Satt essen auch am Monatsende

+
Mitglieder der CDU-Fraktion informieren sich im Lebensladen über die Organisation des karitativen Betriebs.

Mühlheim - Weil das „tägliche Brot“ auch für manche Mühlheimer inzwischen keine Selbstverständlichkeit mehr ist, hat sich der Lebensladen schnell etabliert. Von Stefan Mangold

Seit fast zwei Jahren, seit dem 2. September 2009, finden Bedürftige in der Zach-Halle am Bahnhof jeden Mittwoch um 16 Uhr Unterstützung. Für einen symbolischen Euro pro Haushalt kann, wer unter der Armutsgrenze lebt, hier Lebensmittel kaufen. Die Halle stellt der Unternehmer Hans-Günter Zach zur Verfügung, sonstige Kosten werden von der Stadt übernommen.

„Jeder muss einen entsprechenden Ausweis vorlegen“, erklärt Stadträtin Elisabeth Gilmer-Kaiser, eine der ständigen Helferinnen. So vermeiden die Organisatoren der evangelischen Friedensgemeinde Dietesheim und des Leitbildprojekts, dass hier nicht nur Bedürftige anstehen, sondern auch von Geiz getriebene Schnäppchenjäger, denen nichts peinlich ist.

90 Mühlheimer besitzen den entsprechenden Ausweis

Nicht so wie dem Mann, von dem Marita Schelzke, Mitglied im Kirchenvorstand, Daniela Gramlich von der CDU erzählt. Deren Fraktion informierte sich am Dienstag im Rahmen der „CDU-Sommerfraktion“ vor Ort über die Logistik des Lebensladens. Schelzke traf hier einmal einen Bekannten. Den berührte die Begegnung offensichtlich so unangenehm, „dass er nicht mehr wiederkam“. Andere kommen immer öfter, müssen kommen. Etwa 90 Mühlheimer besitzen den entsprechenden Ausweis. Gegen Ende des Monats „kommen eher mehr, als weniger“, spricht Lebensladen-Sprecherin Anne Taistra aus Erfahrung. Nämlich dann, „wenn sich das Geld aus Hartz IV langsam neigt.“

Ansonsten gehörten auch viele Asylbewerber zur Kundschaft, die kaum über finanzielle Mittel verfügten. Einige derer, die von der Initiative profitieren, helfen selbst mit, die Autos auszuladen und die Waren aufzustellen. Am Verkaufstag halten sich vor den Auslagen immer nur zehn Kunden gleichzeitig auf, um Gedränge zu vermeiden. Es komme fast nie vor, „dass jemand mehr haben will, als ihm zusteht“, beobachtet Schelzke.

Auf zusätzliche Spenden angewiesen

Immer dienstags holen Fahrer mit ihren Privatautos bei den örtlichen Filialen der Lebensmittelketten die Sachspenden ab. Manchmal sind das Produkte, die eine Delle haben und sich deshalb nicht mehr verkaufen lassen. Beim Bio-Basilikum hängt mal ein Blatt welk herab, in einer Tomatendose ist ein Knick. Das meiste ließe sich auch im Supermarkt verkaufen. Salat, Zwiebeln und Sellerie hinterlassen einen tadellosen Eindruck, ebenso das Brot, das Mühlheimer Bäckereien abgeben. „Trotzdem sind wir auf zusätzliche Spenden angewiesen“, sagt Stadträtin Erika Sickenberger. Milch und Kartoffeln führt der Lebensladen immer. Fehlen die beiden Produkte in den Körben, „kaufen wir die zu.“ Im Monat brauche der Laden deshalb um die 200 Euro an Geldspenden.

Ein wenig kann der Nebenerwerbslandwirt Manfred Sondergeld die Kartoffelnot lindern. Er gibt seine Überschüsse ab. Je nach Ernte fallen die unterschiedlich aus. „Im letzten Jahr waren es 450 Kilo, davor über 800.“ Zwischen drei und vier Tagen können sich die Leute nach einem Gang durch den Laden ernähren. Helferin Petra Kraft gibt zudem regelmäßig Kochkurse, „im Schnitt nehmen aber nur vier Leute teil.“

Eine perfekte Organisation und eine reibungslose Bürokratie erleichtern humanes Wirken ungemein. Das beweisen die 100 Helfer ständig. Wer im Dezember Geschäfte abfährt und Lebensmittel austeilt, steht schon im Juni auf dem Plan. Fällt einer aus, springen andere ein.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare