Schicksale von Geflüchteten

Schau zeigt gefährlichen Weg in ein sicheres Leben

Die Ausstellung im Rathaus erzählt die Geschichten von Geflüchteten in Mühlheim.
+
Die Ausstellung im Rathaus erzählt die Geschichten von Geflüchteten in Mühlheim.

Mühlheim - Jetzt steht es auch geschrieben: Viele Migranten fühlen sich in der Mühlenstadt sehr wohl. Von Michael Prochnow 

Die Fotografin Katrin Schander und die Sozialarbeiterin Anneliese Wald stellten ihren Bildband „Menschen in Mühlheim – Geschichten von Geflüchteten“ vor, in dem sie Lebenswege, Sorgen und Nöte der Schutzsuchenden dokumentieren. Bilder und Texte füllen eine Ausstellung im Rathaus.

„Als ich 16 Jahre alt war, sind die Taliban gekommen und wollten mich mitnehmen. Ich wollte das nicht. Sie sagten mir, wenn du beim dritten Mal nicht mitkommst, töten wir dich.“ Ahmad schaffte es bis zu seinem Cousin nach Mühlheim. „Die Hauptsache ist, wenn man selber gut ist, dann wird alles gut“, formuliert der 19-jährige Afghane.

Als 2015 viele Schutzsuchende untergebracht wurden, wollte auch Katrin Schander etwas tun, „die Menschen mit meinen Mitteln unterstützen“, berichtet sie. Die Fotografin durfte viele von ihnen in Szene setzen. Dazu erzählten ihr die Porträtierten ihr Schicksal. Die Kontakte stellte Streetworkerin Anneliese Wald her, die im Verein Zugpferd mit Asylbewerbern arbeitet.

„Es gibt 111 Kuchenrezepte, die ich backen kann“, erklärt Fawad. Er stammt aus Masar-i-Sharif, ist Paschtune, seine Frau Tadschikin. Der Vater von drei Kindern arbeitete in seiner Heimat als Dolmetscher und spricht acht Sprachen. Heute lebt er mit seiner Familie in einem Zimmer an der Borsigstraße. Wohnung und Arbeit zu finden, das ist das oberste Ziel, vor allem für Männer, die ihre Familie nachkommen lassen konnten.

Mehrere Interview-Partner haben der Fotografin erläutert, dass ihr Alter nicht exakt stimme, weil ihre Geburt erst „irgendwann“ von den Eltern gemeldet wurde. Die eigenen Kinder seien sehr gut integriert, besuchen nach der Grund- die Realschule oder sogar das Gymnasium, tanzen in einer DJK-Garde oder gehören der Kinderfeuerwehr an – wie Reyona und Christian.

„Die meisten Menschen hier sind nett“, diktiert Lubna ins Aufnahmegerät. „Wenn ich die Kirchenglocken höre, fühle ich mich gut, aber hier ist nicht meine Heimat.“ Die drei Schwestern leben noch in Syrien, Mutter und Bruder in den USA, „aber ich vermisse mein Land, die Sonne“, erklärt die Buchhalterin. Sie würde gerne eine Ausbildung zur Krankenschwester oder zur Verkäuferin machen, aber die Chancen dafür stünden schlecht.

Merkel: Mehr Aufklärung über Gefahr illegaler Migration

„Der Weg, den ich gegangen bin, ist sehr gefährlich“, warnt Awet, der bereits vor fünf Jahren Eritrea verlassen hat, seine Familie in den seltenen Telefonaten. Viele Flüchtende werden in Libyen wegen ihres Glaubens erschossen oder ertrinken im Mittelmeer. Wie Awets Cousine: „Seit sie gestorben ist, habe ich keine Musik mehr gemacht.“

Die Frau mit der Kamera musste sich anfangs noch mit Händen und Füße verständigen. „Später saßen wir eineinhalb Stunden zusammen und plauderten – auf Deutsch.“ Zurückblickend stellt sie fest, „trotz aller Unterschiede sind wir alle Menschen mit Gemeinsamkeiten, dem Bedürfnis nach Frieden, Würde, Anerkennung und Liebe“.

„Ich bin stolz auf unser gutes und interkulturelles Miteinander“, eröffnet Bürgermeister Daniel Tybussek die Feierstunde im Rathaus-Foyer. Lehrer Uwe Adam hat mit einigen Kindern aus der Unterkunft Borsigstraße ein Indianerlied mit Ukulelen und Tanzbändern einstudiert. Der Unterricht wird finanziert aus Spenden vom Neujahrskonzert der Sport-Union und einem Klavierkonzert des Ausländerbeirats.

Die Ausstellung ist noch bis Weihnachten zu den Öffnungszeiten des Verwaltungsgebäudes zu sehen, das Buch gibt es zu 16,90 Euro im Mühlheimer Buchladen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion