Andreas Jung übernimmt Geschäftsführung

Wachwechsel im Schanz

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Die neuen Schanz-Geschäftsführer: Die Bankkauffrau Barbara Knies erledigt Buchhaltung und Verwaltung, Andreas Jung kümmert sich um die Geschicke vor und hinter der Theke.

Mühlheim - Ob dort nun Bands spielen, Bürgerinitiativen tagen, das Mühlheimer Frauenbündnis seinen Geburtstag feiert, König Henninger Hof hält, Autoren im Biergarten lesen oder einfach Normalbetrieb ist: In Mühlheim würde ohne das Schanz einer der Treffpunkte fehlen. Von Stefan Mangold 

Und auch in eigener Sache zeigt sich die Kulturhalle wandlungsfähig. Jüngst vor allem personell.

Eigentlich sollte jetzt die monatliche „Session“ im Schanz stattfinden. Im Prinzip darf sich da jeder auf die Bühne, der etwas vortragen will, der Tradition des Hauses folgend am liebsten Musikalisches. Doch wegen Krankheit mussten zwei von drei Interpreten kurzfristig absagen. So gestaltete ein Duo mit dem Namen „Soggeschuss“ den Abend alleine.

Kein Problem für Sonja Kaiser und Werner Horn, die aus einem Repertoire von 200 Songs schöpfen, darunter Klassiker von Tina Turner bis Marlene Dietrich. Im Publikum singen einige mit. Was bei „Soggeschuss“ neben der musikalischen Reife im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern des Genres angenehm auffällt: Die beiden interpretieren in moderater Lautstärke. Dadurch lässt sich differenzierter hinhören, außerdem können sich die Leute weiter unterhalten.

Auch das Schanz selbst hat sich in seiner jüngsten Vergangenheit als anpassungsfähig gezeigt: Mit Barbara Knies und Andreas Jung stehen für die Main-Schwein GmbH zwei neue Namen im Handelsregister. Die Gesellschaft betreibt das Restaurant. Ehrenamtlich war Barbara Knies schon lange in der „Kulturfabrik „eigenArt“ aktiv. Der Verein organisiert die Veranstaltungen im Schanz, Knies führte die Kasse. Kein Job, um den sich Mitglieder in Kampfabstimmungen balgen. Die 52-Jährige aber ist als gelernte Bankkauffrau prädestiniert fürs Finanzielle. Also hat sie Buchhaltung und Verwaltung für den Firmenableger hinterm Schanz übernommen.

Andreas Jung gehört mit seinen 21 Jahren sicherlich zu den jüngsten Geschäftsführern in der Republik. Bereits als Minderjähriger arbeitete er in der Küche, und mit der Volljährigkeit durfte er auch das Bier zapfen. Seine Geschäftsführung im Schanz muss er mit seinem Bioinformatik-Studium in Frankfurt koordinieren.

In den 80er Jahren eröffneten viele alternative Cafés und Kneipen. Nicht selten wirkten die unerfahrenen Servicekräfte eher minder flott. Die Gäste mussten mitunter auch bei überwiegend leeren Tischen arg lange warten, bis sich jemand bequemte, die Bestellung der Tasse Kaffee aufzunehmen, die dann wieder ewig lange auf sich warten ließ. Wenn Mitinitiator Thorsten Bauch erzählt, wie es mit dem Schanz vor 20 Jahren angefangen hat mit einer brach liegenden Halle an der Carl-Zeiss-Straße, dem Comedy-Musical „König Henninger“ und der Idee von ein paar Leuten, „eine Kneipe aufzumachen, das ist doch nicht schwer, wir werden uns abwechseln“, dann lässt sich nicht erahnen, dass sich das Schanz schnell in der Stadt als feste Kulturadresse etablierte.

Am Anfang reichte man zu den Konzerten Bier aus der Flasche und lukullische Raffinessen wie Currywurst und belegte Baguettes, wie sich Barbara Knies erinnert. Sie war kurz nach dem Startschuss von Köln nach Mühlheim gezogen. Ziemlich flott nahm damals Nicole Bauch in der Küche das Heft in die Hand, baute das Angebot aus. Sie führt mittlerweile das „Esszimmer“ in der Nachbarstadt.

Vor kurzem wechselte auch der Koch. Aus familiären Gründen hörte Ralf Klose auf. Dessen Nachfolge übernahm Tobias Schmitt. Der 27-Jährige wechselte vom „King Creole“ in Frankfurt ins Schanz. Zum einen wohnt er in Mühlheim, zum anderen agiert Schmitt hier als Küchenchef. Im Sommer bleibt jedoch die Pizza aus dem Steinofen im Hof der große Renner.

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