Garantie, wirklich alle gefunden zu haben, „die kann ich nicht geben“. Das Heu dient als Futter für seine Rinder. In den letzten Jahren sei es wohl gelungen, alle Scherben zu finden. „Wenn ein Tier doch mal eine schluckt, verendet es jämmerlich.“ Auch laufe ständig Wild über die Wiese. „Ich kann nicht sagen, ob sich Rehe schon verletzt haben“, möglich sei das.

Falls es sich beim Täter um einen vermeintlichen Naturschützer handele, solle der wissen: „Es ist nur Zufall, dass noch kein Tier qualvoll verreckte.“

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