Sicherheitsberater und Polizist erläutern

Schauspieler ohne Theater: So erkennt man Trickbetrüger

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Filialleiter Jürgen Hornung (Mitte) hatte Hauptkommissar Stefan Wagner (links) und Sicherheitsberater Siegfried Fröhlich eingeladen, die Kunden zu beraten.

Mühlheim - Es gibt gute Schauspieler und schlechte. Und es gibt jene, bei denen ein Zuschauer erst mitkriegt, dass ihm da jemand etwas vorgespielt hat, wenn es schon zu spät ist. Von Stefan Mangold 

Vor diesen Trickbetrügern warnten ein Sicherheitsberater und ein Polizist in Mühlheims Filiale der Volksbank Maingau. Eine 77-Jährige spricht mit Polizeihauptkommissar Stefan Wagner über das mulmige Gefühl, ihre Handtasche in den Fahrradkorb zu legen. Sogar, wenn der Bändel ums Sattelrohr gebunden ist. Wagner kennt das Problem natürlich. Genau deshalb ist er hier. Gemeinsam mit Sicherheitsberater Siegfried Fröhlich berät er in der Mühlheimer Geschäftsstelle der Volksbank Maingau Passanten nicht nur, wie man es verhindert, am Geldautomaten bestohlen zu werden. Das Duo kennt auch die Maschen von anderen Dieben und Trickdieben gut.

Der radelnden Dame rät er dringend vom Wird-schon-nichts-passieren-Glauben ab. Und gerade besagte Sicherung der Tasche könne zu einem weit größerem Problem als der Diebstahl selbst werden: „Wenn dann jemand nach der Handtasche greift, stürzen Sie.“ Die Frau plant, Geld und Karten künftig woanders zu verwahren. Die meisten Opfer von Trickbetrug schlagen sich hinterher gegen die Stirn: „Wie konnte ich nur.“ Siegfried Fröhlich erklärt Verhaltensregeln beim Geldabheben selbst. Ratsam sei, erst zu erscheinen, wenn die Filiale schon geöffnet habe. Wen das Gefühl beschleiche, dass jemand zu dicht auf die Pelle rückt, „der soll sich umdrehen und um Abstand bitten“.

Weiterhin muss die Polizei nach wie vor davor warnen, die EC-Karte zusammen mit der Geheimnummer aufzubewahren. Auch die vermeintliche Raffinesse, vor die PIN einen Namen samt Vorwahl zu setzen, durchschauen die meisten Täter längst. Und immer noch passiere es, „dass Leute ihre Geheimnummer auf die Karte schreiben“. Für Diebe komme das der gebratenen Taube gleich, die einem in den Mund fliegt.

Trickbetrüger gehen meist perfider vor. Sie suchen sich ältere, gebrechliche Leute aus, die nicht unbedingt merken, dass jemand beim Eingeben der Nummer zuschaut. Dann werfe jemand einen Zehn-Euro-Schein auf den Boden und sage: „Ich glaube, der gehört ihnen.“ Wenn die als Opfer auserkorene Seniorin sich bücke, ziehe ein zweiter Täter blitzschnell die Karte raus und hebe am Automaten nebenan Geld ab. In einem solchen Moment sollte einem bewusst sein: Jeder, der auch nur über einen Hauch von Kinderstube verfügt, würde den Schein aufheben und der Frau geben. Alles andere zeugt von schlechten Manieren oder kriminellen Absichten.

Fröhlich und Wagner berichten auch von falschen Polizisten. Die klingeln an der Haustür und erzählen von einer dringenden Fahndung nach Falschgeld, weshalb sie die Bargeldbestände „inspizieren“ müssten. Klingt seltsam, funktioniert aber leider oft. Gerade bei Senioren. Neunzigjährige wuchsen nunmal in einer Zeit auf, als die Weisung eines Schutzmannes einem Gottesgebot gleichkam. Wagner rät dringend: „Nie jemanden reinlassen, den man nicht kennt.“

Die gängigsten Tricks der Diebe

Auch nicht den Kerl im Blaumann, der von einem Rohrbruch faselt, weshalb er in der Wohnung nachsehen müsse – „der falsche Handwerker lässt dann die Tür für seinen Mittäter auf“. Manchmal entdeckten die Beklauten erst nach Wochen, dass Schmuck und Bargeld fehlen. Siegfried Fröhlich, ein pensionierter Hauptkommissar, rät den Bürgern, sich nicht zu scheuen, die Polizei anzurufen, wenn ihnen etwas falsch erscheine. Was den berühmten Enkeltrick betrifft, sollte gelten, absolut niemals Geld abzuheben, weil sich das irgendwer am Telefon wünscht. Seien es nun angebliche Enkel, Polizisten oder Freunde, die den Sohn im Ausland aus der Haft freikaufen wollen. „Die Täter setzen die Leute am Telefon psychisch massiv unter Druck“, sagt Fröhlich.

Der 66-Jährige erzählt von einem Fall, als ein zum Glück aufmerksamer Bankangestellter bei einem älteren Kunden nachfragte, für was er die 20 000 Euro brauche. Als der mit „Das geht Sie gar nichts an“ antwortete, sah er seinen Verdacht bestätigt und rief die Polizei. Den Beamten gelang es erst mit viel Zureden, den Mann dazu zu bewegen, die Geschichte vom Anruf des angeblichen Enkels zu erzählen und den richtigen Enkel doch mal anzuklingeln. Der wusste natürlich von nichts. Die Masche klappe vor allem bei Menschen, die schon lange alleine leben und sich freuen, wenn sich ein Angehöriger bei Ihnen melde.

Um 20 000 Euro ging es auch in dem Fall, von dem Stefan Wagner erzählt. Ein Senior hatte das Geld als Baranweisung überwiesen, um seinen in Berlin lebenden Sohn aus dem Gefängnis in der Türkei zu kaufen. Der Mann, der eigentlich einen klaren Eindruck hinterlassen hatte, erklärte, in dem Moment gehofft zu haben, „dass mein Sohn aus Dankbarkeit für meine Hilfe wieder in den Kreis Offenbach zieht...“ Ein Anruf in Berlin hätte zuminest genügt, das Geld zu behalten.

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