Retters Seelen hinter Glas

Schau „Glanzstücke“ zeigt Feuerwehr-Ärmelabzeichen

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80 aus jetzt 250: Wilfried Bodensohn mit den Ärmelabzeichen.

Mühlheim - An die Szenen können sich viele gut erinnern: Die Kapitäne Franz Beckenbauer und Johann Cruyff tauschen 1974 vor dem Finale zur Fußball-WM ebenso die Wimpel wie vierzig Jahre später Philipp Lahm und Lionel Messi. Um die Vorläufer der Wimpel ging es bei den Römern. Von Stefan Mangold 

Feldherr Crassus verlor mal in einer Schlacht die Standarten. Um sie zurückzugewinnen, wollte Cäsar einen erneuten Krieg vom Zaun brechen, den lediglich das Attentat auf ihn verhinderte. Seit jeher gelten Zeichen und Flaggen als Identitätssymbole für Gruppen. Sie bleiben, wenn die nächsten Generationen sie hochhalten. Die Geschichte der Feuerwehren bildet da keine Ausnahme. Die Exponate der Freiwilligen Feuerwehr Lämmerspiel gehören zur Ausstellung „Glanzstücke aus den Schatzkammern Mühlheimer Sammler“, die zurzeit im Stadtmuseum läuft. Achtzig Ärmelabzeichen verschiedener Wehren hängen in zwei Glasvitrinen – eine Auswahl aus 250 Stück.

Wilfried Bodensohn, seit 16 Jahren Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr in Lämmerspiel, erzählt, wie es mit der Sammlung begann. Auf die Idee kam Ende des 80er Jahre Claus Sendlbeck, der 1994 in jungen Jahren verstarb. An sich wäre es kein Problem für die Lämmerspieler, eine beliebig hohe Zahl von Ärmelabzeichen zu beschaffen. „Wir könnten überall anrufen und sagen, wir schicken euch eins von uns und ihr uns eins von euch“, erklärt Bodensohn – was aber gerade nicht in der Intention von Sendlbeck lag.

Er und seine Mitstreiter hatten kein Interesse daran, eine Sammlung anzulegen, der sie Seele fehlt. Die liegt in der persönlichen Bedeutung und der Erinnerung. Daran, durch welche Begegnungen es zu den Stücken kam. Für Sendlbeck begann die Geschichte ähnlich wie bei Soldaten, die auf Manövern oder Truppentreffen die Litzen tauschen, jene nach Waffengattung farblich unterschiedlichen Bändchen, die am Ende der Schulterklappen hängen. Auf Kreisfeuerwehrtagen und Lehrgängen ging das Tauschfieber los. Und die Lämmerspieler fixten mit ihrer Idee auch die anderen Wehren im Kreis an. Sendlbeck nahm vor allem Horst Kuhr und den damaligen Wehrführer Bernd Schwerzel mit ins Boot.

Mancher im Stadtmuseum könnte sich wundern, wie nach den beschriebenen Kriterien etwa ein Abzeichen vom Fire-Department Seattle hinters Glas gelangt. Unwahrscheinlich, dass die Lämmerspieler mit Amerikanern im Bundesstaat Washington zusammen löschten oder trainierten. Bodensohn erzählt von Kameraden, die während ihres USA-Urlaubs bei der dortigen Feuerwehr anklopften, sich vorstellten und die Löschfahrzeuge von ihren Gastgebern gezeigt bekamen.

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Andere fuhren im Winterurlaub im Tiroler Tiersee nicht nur die Hänge runter, sondern besuchten die österreichischen Kameraden und tauschten hier ebenso Ärmelabzeichen wie später in München mit den Freiwilligen und der Berufsfeuerwehr.

Um ein ganz andere Thema geht es im Vorraum des Stadtmuseums. Dort steht eine Vitrine mit Instrumenten von Karl-Heinz Stier. Der Vorsitzende des Geschichtsvereins besuchte in seiner Eigenschaft als Journalist beim Hessischen Rundfunk regelmäßig die Frankfurter Musikmesse. Immer wieder erstand der Mann Instrumente wie eine Bach-Trompete, ein Akkordeon und ein Teil, von dem wohl die wenigsten vermuten, dass es so etwas überhaupt gibt. Alphörner kennen die meisten nur als imposante Röhre von über vier Metern Länge mit Mundstück. Dagegen nimmt sich die Miniatur-Variante Stiers bescheiden aus. Hat aber auch Vorteile – das Horn passt problemlos diagonal in den Schaukasten. Für seine Schau „Glanzstücke“ vereint der Geschichtsverein im Stadtmuseum 36 Sammelgebiete. In einer kleinen Serie stellen wir Schwerpunkte vor. Heute: die Feuerwehr-Ärmelabzeichen.

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