Heute gründet sich „Die Partei“ in Mühlheim

Satirische Tabubrüche

Mühlheim - In Mühlheim wird sich heute ein Ableger der Gruppe „Die Partei“ gründen. Konkurrenz haben etablierte Volksvertreter davon nicht zu erwarten. Zum einen kommt der Akt für die Kommunalwahl zu spät. Zum anderen ist „Die Partei“ eher als Polit-Parodie zu verstehen. Von Marcus Reinsch 

Aus der Taufe gehoben hat sie Martin Sonneborn, einst Chefredakteur des Satiremagazins Titanic. Wie wäre es mit einem Basaltkopp als Willkommensgeschenk für jeden Mühlheimer Neubürger? Mit einer U-Bahn-Station in Lämmerspiel? Mit der Reaktivierung der Dietesheimer Steinbrüche, um Material für eine neue Mauer um eine Sonderwirtschaftszone in den neuen Bundesländern zu liefern? Mit der Überflutung und Renaturierung Hanaus per Schließung der Mühlheimer Schleuse? Oder der Umwandlung des Blockheizkraftwerks am Hallenbad in eine Brauerei, in der „Faschisten, Idioten, Arschlöcher, Religionsfanatiker“ arbeiten müssen, um die Freibierausgabe am Bahnhof zu bestücken?

Noch ein Fastnachtsverein in der Karnevalshochburg Mühlheim? Oder nur ein im Kalender verrutschter Aprilscherz? So einfach ist es nicht. Die Vorschläge hat Christian Scheeff geschickt. Das ist der hessische Landesvorsitzende von „Die Partei“. Und die ist erstens eine wirkliche Partei. Sie tritt bei Wahlen an. Das hat ihrem Bundesvorsitzenden Martin Sonneborn - Ex-Chefredakteur des Satire-Heiligtums „Titanic“, heute verantwortlicher Redakteur der Satirerubrik „Spam“ auf Spiegel Online - bei der Europawahl vor zwei Jahren einen Sitz im Europäischen Parlament eingebracht.

Und zweitens gründet „Die Partei“ heute Abend mit Vor-Ort-Akteuren einen Ortsverein in Mühlheim. In der Region ist die Gruppe bisher zum Beispiel in Frankfurt und Babenhausen vertreten, in Hanau und Darmstadt-Dieburg. Die mühlenstädtische Geburtsstunde schlägt um 19 Uhr im Schanz-Wohnzimmer (Carl-Zeiss-Straße 6). Neugierige sind da gern gesehen.

Das Treffen in der Kulturhalle verweist schon auf die Maxime, der „Die Partei“ folgt: Sie stellt sich bevorzugt mit Tabubrüchen vor, was Inhalt und Wortwahl betrifft, greift zum Mittel der Überspitzung, zeigt sich politisch bewusst unkorrekt und provokativ. Das hat ihr schon viel öffentliche Schelte und Unverständnis eingebracht, eher in Feuilletons denn auf Nachrichten-Seiten aber auch und vor allem Würdigungen als Spiegel der Gesellschaft und des Politik-Betriebs etablierter Parteien.

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So oder so: Fürs Mitmischen bei der Kommunalwahl am 6. März kommt der Mühlheimer Gründungsakt zu spät. Die Bewerbungsfrist ist längst vorbei. „Aber in Mühlheim steht ja bald auch noch eine Bürgermeisterwahl an“, sagt Landesvorsitzender Christian Scheeff. Eine Kandidatur seitens „Die Partei“ ist da nicht ausgeschlossen. Noch so eine ihrer Forderungen: „Ein neuer Rathauschef muss her! Mühlheim braucht endlich wieder einen korrupten und schmierigen Bürgermeister, welcher bestens im Mühlheimer Filz integriert ist.“ Das könne der jetzige Amtsinhaber nicht bieten.

Rubriklistenbild: © dpa

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